Die Botschaften einer Spätberufenen

Die Botschaften einer Spätberufenen

In unserer Reihe "Eifel-Kunst" stellen wird Marlies Jostkleigrewe vor. (Sozial-)Kritik und Farbe spielen die Hauptrollen in ihrem Werk. Den Betrachter will sie zum Nachdenken anregen, anderen Kunstschaffenden Lehrerin sein.

Foto: (e_kultur
Foto: (e_kultur

Kerpen/Hillesheim Lebhaft, kreativ und kritisch: Wer die Malerin Marlies Jostkleigrewe immer mal wieder erlebt hat, seit sie 2006 ihren Lebensmittelpunkt vom Niederrhein in das Vulkaneifeldorf Kerpen verlegte, hat auch jetzt, bei der Begegnung mit der inzwischen 85-Jährigen, diesen Eindruck. Doch etwas ist neu. "Nachdem ich in fast allen Techniken gemalt und gezeichnet habe, bin ich in den letzten beiden Jahren einen anderen Weg gegangen", räumt die Künstlerin ein.
Blicken wir zurück, bevor wir auf diesen Stilwandel zu sprechen kommen. In ihrer Heimat am Niederrhein hatte Marlies Jostkleigrewe es bis zur Personalchefin eines weltweit agierenden Unternehmens in der Textilbranche gebracht. Als sie ihren Posten wegen Einsparmaßnahmen verlor, war sie 54 Jahre alt.
Und kam zum Malen. Nahm als "Spätberufene" Unterricht bei renommierten Künstlern im In- und Ausland, darunter bei Fritz Itzinger, Professor an der Wiener Kunstakademie und Gründer der international bekannten österreichischen Malakademie Schloss Goldegg.
1998 rief Marlies Jostkleigrewe selbst eine Malschule in Kaarst bei Düsseldorf ins Leben. Auf dem Verzeichnis ihrer Ausstellungen finden sich Düsseldorf, Duisburg, Bad Mitterndorf (Österreich), Kaliningrad (Russland) - um nur einige zu nennen. Bei Seminaren lernte sie Kopp und Kerpen in der Vulkaneifel kennen.
Nun steht ihre Staffelei schon seit einem Jahrzehnt im Atelier ihrer Wohnung in Sichtweite der Kerpener Burg.
Jostkleigrewe malt vorwiegend expressionistisch, die totale Ab-straktion lehnt sie ab. "Meine Bilder sind immer mit einer Aussage verbunden, die sich kritisch mit der Menschheit und der Umwelt auseinandersetzt", betont sie.
Das war der rote Faden, als sie anlässlich ihres 80. Geburtstages eine Ausstellung an zwei Standorten veranstaltete: in der Strumpffabrik und im Kleinen Landcafé in Kerpen; und auch, als sie als Erste in der neu gegründeten Galerie von Beate (B) Kloep und Cosmo (C) Ombre in Hillesheim präsentiert wurde (der TV berichtete). So ist es auch jetzt bei der aktuellen Schau bei B&C (noch bis 2. Dezember).
Nicht nur, dass sie die Bildtitel (vom einzelnen Wort bis zu mehreren Sätzen) in Schriftform in ihre Bilder integriert - sie nutzt auch eine früher nicht verwendete Technik und Herangehensweise, um ihre kritischen, zuweilen beunruhigenden Botschaften künstlerisch umzusetzen.
"Vor mir liegt ein leeres Blatt. Ich fahre mit dem Bleistift darüber. Ich betrachte die Linien und weiß meistens sofort, wo ich hinwill", beschreibt Marlies Jostkleigrewe den Werdegang ihrer aktuellen Zeichnungen. Fast immer sind Menschen abgebildet. "Dabei sind der Kopf und die Augen das Wichtigste", betont sie.
Und: "Farbe spielt eine große Rolle", sagt sie mit Verweis auf die Entwicklung einer eigenen Farblehre in den ersten Jahren ihres künstlerischen Schaffens. Kunst als reine Dekoration sei nicht ihr Ding, erklärt sie. Und ein Bild ohne Titel zu zeigen, auch nicht. Die Botschaft eines Bildes komme aus dem Leben der Menschen, aus ihren Beziehungen, aus der politischen Aktualität.
Lebhaft, kreativ und kritisch: Das möchte Marlies Jostkleigrewe auch in Zukunft sein. Und wünscht sich, noch einmal Malunterricht zu geben - Erwachsenen mit Grundkenntnissen, gerne auch Einzelunterricht.
Ausstellung: Die Galerie Studio B&C in Hillesheim zeigt noch bis 2. Dezember Zeichnungen von Marlies Jostkleigrewe unter dem Titel "Kreativ gemalte Zeichnungen". Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, von 11 bis 18 Uhr und Samstag, von 11 bis 16 Uhr, oder nach Vereinbarung.
Kontakt und Info: Marlies Jostkleigrewe, Kerpen, Telefon 06593/980737.