Die Ebenen der Treue

Ich grüße Sie mit der Bibellosung: "Herr, deine Treue ist groß." Unser Wort stammt aus den Klageliedern, die nach der Katastrophe von 587 v. Chr., der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Truppen Nebukadnezars, entstanden.

Der Dichter sucht nach dem Sinn des Geschehens und findet die Antwort in der Botschaft: Nicht Gott hat versagt, sondern das Volk hat durch eigene Schuld den Untergang herbeigeführt. Das Buch endet mit Umkehr und Hinwendung zu Gott. In der Mitte steht das überwältigende Bekenntnis zur Güte Gottes und zu seiner Barmherzigkeit: "Die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht verloren sind. Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß!" . Solche Treue erweist sich an den Grenzen der Verzweiflung. Heutige Treue ist anders verankert. So müssen die großen Firmen für ständig neue Produkte werben, der Kunde muss dem alten Produkt "untreu" werden, der Firma aber die "Treue" halten. Wie kann man das, wenn man zum ständigen Wechsel erzogen wird? Man spricht Gefühle an wie Stolz, Neid, Habsucht, Status, Jungsein. Und auf raffinierte Weise wird die Treue zu diesen Gefühlen angesprochen. Die Treue zwischen Menschen, zwischen Mann und Frau, kommt oft nur als Witz vor. Eine ganz andere Dimension hat die Treue Gottes zu uns. Hier geht es um Leben und Tod, um Rettung aus verlorener Situation, um Bewahrung vor dem sinnlosen Aus. Es geht um den Hirten, der dem verlorenen Schaf nachgeht, bis er es gefunden hat und der es auf seinen Schultern heimträgt. Das ist die Treue Gottes. Ich stelle mir einen Unternehmer vor, der Schafzüchter ist und einen Hirten braucht. Es stellen sich zwei vor: Einer wirbt damit, dass er garantiert trotz Gefahr von wilden Tieren 99 Prozent der Herde durchbringt. Der andere verspricht, einem verlorenen Schaf nachzugehen, bis er es gefunden hat. Ich glaube, wenn die Schafe ihren Hirten wählen könnten, würden sie den wählen, der verspricht, jeden Einzelnen zu retten. Wenn es darauf ankommt, ist diese Treue doch die, die wir brauchen. Ich wünsche Ihnen von Herzen die Erfahrung solcher Treue.

Friedebert Seibt, evangelische Kirchengemeinde Prüm.

Glaube im alltag

Die Ebenen der Treue

Ich grüße Sie mit der Bibellosung: "Herr, deine Treue ist groß." Unser Wort stammt aus den Klageliedern, die nach der Katastrophe von 587 v. Chr., der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Truppen Nebukadnezars, entstanden. Der Dichter sucht nach dem Sinn des Geschehens und findet die Antwort in der Botschaft: Nicht Gott hat versagt, sondern das Volk hat durch eigene Schuld den Untergang herbeigeführt. Das Buch endet mit Umkehr und Hinwendung zu Gott. In der Mitte steht das überwältigende Bekenntnis zur Güte Gottes und zu seiner Barmherzigkeit: "Die Güte des Herrn ist's, dass wir nicht verloren sind. Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß!" . Solche Treue erweist sich an den Grenzen der Verzweiflung. Heutige Treue ist anders verankert. So müssen die großen Firmen für ständig neue Produkte werben, der Kunde muss dem alten Produkt "untreu" werden, der Firma aber die "Treue" halten. Wie kann man das, wenn man zum ständigen Wechsel erzogen wird? Man spricht Gefühle an wie Stolz, Neid, Habsucht, Status, Jungsein. Und auf raffinierte Weise wird die Treue zu diesen Gefühlen angesprochen. Die Treue zwischen Menschen, zwischen Mann und Frau, kommt oft nur als Witz vor. Eine ganz andere Dimension hat die Treue Gottes zu uns. Hier geht es um Leben und Tod, um Rettung aus verlorener Situation, um Bewahrung vor dem sinnlosen Aus. Es geht um den Hirten, der dem verlorenen Schaf nachgeht, bis er es gefunden hat und der es auf seinen Schultern heimträgt. Das ist die Treue Gottes. Ich stelle mir einen Unternehmer vor, der Schafzüchter ist und einen Hirten braucht. Es stellen sich zwei vor: Einer wirbt damit, dass er garantiert trotz Gefahr von wilden Tieren 99 Prozent der Herde durchbringt. Der andere verspricht, einem verlorenen Schaf nachzugehen, bis er es gefunden hat. Ich glaube, wenn die Schafe ihren Hirten wählen könnten, würden sie den wählen, der verspricht, jeden Einzelnen zu retten. Wenn es darauf ankommt, ist diese Treue doch die, die wir brauchen. Ich wünsche Ihnen von Herzen die Erfahrung solcher Treue. Friedebert Seibt, evangelische Kirchengemeinde Prüm.