Feuchttücher verstopfen Leitungen: Die Bitburger Stadtwerke haben den Kanal voll

Feuchttücher verstopfen Leitungen : Die Bitburger Stadtwerke haben den Kanal voll

So geht es für Bitburgs Stadtwerke-Chef Bernd Goeblet nicht weiter. Vier bis acht Mal im Monat müssen seine Mitarbeiter ausrücken, weil wieder eine Pumpe verstopft ist. Der Grund: Feuchttücher, die in der Toilette entsorgt wurden.

Appetitlich ist das hier nicht. Aber es muss sein. Die Stadtwerke Bitburg haben den Kanal voll – im wahrsten wie auch übertragenen Sinne. Die Sache mit den Feuchttüchern, die einfach in die Toilette geworfen werden, kann so nicht weitergehen.

Hergestellt aus Stoffen, die nicht reißen, lösen sich die Tücher eben auch im Abwassersystem nicht einfach in Wohlgefallen auf. Im Gegenteil, wie Bernd Goeblet, Leiter der Bitburger Stadtwerke, erklärt: „Die verfangen sich in unseren Pumpen und blockieren das ganze System.“ Da kommt ein Tüchlein zum nächsten. Ergebnis: Lange, verfilzte und zähe Stränge belasten die Pumpen und bringen sie schließlich zum Stillstand.

16 Pumpen gibt es im Stadtgebiet. „Wir arbeiten in dem Kanalsystem ja so weit möglich mit einem natürlichen Gefälle Richtung Kläranlage, aber da, wo es nicht anders geht, muss das Wasser bergauf gepumpt werden“, erklärt Goeblet. In diesen Pumpen sammeln sich dann die Tücher.

Die Folge: Die Pumpe streikt und es besteht Rückstaugefahr, weil das Abwasser aus dem Sammelschacht nicht mehr bergauf gepumpt wird. Die Folge: Bei den Werken wird Alarm ausgelöst. Früh morgens, spät in der Nacht, sonntags wie werk- und feiertags. „Vier bis acht Mal im Monat rücken unsere Leute dann aus, um die Pumpen zu säubern“, sagt Goeblet. Doch zuvor müsse der Entsorgungsbetrieb François erstmal das Wasser abpumpen. Erst dann kann die Mechanik auseinandergebaut, gereinigt, durchgespült und wieder eingebaut werden. „Alles in allem“, sagt Goeblet, „sind damit zwei Mann einen Tag beschäftigt.“

Das ist nicht nur unnötig, sondern kostet auch richtig Geld. Je nach Aufwand etwa 1500 bis 2000 Euro pro Einsatz, schätzt der Stadtwerke-Chef. Macht bei vier bis acht Einsätzen im Monat um die 100 000 Euro im Jahr. Tendenz steigend. Geld, das im Haushalt der Werke nicht irgendwo übrig ist. Das bedeutet: Wenn es so weiter geht, müssen diese Kosten irgendwann durch steigende Abwassergebühren aufgefangen werden. Dabei könnte es so einfach sein.

„Wer solche Tücher benutzt, kann die doch in einen Kosmetikeimer werfen“, sagt Goeblet. Was ihn aufregt ist die Einstellung, dass für einige Menschen offenbar alles, was nach Betätigung der Klospülung aus den Augen verschwindet, auch verschwunden ist: „Diese Tücher sind unkaputtbar. Selbst wenn auf einigen Fabrikaten ‚flushable’ draufsteht. Keine Sorte davon ist ‚wegspülbar’.“ Anders als Toilettenpapier lösen sich die völlig anders konzipierten Feuchttücher eben nicht bei Kontakt mit Wasser auf.

Das Problem mit der steigenden Verbreitung hat natürlich nicht nur die Stadt Bitburg. Auch in Arzfeld schlug die Verbandsgemeinde bereits Alarm, weil Feuchttücher die Pumpen verstopfen. „Deutschlandweit wie auch in den Nachbarländern nimmt das Ganze Ausmaße an, die nicht mehr tragbar sind“, sagt Goeblet.

Feuchttücher im Kanal in Bitburg. Foto: Stadtwerke Bitburg
Feuchttücher lösen sich nicht auf, verklumpen in Pumpen und in den Klumpen verfangen sich dann Haare, Fette und andere Reststoffe und werden zu einem Zopf, der schließlich das Abwasser-System verstopft. Foto: Stadtwerke Bitburg

Berlins Wasserwerke haben eine eigene Untersuchung zum Feuchttücher-Theater in Auftrag gegeben. In Belgien wird sogar ein entsprechendes Gesetz erlassen, das die Entsorgung von Feuchttüchern ins Abwassersystem verbiete. Aber wer will das kontrollieren? „Es geht darum, ein Zeichen zu setzen“, sagt Goeblet. Er hofft, die Menschen für die Problematik zu sensibilisieren. „Der Einzelne mag vielleicht denken, dass dieses eine Tüchlein ja wohl kein Drama sein wird. Aber es sind einfach zu viele, die so denken. Ein sorgsamer Umgang mit Müll ist schließlich auch gelebter Umweltschutz.“ Schließlich wird Bitburgs Abwasser, wenn es alle Stationen der Kläranlage durchlaufen hat, über den Albach in die Kyll geleitet.

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