Die Basis steht

Amüsant und gehaltvoll: Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestags, überzeugt beim Neujahrsempfang der CDU in Bitburg und erntet stehenden Applaus. Das gab es bei der Eifeler Traditionsveranstaltung zuletzt 2001 für Gastredner Helmut Kohl.

Bitburg. Zünftig wie beim Frühschoppen in einem Brauhaus geht es beim Neujahrsempfang der Eifeler Christdemokraten zu. Die "heiligen Hallen", wie Festredner Wolfgang Bosbach das Bitburger Eifelbräu nennt, sind gut gefüllt. Knapp 500 Gäste drängen sich dicht an dicht - unter ihnen etwa Bundestagsabgeordneter Patrick Schnieder, Bezirksvorsitzender Bernd Henter, der ehemalige Bundestagsabgeordnete Peter Rauen wie auch der ehemalige FDP-Landtagsabgeordnete Hans-Günther Heinz. Kurzum: Die Reihen sind geschlossen, als Kreisvorsitzender Michael Billen mit Wolfgang Bosbach zu Marschmusik Einzug hält.
Runde um Runde tragen Kellner Tabletts mit frisch gezapftem Pils in den Saal. Bierernst ist der Empfang aber bei Weitem nicht. Optimistisch startet die CDU ins Jahr. Den Ausgang der Bundestagswahl sieht Billen so klar wie den Eifeler Schnaps, den er Bosbach als Dank überreicht: "42 Prozent sind drin."
Zuspruch erntet Billen gleich zu Beginn für seine Aussage: "Die Kanzlerin ist mit ihrem Gehalt zufrieden. Wenn das ihrem Herausforderer zu wenig ist, soll er gar nicht erst kandidieren." Der Kreisvorsitzende streift in seiner kurzen, prägnanten Rede Themen vom Mindestlohn - "wir brauchen eine anständige Lohnuntergrenze" - über Betreuungsgeld - "ebenso wichtig wie Kita-Plätze, um Familien Wahlfreiheit zu ermöglichen" - bis hin zur Verwaltungsreform - "wenn man zwei Kranke in ein Bett legt, kommt dabei noch lange kein Gesunder raus". Von Landtagsfraktions-Chefin Julia Klöckner lässt Billen schön grüßen: "Weil ihr die Kuchenstücke beim letzten Mal zu groß waren, haben wir die diesmal was kleiner geschnitten."
Bosbach, der als Euro-Rebell für Aufsehen sorgte, erklärt: "Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd." Er wehrt sich gegen dauerhafte Euro-Rettungssysteme, auch wenn er damit bei Kanzlerin Merkel aneckt: "Wir kaufen uns Zeit, lösen die Probleme aber nicht von Grund auf." Was ihn wundert: "Früher war man ein Rebell, wenn man eine revolutionäre Bewegung anführte. Heute ist man das offenbar, wenn man einfach bei seiner Meinung bleibt."
Ganz Wahlkämpfer erinnert er an grundlegende Entscheidungen der CDU für die Bundesrepublik - vom Nato-Doppelbeschluss bis zur Wiedervereinigung und schlussfolgert: "Es war wichtig für unser Land, dass damals Kohl und nicht Lafontaine an der Spitze stand." Seine Aussagen verpackt er unterhaltsam. So sagt er etwa zur Bedeutung von Bildung: "Wir sind ein rohstoffarmes Land. Wer nichts im Boden hat, muss was in der Birne haben."
Stehend spenden die Zuhörer tosenden Applaus. "Das hatten wir beim Neujahrsempfang zuletzt 2001. Da war Helmut Kohl zu Gast", sagt Billen. Traditionsgemäß wird es zum Abschluss staatstragend: Aus voller Brust wird die Nationalhymne angestimmt, bevor es wieder leutselig zugeht wie beim zünftigen Frühschoppen.

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