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Die Bewahrung der Schöpfung

Religion und Klimawandel : Bitburgs Kirchgänger müssen sich warm anziehen

Keine Heizung? Kein Strom? Es wird am Wochenende kalt und je nach Wetter auch dunkel in den Kirchen der Pfarreiengemeinschaft Bitburg – und das mit voller Absicht.

Die Gottesdienstteilnehmer der Kirchen in der Pfarreiengemeinschaft Bitburg müssen sich an diesem Wochenende buchstäblich warm anziehen. Denn am Samstag, 29. Februar, und Sonntag, 1. März, ist die Heizung aus, und Strom wird es auch keinen geben. Aber nicht, weil etwa die Heizungsanlage gewartet oder die Elektrik erneuert wird, sondern ganz bewusst, um ein Zeichen zu setzen.

Pastor Thomas Weber von der Pfarreiengemeinschaft erklärt: „Auf unserer ersten Sitzung im Jahr 2020 ging es auch um die Frage, wie wir als Christen Zeichen in dieser Welt und in der Pfarreiengemeinschaft setzen können.“ Viele sprächen bereits von Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz. Doch reden allein genüge nicht.

„Daher wird in den Gottesdiensten in unseren Kirchen an diesem Wochenende auf den Verbrauch von Strom, Gas und Heizöl verzichtet werden.“ Das heiße, dass nicht geheizt sein werde, kein elektrisches Licht brenne und auch die Orgel nicht spielen werde.

„Damit wird ganz real Energie eingespart und unsere Umwelt geschont“, sagt Weber. Die eingesparten Kosten möchte die Pfarreiengemeinschaft darüber hinaus als realen Geldbetrag einem Projekt zur Aufforstung spenden, um Kohlendioxid wieder nachhaltig der Atmosphäre zu entziehen. „Darüber hinaus laden wir alle Gottesdienstbesucher ein zu überlegen, ob sie an diesem Wochenende nicht auch auf das Auto verzichten möchten und zu Fuß zum Gottesdienst kommen“, sagt Weber.

Tatsächlich sei ein ungeheizter Kirchenraum bis in die 1950er-Jahre auch der Normalzustand in den Gemeinden gewesen. Heizungen in Kirchen seien eine recht neue Annehmlichkeit. „Die Gottesdienstteilnehmer sollten sich vorbereiten, und an diesem Wochenende entsprechend warm kleiden; Pullover, Mantel und Jacke hat ja jeder von uns im Schrank.“

Der Pfarreiengemeinschaft sei natürlich klar, dass sie mit dieser Aktion nicht die Welt retten wird. „Aber“, sagt Weber, „wir setzen als Christen ein Zeichen, dass uns der Klimawandel nicht egal sein kann und auch uns in unserem Alltag betrifft.“

Thomas Weber erklärt: „Wir haben die Verantwortung, unsere Erde auch für die Generationen nach uns zu erhalten und zu schützen. Papst Franziskus spricht in diesem Sinn von ‚unserer Sorge für das gemeinsame Haus‘.“

Christen stehen in der unmittelbaren Verantwortung, die Schöpfung zu bewahren, sagt Pastor Weber: „Das ist zu tiefst biblisch. Wir haben von Gott den Auftrag bekommen, über die Natur zu herrschen. Jahrhundertelang wurde diese Stelle so ausgelegt, dass wir die Natur ausbeuten dürfen. Aber im hebräischen Original hat das Wort „herrschen“ auch die Bedeutung, Verantwortung für eine Sache zu übernehmen. Und dieser Verantwortung müssen wir uns stellen.“

Der Termin am ersten Fastensonntag sei laut Weber übrigens nicht rein zufällig. Denn beim Fasten gehe es nicht um den reinen Verzicht, sondern viel mehr darum, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Jeder einzelne solle sich fragen: „Wo kann ich was tun, um das Klima zu schützen.“

Betroffen von der Aktion sind die Bitburger Liebfrauenkirche sowie die Kirche St. Peter, die Kirche Kreuzerhöhung und St. Stephanus in Fließen und die St. Laurentius Kirche im Bitburger Stadtteil Erdorf.

Abgesehen von diesem Zeichen für den Klimaschutz fragt Pastor Weber allerdings, ob es künftig noch Sinn ergibt, zwei Kirchen in Bitburg zu betreiben. Die Gottesdienste fänden zwar nicht zeitgleich statt, geheizt werden müssten beide aber den ganzen Tag lang.