Die Eifel sucht den Streuobstretter

Wirtschaft : Die Eifel sucht den Apfelretter

Eine Fachkraft, die ab April im Naturpark Süd- und Nordeifel ihre Arbeit aufnimmt, soll die Streuobstwiesen betreuen.

Wie schwarze Krallen ragen Apfelbäume aus den Wiesen. Blätter tragen sie noch keine – geschweige denn Obst. Doch bis zur Ernte ist es ja noch eine Weile hin. Daniela Torgau hofft, dass die Gewächse im Spätsommer wieder viele Früchte tragen werden – und somit auch ihre Arbeit.

Seit Jahren setzten die Geschäftsführerin des Zweckverbandes Naturpark Südeifel und ihre Kollegen sich nämlich für den Erhalt der Streuobstwiesen ein. Und das nicht nur, weil sie landschaftsprägend für die Eifel seien, wie Torgau sagt, und Lebensraum für geschützte Tiere böten. Sondern auch, weil Rambur, Nelches Birne und Mirakose – wie Eifeler Obstsorten heißen – einen Wirtschaftsfaktor darstellten. Lassen sich aus ihnen doch Marmelade, Saft und Schnaps herstellen und mit dem Siegel der Regionalmarke Eifel bewerben und verkaufen.

Das Problem: Es gibt zwar Hunderttausende Obstbäume in der Region – von Holsthum, Bollendorf und Irrel in der Südeifel bis nach Lützkampen im Prümer Land. Aber nicht jeder Besitzer pflege seine Bestände, sagt Torgau.  Manch ein Landwirt sei zu alt, habe keine Zeit oder kein Interesse, sich um die Bäume zu kümmern.

Und so komme es auch, dass mancher Apfel verrotte statt gepresst zu werden. Zudem seien mit den Besitzern auch die Bäume in die Jahre gekommen. Misteln und tierische Schädlinge täten ihr Übriges.

„Ein Großteil der Bestände stammt aus den 1950er-Jahren, der Hochzeit des Streuobsts“, sagt Torgau. Es sei also zwingend nötig, neue Bäume zu pflanzen.

Abhilfe schaffen, soll eine Fachkraft für Streuobst. Die hatte der Naturpark Südeifel in den vergangenen Wochen per Stellenausschreibung gesucht. Die Arbeit dieser Vollzeitkraft laut Torgau: vor allem Koordination und Projektentwicklung.

So soll der oder die Beauftragte etwa Kontakte zwischen Landwirten und Vereinen oder sogenannten Obstbaumwarten herstellen. Die Ehrenamtlichen könnten den Besitzern bei der Ernte und der Pflege der Bäume helfen. Aber auch Schulungen etwa zum Grünschnitt sind geplant.

Dabei wolle man auch mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, kurz DLR, zusammenarbeiten. „Wir können mit Sicherheit nicht jeden Baum retten“, gibt Torgau zu. Aber die Stelle sei ein Anfang.

Ganz neu ist die Idee des Streuobst-Büros nicht. Bereits 2015 hatte Torgau sie gegenüber einer TV-Reporterin erwähnt. Doch erst jetzt wird sie Realität – dank einer nicht unerheblichen Finanzspritze aus dem Brüsseler Leaderprogramm.

265 808 Euro, also fast eine Viertelmillion, bekommen die beiden Eifeler Naturparks aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds. Etwa Zweidrittel gehen an die Südeifeler – denn hier wird sich auch das Büro der oder des Streuobstbeauftragten befinden. Den Rest bekommt der Naturpark Nordeifel mit Sitzen in Prüm und Nettersheim in Nordrhein-Westfalen.

Für die Stelle hätten sich bereits einige interessante Kandidaten gemeldet, sagt Torgau. Die Bewerbungsfrist ist inzwischen abgelaufen. Bald werden die Vorstellungsgespräche über die Bühne gehen.

Ab Anfang April soll der oder die neue Beauftragte dann die Arbeit aufnehmen.

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