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Die Bit-Galerie wird nicht helfen

Die Bit-Galerie wird nicht helfen

InnenstadtentwicklungZum Bericht "Viel Platz hinter leeren Scheiben" und dem Kommentar dazu (TV vom 9. Mai) schreibt dieser Leser: Es ist bedauerlich, den immer wieder nachgebeteten Satz des "dramatisch steigenden Onlinehandels" zu lesen - und das für jede nachteilige Entwicklung im Einzelhandel verantwortlich zu machen. Ein wenig Recherche hätte geholfen, herauszufinden, dass das so nicht stimmt.

Lediglich etwa neun Prozent des gesamten deutschen Einzelhandels entfallen auf den Onlinehandel. Dieser Anteil steigt seit 2015 nicht mehr signifikant (Quelle: Handelsjournal).
20 Leerstände in einer so überschaubaren Stadt wie Bitburg sind auch nicht "durchaus stabil", sondern geben auf Dauer ein ausgesprochen "verlassenes" Stadtbild ab. Mit steigender Tendenz. Dass die geplante Bit-Galerie Kunden aus dem Umfeld anlocken soll, ist eine Behauptung, die man sehr stark bezweifeln muss. Auch die immer wieder auftauchenden Gerüchte, H&M oder ähnliche Schwergewichte des Handels hätten Mietinteresse, ist schlicht "fahrlässig positives Denken".
Wer die Richtlinien dieser Handelsriesen kennt, weiß, dass Bitburg aufgrund seiner Infrastruktur und seines Umfeldes nicht einmal in die nähere Auswahl als Handelsplatz in Frage käme. Bei einer Bevölkerungsdichte in der Verbandsgemeinde von 58 Einwohnern je Quadratkilometer und der demografischen Entwicklung sind das reine Parolen. Der Bebauung des Geländes der früheren Post hat das Überangebot an Ladenflächen erst erzeugt. Gab es vorher Leerstände in der Hauptstraße? Nein! Hat das neue Angebot die damals prognostizierten Kunden in die Stadt geschwemmt? Nein! Und wenn die "tollen Initiativen" in Wittlich gelobt werden, Kunst in die Fenster der leeren Ladenlokale zu stellen, kann ich nur den Kopf schütteln. Wer denkt an die Vermieter, die ohne aus Einnahmen dastehen? Und an die Stadt, die weniger einnimmt? Und an die sinkende Attraktivität der Einkaufszone? Aber natürlich: Der Onlinehandel ist schuld... Wer was richtig Gutes für die Innenstadt unterstützen will, sollte für kostenlose Parkplätze kämpfen. Das wird mehr Kunden bringen als neue, halb leerstehende Ladenpassagen. Die Mindereinnahmen aus der Knöllchenabteilung werden dann mehrfach durch andere Steuereinnahmen wieder gutgemacht. Vom Imagegewinn für die Stadt gar nicht zu sprechen.
Horst Gläser, St. Thomas