Die deutsche Antwort auf Robin Hood

Die deutsche Antwort auf Robin Hood

Das Fallbeil der Guillotine beendete vor 205 Jahren das Leben des Johannes Bückler. Der Mann, den alle nur den "Schinderhannes" nannten, war einer der bekanntesten Verbrecher des Landes. Kriminell aktiv war er vor allem im Hunsrück, wo er gestohlen, geraubt, erpresst und gemordet haben soll. Letzteres konnte dem "Robin Hood des Hunsrück" allerdings nie nachgewiesen werden.

Hunsrück. 1777, 1778 oder vielleicht doch erst 1803? In welchem Jahr Schinderhannes geboren wurde, ist bis heute umstritten, doch Fakt ist: Die Sozialprognosen sind schon in der frühen Kindheit alles andere als günstig. Bereits in jungen Jahren ist Johann Wilhelm (genannt: Johannes) Bückler mit seinen Eltern auf der Flucht, weil die Mutter eines Diebstahls bezichtigt wird. Der Vater geht zum Militär, wird dort schließlich zum Deserteur. Es folgen weitere Wohnortwechsel.

Johannes Bückler verlässt schließlich das Elternhaus und beginnt eine Lehre bei dem Wasenmeister Nagel in Bärenbach. Wasenmeister sind zuständig für die fachgerechte Entsorgung von Tierkörperresten und werden im Volksmund auch Schinder genannt. Weil der junge Bückler seinem Meister sechs Kalbsfelle und eine Kuhhaut stiehlt und sich zudem auch am Eigentum anderer Leute vergreift, wird Bückler in Kirn inhaftiert und mit Prügeln bestraft. Er flieht, beginnt weitere Straftaten, wird mehrfach festgenommen und entwischt immer wieder. Sein berüchtigtster Ausbruch gelingt ihm 1799 in Simmern, wo er aus dem als absolut sicher geltenden Gefängnisturm entkommen kann.

Schinderhannes findet Komplizen und wird zum Räuberhauptmann. Der Haufen, der ihn in den kommenden Jahren bei seinen Straftaten unterstützt, ist keine Bande, sondern eher ein loser Zusammenschluss von Vagabunden, Landstreichern, kleinen Gaunern und Schwerstkriminellen. Sie ziehen stehlend, raubend und überfallend durch die Wälder des Hunsrücks. Über 200 Mal schlagen Schinderhannes und seine Komplizen zu. Keiner kann ihn aufhalten - bis er schließlich verraten wird.

1802 werden Schinderhannes und seine große Liebe und Ehefrau Juliane Bläsius ("Julchen") endgültig festgenommen, im Mainzer Holzturm inhaftiert und verhört. Bückler zeigt sich erstaunlich offen, redselig, überrascht durch ein detailgenaues Gedächtnis und nennt die Namen seiner Mittäter.

Es beginnt ein Mammutprozess mit 400 Zeugen und einer Anklageschrift, deren Vortrag zwei Verhandlungstage in Anspruch nimmt. 20 Angeklagte werden freigesprochen, 48 Weggefährten des Schinderhannes - darunter auch Julchen - landen im Gefängnis. Auf die restlichen 20 wartet der Tod durch die Guillotine. Einer von ihnen ist Schinderhannes. Die Morde, an denen er beteiligt gewesen sein soll, können ihm zwar nicht nachgewiesen werden, doch auf das Todesurteil hat das keinen Einfluss. Auf einer Anhöhe vor den Wällen von Mainz endet am 21. November 1803 das Leben des Räuberhauptmanns - sein Mythos lebt weiter. Hintergrund War Schinderhannes der Bruder? Um das Leben des Schinderhannes ranken sich viele zum Teil verklärende Mythen und Sagen. Die meisten davon bescheinigen dem "Robin Hood des Hunsrücks" weitaus edlere Charakterzüge, als dieser sie zu Lebzeiten gehabt haben dürfte. Doch neben all den Anekdoten und Geschichten ist auch die eigentliche Identität des Räuberhauptmanns bis heute umstritten. Aufgrund der unterschiedlichen Geburtsangaben in Taufregistern, Vernehmungsprotokollen, Prozessakten und Chroniken könnte es sich bei Schinderhannes auch um Friederich Philipp Bückler, den älteren Bruder Johann Wilhelms gehandelt haben. Denn laut Taufregister wurde Johannes erst 1783 geboren, womit er 1803 bereits im Alter von 20 Jahren hingerichtet worden wäre. Anderen Quellen zufolge war Bückler bei seiner Hinrichtung allerdings schon 23 beziehungsweise sogar 25 Jahre alt. Schinderhannes selbst soll bei seiner Vernehmung sein Alter auf 22 geschätzt haben. (uhe)