Die Dame und die jungen Wilden
Die SPD hat die Wahl. Gleich drei Kandidaten bewerben sich darum, für sie in den Bundestag einzuziehen. In ihrer Jahreshauptversammlung hatten die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Bitburg Gelegenheit, ihnen auf den Zahn zu fühlen.
Bitburg. Geduldig lauschen die drei Kandidaten einer Aufzählung dessen, was der SPD-Ortsverein Bitburg im vergangenen Jahr alles getan hat. Normalerweise wären sie gar nicht hier. Doch die Bitburger hatten sie so schnell eingeladen, dass es die "Nur-einmal-pro-Kreis-Vorstellen-Regel" noch nicht gab. Die drei sehen nicht aus wie Kontrahenten. Sie verhalten sich auch nicht so. Und doch sind sie es. "Wir sind in der komfortablen Situation auswählen zu können", sagt Heiner Gillen. Auswählen, wer für sie in den Bundestag ziehen soll:
Die 59-jährige Elke Leonhard? Seit über 20 Jahren als Politikerin bekannt, lange Jahre Mitglied des Bundestags. Dass sie keine Leistung gebracht habe, könne man nicht sagen, sagt sie: Die A 60, die A 1 und Spangdahlem. Sie habe damals die Entschädigung durchgebracht. Und dann das "Modell Bitburg". Für sie sei der Mensch wichtig und dass man das, was man macht, mit ganzer Leidenschaft macht.
Der 24-jährige Bankkaufmann Nico Steinbach? Engagiert im Ortsgemeinderat Oberweiler, im Musikverein Biersdorf, im Vorstand der Tafel. Ein Mann, der sich als "echter Eifeler Jung" bezeichnet, die Menschen in ihrer eigenen Sprache für Politik begeistern möchte und als politische Themen, die ihn aufwühlen, folgende nennt: Gesundheitspolitik, Rentenversicherung, Steuerpolitik, Bildung, Mindestlohn.
Der 28-jährige Politologe Jens Jenssen? Seinen Studienabschluss frisch in der Tasche ist er von Berlin wieder in seine Eifel-Heimat zurückgekehrt. Durch seine Arbeit für Bundestagsabgeordnete wisse er, was auf ihn zukommt. Er begeistert sich für die europäische Idee, wünscht sich einen Staat, in dem es Wohlstand gibt, der gerecht verteilt wird und hält Mindestlohn für ein wichtiges Thema.
Auf die Frage, wie sie zum Flugplatz Bitburg stehen, haben sie verschiedene Antworten: "Dieses Millionengrab dürfen wir nicht bedienen", sagt Steinbach. "Wenn man die fliegerische Nutzung wirtschaftlich anzweifelt und es Alternativen gibt, die besser sind, dann kann man den Menschen das nicht antun", sagt Jenssen.
Man habe sich damals die fliegerische Nutzung offenhalten müssen, sonst wäre es zu irgendeinem Platz abgestuft worden. In Lateinamerika hätten Flugzeugbauer ein großes Interesse, hier Fuß zu fassen. "Das ist doch eine Chance, soll ich die denn verstreichen lassen?", fragt Leonhard.
Auf ihre Jugend angesprochen, antworten Jenssen und Steinbach ähnlich: Das sei bei einem Bundestag mit einem Durchschnittsalter von über 50 als Vorteil einzustufen. Und dann fragt Stephan Garçon nach der Taktik.
Elke Leonhard habe doch die besten Chancen. Ob sie sich denn zutrauten, Patrick Schnieder den Wahlkreis wegzunehmen. "Ja" und "Wer antritt, möchte gewinnen", war die Antwort beider Männer. Jenssen setzte obendrauf: Die krachende Niederlage der CDU nach den gescheiterten Fusionen und dem Rücktritt von Gordon Schnieder habe die Lage in der Eifel grundlegend verändert.
Viele Menschen wären nun bereit, ihr CDU-Abo zu kündigen und einen Neuanfang zu machen - mit einem jungen Kandidaten.