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"Die Belastungsgrenze ist erreicht"

"Die Belastungsgrenze ist erreicht"

Sie haben im vergangenen Jahr sechs Menschen gerettet, leisten rund 230 ehrenamtliche Stunden pro Mann und erwirtschaften damit gemeinsam eine Leistung von rund 25 700 Euro: Die 43 Wehrleute des Löschzugs Stadtmitte stehen mit dem Rücken zur Wand und fordern mehr Unterstützung vom Träger der Freiwilligen Feuerwehr Bitburg, der Stadt.

Bitburg. Die Aufgaben und Anforderungen wachsen, aber die Personalstärke schrumpft: "Unsere Belastungsgrenze ist erreicht. Zwar meinen viele: Ach, die Feuerwehr macht das schon - aber kaum einer überlegt, wie die Lage aussieht, wenn die jetzige Wehrleute-Generation einmal aus Altersgründen nicht mehr aktiv ist", sagt Wehrführer Jürgen Dunkel. Auf ihre Nachwuchssorgen haben die Bitburger Wehrleute zuletzt mit einem alarmierenden Schild aufmerksam gemacht: "Stell Dir vor es brennt und keiner geht hin", war darauf zu lesen (der TV berichtete). Schon jetzt können die Ehrenamtlichen nicht mehr die sogenannte Tagesalarmbereitschaft gewährleisten, bei der sichergestellt sein muss, dass bei einem Großbrand acht Minuten nach Alarmierung mehr als 20 Wehrleute vor Ort sind. Solche Großbrände gibt es nur selten, aber immer wieder, wie die Jahresbilanz 2007 des Löschzugs Mitte zeigt. Etwa der Lagerhallen-Brand beim BRG Umweltpark auf dem Bitburger Flugplatz-Gelände, wo im Mai 50 Wehrleute für rund 15 Stunden mit Löscharbeiten beschäftigt waren, oder der Wohnhausbrand in der Trierer Straße in Bitburg, bei dem im Oktober 20 Mann im Einsatz waren. Zu den Einsätzen des vergangenen Jahres, die die Wehrleute so schnell nicht vergessen werden, gehört auch der tödliche Verkehrsunfall eines Autofahrers, zu dem im Februar neun Mann zur B 257 bei Masholder ausrückten, der schwere Verkehrsunfall auf der B 51 bei Pützhöhe mit drei Schwerverletzten, von denen später einer im Krankenhaus starb, die Personenrettung im Mai, bei der ein über 70-Jähriger bei Masholder aufgelesen wurde, der Bomben-Alarm, der im August in Bitburg mehr als 80 Wehrleute in Atem hielt sowie der 14-Mann-Einsatz im Dezember wegen eines voll gelaufenen Kellers in Mötsch. Um solche Aufgaben zukünftig mit ausreichender Mannschaftsstärke übernehmen zu können, sind die Wehrleute auf Unterstützung ihres Trägers, der Stadt, angewiesen. Um jungen Leuten ein dauerhaftes Engagement in der Wehr schmackhaft zu machen, denken die Kameraden an eine Zusatz-Rente für Wehrleute oder einen "Feuerwehr-Pass", mit dem sie vergünstigte Eintritte in Schwimmbädern, Kultureinrichtungen oder bei sonstigen Veranstaltungen haben. Natürlich kostet das. Von offizieller Seite wird nichts kommen. So etwas sei nur über Sponsoring denkbar, heißt es von der Stadt. Zusammen haben die Wehrleute rund 25 700 Euro Stundenleistung erarbeitet. Dunkel: "Wenn wir von Kosten sprechen, sollten auch diese positiven Zahlen mitgerechnet werden." Meinung Handeln, bevor es zu spät ist Nehmen ist für die meisten eben seliger als Geben. Und so wundert es nicht, dass kaum einer noch zu einem aufwendigen ehrenamtlichen Engagement bereit ist. Diesen Kummer kennen die Vereine landauf, landab. Um wie viel ärmer aber gerade ländliche Regionen ohne Ehrenamt sein werden, ist dabei vielen nicht bewusst. Wirklich kritisch wird es, wenn auch die Freiwilligen Feuerwehren mangels Mitglieder nur noch eingeschränkt einsatzfähig sind - schließlich geht es nicht selten um Leben und Tod. Wenn die Feuerwehr Bitburg nicht mehr gewährleisten kann, acht Minuten nach Alarmierung mit mehr als 20 Mann bei einem Großbrand zu sein, darf nicht länger weggesehen werden. Vorschläge wie eine Zusatz-Rentenversicherung oder ein Feuerwehr-Pass, der vergünstige Eintritte gewährt, sollten deshalb schnell Gehör finden. Denn den Helfern muss geholfen werden, bevor es für jene, die Hilfe brauchen, zu spät ist. Natürlich kostet es Geld, Wehrleuten als Grundlage eine ordentliche Ausrüstung und Vergünstigungen als Anreiz für ihren ehrenhaften Einsatz zu bieten - aber eine Berufsfeuerwehr käme den Steuerzahler kaum günstiger. Einmal ganz abgesehen von der herausragenden Bedeutung, die die Wehren für den Zusammenhalt der Dörfer und Stadtteile haben. d.schommer@volksfreund.deSTATISTIK Etwa ein Drittel der rund 150 Einsätze im Jahr, die die Ehrenamtlichen des Löschzugs Mitte der Freiwilligen Feuerwehr Bitburg absolvieren, sind Brände, zwei Drittel sind Hilfeleistungen - vom Türe öffnen und Öl-Spuren abstreuen über Tier-Rettungen bis zur Befreiung eingeklemmter Unfallopfer. Hinzu kommen rund 30 Fehlalarme - ausgelöst durch defekte Brandmelde-Anlagen. Zudem absolvierten die freiwilligen Helfer mehr Lehrgänge und Schulungen, als im Vorjahr (23 statt neun Prozent der Einsatzzeit). Insgesamt haben 101 Aktive an 14 Weiterbildungsmaßnahmen und Lehrgängen teilgenommen. (scho)