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"Die Arbeit war für mich Lebensmittel"

"Die Arbeit war für mich Lebensmittel"

38 Jahre lang arbeitete Manfred Sohns im Dekanat St. Willibrord nahe an den Menschen. Am Sonntag, 30. Januar, wird er im Konvikt offiziell verabschiedet. Ihm folgt Johannes Eiswirth nach.

Prüm. (sn) Als Manfred Sohns, scheidender Dekanatsreferent, zum Gespräch in der Redaktion erscheint, möchte er vor allem eins nicht: Glorifizierung seiner Person. "Ich bin doch nur einer von vielen", sagt er.

38 Jahre lang hat er im Dekanat St. Willibrord gearbeitet. Bertreut hat er zwölf Pfarreiengemeinschaften mit 51 Pfarrgemeinden, mehr als 35 000 Katholiken, davon 450 Pfarrgemeinderatsmitglieder verteilt über eine Fläche von 975 Quadratkilometern.

Der 63-Jährige war zuständig für die Leitung der Geschäftsstelle und dort vor allem mit administrativen Aufgaben betraut, wie zum Beispiel der Vorbereitung von Konferenzen. Zur Hälfte waren seine Aufgaben pastoraler Art. Schwerpunkte waren Begleitung und Schulung der Ehrenamtlichen, die Vernetzung von Kirche und Caritas und die Verantwortung für religiöse Bildung und Spiritualität im Dekanat.

"Die Arbeit war für mich nicht nur ein Job oder reiner Broterwerb, sondern Lebensmittel", sagt Sohns. Er habe versucht, seinen Dienst, mit "Herz und Seele" in den unterschiedlichen Bereichen zu erfüllen.

Dabei waren ihm auch Wochenenden und Abendstunden nicht heilig. Alles andere als familienfreundlich. Doch seine Aufgabe habe ihm immer Spaß gemacht, versichert er. Es sei ein Geben und Nehmen gewesen. Und die Familie habe das mitgetragen.

Der gebürtige Wallersheimer und gelernte Finanzbeamte hat seine berufliche Erfüllung dem Zufall zu verdanken. Beim Biertrinken sei er von dem damaligen Wallersheimer Pfarrer Paul Kirsch angesprochen worden, ob er nicht Interesse habe, sich auf die frei werdende Stelle des Regionalassistenten zu bewerben. "Und so habe ich mich vorgestellt und kam fast wie die Jungfrau zum Kinde zu einer neuen Arbeit." Bereut hat er diesen Schritt nie.

Sohns besuchte viele Fortbildungen und absolvierte bei der Würzburger Katholischen Akadamie einen Fernkurs in Theologie. Die Anforderungen seien im Laufe der Zeit immer komplexer geworden. Es sei immer noch viel Bereitschaft vorhanden, ein Ehrenamt zu übernehmen, aber die Menschen hätten immer weniger Zeit und einen immer größer werdenden Interessenkonflikt zwischen Ehrenamt, Familie und Beruf. "Wir haben nicht nur einen Rückgang bei den Priestern, sondern auch einen Rückgang bei den Ehrenamtlichen und den Gläubigen." Die Erwartungen der Gemeinden an die Kirche seien aber auf hohem Niveau geblieben. "Wir müssen uns von einigen Inhalten verabschieden", sagt er. Die Ehrenamtlichen, die es noch gebe, gelte es wertzuschätzen. Für die Zukunft wünsche er sich, dass es mit viel ehrenamtlichem Engagement weitergehe. Bei der derzeitigen und zukünftigen Arbeitsbelastung der Hauptamtlichen ein schwerer Weg: "Die Zukunft unserer Kirche wird letztendlich von den Ehrenamtlichen getragen."

Auch wenn Manfred Sohns seinen hauptamtlichen Posten am Sonntag, 30. Januar, offiziell an seinen Nachfolger Johannes Eiswirth abgibt, will er dennoch ehrenamtlich weiter tätig sein. Doch erst mal möchte er versuchen "Ballast abzuwerfen" und sich nicht zu viele Ziele zu stecken. "Alter ist eine Zeit, um Balance zu finden." Er wolle sein Leben neu justieren und wünscht sich Zeit zum Wandern, Lesen und auch mal zum Nichtstun. Vermehrt kümmern möchte er sich als "Mädchen vom Dienst" um "sein Kind" - die Prümer Tafel, die vor allem aufgrund seiner Initiative in Prüm angesiedelt wurde.

Manfred Sohns wird am Sonntag, 30. Januar, 16 Uhr, mit einem Vespergottesdienst im Prümer Konvikt verabschiedet.