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Jubiläum: Die Eifel zeigt, was sie drauf hat

Jubiläum : Die Eifel zeigt, was sie drauf hat

Jubiläum  zum 140. Bestehen des Gasthauses Herrig in Meckel ist auch eine Leistungsschau hiesiger Betriebe.

„Ich muss noch schnell nach Bitburg, Gemüse kaufen, dauert zehn Minuten “, sagt Thomas Herrig und ist nach einer kurzen Begrüßung schon wieder verschwunden. Sein Vater Helmut ist gerade dabei, gründlich den Hof vor dem Gasthaus zu fegen. Dabei stört ihn das „bisschen Regen“ überhaupt nicht. Im Restaurant selbst ist es noch ruhig, Herrigs Ehefrau Cornelia ist mit organisatorischen Dingen befasst, auf einem Tisch liegen Ordner für Reservierungen und andere Papiere. In der Küche sind schon einige vom Herrig-Team bei der Arbeit, hin und wieder klingelt das Telefon. Schließlich ist auch der Chef des Hauses mit frischem Gemüse zurück. „Wenn dieses Wochenende vorüber ist, haben wir 530 Essen zubereitet“, sagt er. Für ihn und sein Team ist diese Anzahl keine Seltenheit.

Da ging es 1879 doch deutlich gemütlicher zu im Gasthof an der Hauptstraße 20. Im gleichen Jahr, in dem der Zar in Russland einem Attentat entging und Thomas Alva Edison eine Glühlampe dauerhaft zum Leuchten brachte, unterzeichnete der Besitzer des Meckeler Gasthofes  einen Vertrag mit der Bitburger Brauerei. Und weil diese Partnerschaft seit 140 Jahren besteht, wird das als Jubiläum am 30. Juni groß gefeiert. Doch dazu später.

„Tatsächlich ist das Gasthaus noch älter, nur haben wir darüber keine Unterlagen“, erklärt Herrig im TV-Gespräch. Bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts spielte im Gasthof Essen noch keine Rolle. Da wurde morgens die Tür aufgesperrt und schon kamen die ersten Rentner zum Stubbi-Trinken, Rauchen und Kartenspielen  – mitunter ging das bis abends, weiß der 48-Jährige. „Rentner hatten früher keine Hobbys, da wäre niemand auf die Idee gekommen, Rad zu fahren“, erklärt Herrig. Heute reist diese Altersgruppe sehr viel, ist aktiv in der Natur unterwegs und in Vereinen engagiert. Vermutlich ein Grund, warum vielen Gasthäusern ein Teil der Gäste verloren ging, glaubt Herrig. Richtig gekocht – für Gäste – wurde bei Herrigs erst Ende der 70er Jahre durch seine Mutter Cilli. Der Erste in der Familie, der eine Ausbildung zum Koch gemacht hat, ist Thomas Herrig selbst. Gelernt hat er  im Dorint-Hotel in Biersdorf. Die Leidenschaft für den Beruf hat ihn dann so richtig in der Schweiz gepackt, wo er drei Mal eine Saisonstelle innehatte.

Zurück in der Heimat hat er dann 1996 das Lokal übernommen. Im Jahre 2001 wurde der Gastraum umgestaltet und 2008 ist der große Saal entstanden. Während es bei der Feier zum 125-jährigen Bestehen – vor 15 Jahren – noch viele weitere Gaststätten im Eifelkreis gab, ist die Zahl wieder zurückgegangen, hat der Gastronom beobachtet: „Die Gaststätten sterben aus“, bedauert er. In Meckel gibt es mit der „Meilbrück“ hingegen sogar noch zwei. Und dass das Lokal des 48-Jährigen erfolgreich ist, dafür gibt es Gründe, wobei er sich selbst beim Stichwort Erfolg bescheiden gibt. „Ohne meine Frau würde das gar nicht funktionieren.“

Wo es geht, verwenden er und sein Küchenteam Produkte aus der Region, industriell hergestellte Ware ist verpönt. Das Fleisch komme aus artgerechter Tierhaltung aus der Umgebung, versichert er. Das Geflügel kauft er in  Niederstedem, die Fische von der Abtei Himmerod. Auch für Vegetarier und Veganer gibt es etwas auf der Speisekarte.

Zum anderen kombiniert Herrig Essen mit Kultur, was ein Theater oder das Haus Beda so nicht bieten können. So tritt beispielsweise das Comedy-Duo „Die Weibsbilder“ an mehreren Abenden in Meckel auf, die Reservierungen laufen sehr gut. Auch für die Lesung mit Schriftsteller Arno Strobel im November gibt es schon viele Anmeldungen. Ein weiterer Punkt sei die Präsenz im Internet, die Herrig sehr pflegt, wie er betont. „Die neuen Kommunikationswege sind Fluch und Segen zugleich.“  Bei einer guten Internetpräsenz spiele der Standort des Betriebs keine Rolle.

Eine große Rolle spielt für den Gastronom aber die Ausbildung junger Leute. Das fängt schon bei den Praktikanten und auch natürlich bei den Mini-Köchen (der TV berichtete) an. Herrig: „Wir möchten eine schöne Praktikumszeit bieten, die Praktikanten müssen bei uns keine Regale auswischen.“ Wer so an die Hand genommen wird, bewirbt sich vielleicht auch um eine Ausbildungsstelle. Auch die Auszubildenden werden bei Herrigs gefördert und gefordert und mit System in allen Bereichen ausgebildet. Viele von seinen Lehrlingen haben schon bei bundesweiten Wettbewerben gewonnen.

„Zufriedene Mitarbeiter sind sehr wichtig“, sagt Herrig. Um den Stress in der Küche zu reduzieren, will er Ausgabe und Produktion trennen. Kroketten, Markklößchen, Suppen, Soßen und Fonds können in der ruhigen Zeit vorbereitet, dann vakuumiert und eingefroren  werden, das mindere nicht die Qualität, versichert der Gastronom, der  nun  den Tag des Jubiläums am 30. Juni vor Augen hat.

„Dieser Tag soll ganz bewusst eine Leistungsschau der Eifel und des Gasthauses Herrig sein“, sagt der 48-Jährige. Von 14 bis 20 Uhr wird ein Genießermarkt geboten mit Spezialitäten von Herrig und 30 Partnerständen. Es gibt besondere Verkostungen sowie Musik vom Bitburger Brauerei-Chor, Achim Weinzen und dem Musikverein Stadtkyll. Um die kleinen Gäste kümmern sich die Jugendfeuerwehr Meckel und der Verein „Kinderlachen“.

Im Restaurant erinnern alte Fotos an die Geschichte des  Gasthauses. Foto: TV/Maria Adrian
Die Gastwirtschaft 1929: Die Aufnahme zeigt die Urgroßeltern des heutigen Inhabers, Matthias und Susanna Herrig, und Großvater  Vitus Herrig. Foto: TV/Maria Adrian

Informationen zum Programm unter
www.gasthaus-herrig.de
Karten gibt es im Internet auf der Seite www.ticket-regional.de  sowie an der Theke im Gasthaus Herrig in Meckel.