"Die Eifel ist ein Glücksfall"

"Die Eifel ist ein Glücksfall"

PRONSFELD. (sico) Bei seiner letzten Visitationsreise durch das Bistum Trier vor dem Ruhestand hat Weihbischof Leo Schwarz auch in Pronsfeld Station gemacht. Sein Augenmerk galt vor allem den Jugendlichen.

Im Gespräch mit rund 25 Jugendvertretern des Dekanats Westeifel machte der 75-jährige Weihbischof deutlich, wie sehr ihm die Förderung junger Menschen am Herzen liegt: "Die Eifel ist ein Glücksfall, denn hier haben wir noch Fundamente. Umso wichtiger ist eine Vernetzung in der Jugendarbeit." Im regen Austausch zwischen ehrenamtlichen Gruppenleitern und hauptamtlichen Jugendbetreuern, wie der Kreisjugendpflege des Landkreises und dem Caritasverband Westeifel, mit dem Weihbischof wurden die Chancen und Grenzen der Jugendarbeit im ländlichen Gebiet eingehend diskutiert. Die Ergebnisse werden bei den nächsten Klausurtagungen weitergegeben und somit im Auge behalten. Ein allgemeines Sorgenkind der katholischen Jugendarbeit stellt die Betreuungslücke zwischen Erstkommunion und Firmung dar, denn vor allem in diesem Alter kommt es häufig zum Bruch mit der Kirche. Viele Kinder haben bereits so voll gepackte Terminkalender, dass für religiöse Erfahrungen kein Platz mehr bleibt. Eine Lösung des Problems wäre es, die Kinder bis ins Teeniealter kontinuierlich weiter zu begleiten, aber dazu ist eine verlässliche Betreuung notwendig. Vielerorts mangele es jedoch an ehrenamtlichen Gruppenleitern, wie die Pfarreien dem Bischof klagten. Da es im 51 Pfarreien großen Dekanat Westeifel teilweise keine hauptamtlichen Ansprechpartner mehr vor Ort gibt, ist eine Verzahnung mit freiwilligen Helfern unverzichtbar, wie Pastoralreferentin Kirsten Denker-Burr heraushob: "Ohne die Ehrenamtlichen wären wir nichts." Für eine bessere Vernetzung und neue Ideen empfiehlt die Referentin formlosen Jugendtreffs die Mitgliedschaft in Vereinen wie der katholischen Landjugendbewegung: "Verbände gewähren mehr Sicherheit und sind nicht so abhängig von kurzfristigen Helfern. Außerdem haben sie eine ganz andere Lobby, um Interessen durchzusetzen." Doch was sind eigentlich konkret die Anliegen der katholischen Jugendarbeit? Im Zuge der Kirchenagenda 2020 setzt Weihbischof Leo Schwarz ganz auf Kräftemobilisierung, um junge Leute nicht aus den Augen zu verlieren: "Wir wollen die Zukunft auf Gott ausrichten, aber das ist oft leichter gesagt als getan. Wir müssen ein Nest schaffen und die Kinder mit Spaß und Erleben begeistern. Erst dann kann man vorsichtig den richtigen Augenblick abpassen, um das Geistige einzubringen. Aus dem Blick verlieren dürfen wir den spirituellen Aspekt aber nie, sonst können wir den Laden zu machen." In diesem Punkt stimmten ihm die anwesenden Jugendvertreter zu und verwiesen in diesem Zusammenhang auf Konflikte mit den Eltern, die sich teilweise sehr gegen religiöse Einflüsse in der Jugendarbeit sträubten. Der Weihbischof riet in solchen Streitfällen, gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat ein klares Profil auszuarbeiten und dieses gemeinsam mit den Eltern zu besprechen. Näher zusammenkommen sollen auch die Jugendlichen selbst in Zukunft wieder, denn die Vertreter regten an, spezielle Gottesdienste wieder regelmäßig über das Dekanat verstreut stattfinden zu lassen. Einen Jugendgottesdienst im großen Stil gab es bereits anlässlich des Besuchs des Weihbischofs: Mehr als 300 Messdiener aus dem gesamten Dekanat drängten sich am Nachmittag in der Pronsfelder Kirche, um mit dem Bischof die Messe zu feiern. Zeit für Begegnungen blieb anschließend bei einer gemeinsamen Fragestunde in der Turnhalle. Angesichts dieses großen Zustroms zeigte sich Weihbischof Leo Schwarz euphorisch: "Ich bin tief beeindruckt, was hier noch an Grundstock vorhanden ist."