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Die Brötchenfrage zur Brötchentaste

Die Brötchenfrage zur Brötchentaste

Auf Anregung einer Geschäftsfrau will der Gewerbeverein den Stadtrat bitten, die Idee einer Brötchentaste für Kurzzeitparker zu prüfen. Eine solche Taste für ein Ticket, das eine halbe Stunde kostenfreies Parken ermöglicht, wurde aber bereits diskutiert - und fand im Rat, anders als bei Kunden auf der Straße, keine Mehrheit.

Bitburg. Praktisch ist das. Wer nur schnell in der Stadt was abgeben oder abholen will, braucht keine Parkgebühr zu zahlen. Für solche Kurzzeitparker, die nur mal eben zur Post oder schnell in die Bäckerei für ein paar Brötchen wollen, ist die Brötchentaste gedacht, mit der es am Parkscheinautomat ein Ticket für eine halbe Stunde kostenfreies Parken gibt. Wittlich hat das, Prüm auch - sogar für eine ganze Stunde. In Bitburg fehlt aus Sicht vieler Kunden eine solche Taste.
Apothekerin Ilse Neumann hat das bei der jüngsten Gewerbevereinssitzung angesprochen (der TV berichtete). Ihr Vorschlag findet auch bei TV-Lesern Zuspruch. "Wenn ich nur schnell zur Post will, wäre das hilfreich. Die Sucherei nach 20 Cent dauert fast länger als der Hin- und Rückweg zum Schalter", schreibt uns Anita Schlederer aus Zendscheid. Auch für Jessica Berner geht es nicht darum, die 20 Cent für zehn Minuten zu sparen, sondern um den Service, nicht nach passendem Kleingeld suchen zu müssen: "Es geht um einen psychologischen Aspekt, nicht das Geld."
20 000 Euro weniger im Jahr


Die paar Cent läppern sich aus Sicht der Stadt aber zu einem stolzen Betrag: "Bei 100 Kurzzeitparkern am Tag, die 60 Cent für eine halbe Stunde gratis bekommen, sind das schon knapp 20 000 Euro im Jahr", rechnet Stadtpressesprecher Werner Krämer. Bitburg ist klamm, die Stadtkasse leer, jeder Cent wird hier seit Jahren zwei Mal umgedreht.
Als der Stadtrat Ende 2015 entschied, die Dauerparker rund um die Fußgängerzone zu vertreiben, indem er auf 100 bisher kostenfreien Stellplätzen Gebühren erhebt, war kurz auch eine Brötchentaste im Gespräch. Doch die Idee fand, wie Bürgermeister Joachim Kandels erklärt, damals keine Mehrheit. Die Gründe: "Im Rat wurde diskutiert, wo man dann anfängt und wo man aufhört", sagt Kandels. So sieht es auch Michael Ludwig von der CDU, der stärksten Fraktion im Rat: "Zunächst ist doch wichtig, dass wir nun überhaupt wieder Platz für Kurzzeitparker haben, weil wir die Dauerparker vertrieben haben", sagt Ludwig, der ungern riskieren will, dass die, die zuvor die Parkscheibe im Stundenrhythmus weitergedreht haben, nun alle halbe Stunde ein neues Brötchen-Ticket ziehen. "Warum sollte es so was bitte in Bitburg geben, wo es jede Menge kostenfreie Parkplätze gibt", schreibt Stefan Becker auf unserer Facebookseite.
Apothekerin Ilse Neumann sieht das anders: "Hier könnte man mit einer kleinen Stellschraube viel für ein positives Einkaufserlebnis tun." Dem schließt sich der Gewerbeverein an, der den Stadtrat in einem Schreiben bitten will, sich noch mal mit dem Thema zu befassen.
Braucht Bitburg eine Brötchentaste? Mailen Sie uns Ihre Meinung in wenigen Sätzen an eifel@volksfreund.de (Name und Wohnort nicht vergessen).
Meinung

Geld ist nicht alles
Immerhin: Nach Jahren der Diskussion hat die Stadt sich endlich zu einer neuen Gebührensatzung durchgerungen und die Dauerparker von den besten Parkplätzen rund um die Fußgängerzone verscheucht. Die Neufassung der Satzung war eine schwere Geburt, mit einem kleinen Geburtsfehler: Man hat die Brötchentaste vergessen. Erst die macht die Sache rund. Ja, dann gehen Einnahmen verloren. Aber Geld ist nicht alles. Hier geht es um Kundenorientierung und die Visitenkarte, die die Stadt in den Augen ihrer Gäste abgibt. Und ein gutes Image ist unbezahlbar. d.schommer@volksfreund.de