Verkehr: Die Bürgerbusfamilie hat sich gefunden

Verkehr : Die Bürgerbusfamilie hat sich gefunden

Seit November 2017 ist der Bürgerbus Bitburg in der Verbandsgemeinde unterwegs. Seitdem ist er schon 24 000 Kilometer gefahren.  

Kaum biegt der Bürgerbus auf die Einfahrt, kommt Anna Weiandt schon aus ihrer Haustür. Die Seniorin aus Oberweiler hat heute einen Arzttermin und Besorgung in Bitburg zu erledigen. Dazu nutzt sie zum ersten Mal den Bürgerbus. Sie sagt: „Ich wollte das gerne einmal ausprobieren. Mit dem Laufen klappt es nicht mehr so gut, und der Weg zur Bushaltestelle und zurück ist sehr beschwerlich. Hier werde ich vor der Tür abgeholt und anschließend wieder abgesetzt.“

Beim nächsten Stopp in Ehlenz steigt eine Bekannte von ihr ein, die ebenfalls einen vollen Terminkalender in Bitburg hat. Arzt, Augenarzt und Friseur, stehen auf dem Programm von Susanne Maier.

Seit November 2017 ist der Bus dienstags und donnerstags im Einsatz. Jeweils einen Tag davor können sich die Fahrgäste telefonisch anmelden und die Routen werden zusammengestellt. Um 8.30 Uhr geht die erste Tour, die letzte um 17 Uhr. Bisher sind 16 Fahrer und sechs Ehrenamtliche im Telefondienst beteiligt. Die Fahrer teilen sich die Dienste am Vor- und Nachmittag.

Im Durchschnitt fahren pro Woche 18 Personen mit. Das sind pro Jahr über 900 Menschen, die mit dem Bürgerbus nach Bitburg kommen.

An diesem Tag ist Walter Neuhaus Fahrer des Busses. Ganz früher ist er Taxi gefahren, und hat seinen Personenbeförderungsschein für den Bürgerbusdienst, der rein ehrenamtlich ist, verlängern lassen. Er sagt: „Ich wollte als Rentner nicht einfach rumsitzen, und da habe ich mich gemeldet, als Fahrer. Mir macht das sehr viel Spaß.“

Zweimal im Monat und nach Bedarf, wenn beispielsweise mal ein anderer ausfällt, sitzt er am Steuer des Ford-Neunsitzer. Neben ihm ist seine Beifahrerin Gabi Erschfeld. Sie ist mit dabei, um den Fahrgästen, die meist zwischen 60 und 80 Jahre alt sind, in und aus dem Bus zu helfen. Sie gibt ihnen auch die Visitenkärtchen mit der Telefonnummer des Handys, das im Bus ist, falls einmal etwas kurzfristig zu klären wäre. „Wenn beispielsweise ein Arzttermin länger dauert und man die Rück­fahrzeit nach hinten verschieben will“, erklärt sie.

Der Fahrer ist sehr froh über seine Begleitung, denn auch um kurzfristige Änderungen kümmert sie sich. Gabi Erschfeld erklärt: „Ich bin gelernte Altenpflegerin und mache das hier gern. Die Leute sind sehr freundlich und dankbar, dass es den Bürgerbus gibt.“

Das zeigen sie auch. „Eine Dame, die immer mit ihrem Rollator an der Straße steht, wartet und klingelt, wenn wir kommen, dichtet beispielsweise Witze auf den Bürgerbus um.“

Gleich zu Anfang haben die Ehrenamtlichen einen Heiligen Christopherus, den Schutzheiligen der Reisenden, von einer Seniorin geschenkt bekommen. Manche älteren Menschen, die jede Woche mitfahren, vermisst das Bürgerbusteam schon, wenn sie einmal nicht dabei sind. Gabi Erschfeld sagt: „Eine Dame, die sonst immer mitfährt, war nicht da. Als ich dann ihre Tochter getroffen habe, habe ich nach ihr gefragt, und sie erzählte mir, dass sie im Krankenhaus sei. Daraufhin habe ich sie in einer Pause besucht. Sie hat sich sehr gefreut und gesagt: ,Der Bürgerbus kommt mich besuchen’.“

Der Bürgerbus ist kostenlos, wer möchte, kann eine freiwillige Spende geben. Etwa die Hälfte der Fahrgäste tun das. Rüdiger Otte, bei der Verbandsgemeinde für den Bürgerbus Ansprechpartner sagt: „Das Projekt lebt vom Engagement, und nach wie vor besteht Bedarf an Ehrenamtlichen, besonders beim Telefondienst.“ Mit dem hat Frau Weiandt ausgemacht, dass sie um 13 Uhr wieder nach Hause will. Vielleicht legt sie ihre Termine in Bitburg jetzt nach den Fahrtagen des Bürgerbusses.

Wer sich ehrenamtlich beim Bürgerbus engagieren will, kann sich bei der Verbandsgemeinde, Herrn Rüdiger Otte, melden.

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