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Die Feuerwehr braucht die Jugend

Brandschutz : Die Feuerwehr braucht die Jugend

Für Wilhelm Clemens ist die Feuerwehr auch immer Familiensache gewesen. Sein Vater war Feuerwehrmann, seine Brüder ebenso und Clemens selbst war 45 Jahre Mitglied der Zendscheider Feuerwehr, die mittlerweile aufgelöst wurde.

20 Jahre war er auch deren Wehrführer. Mit 63 musste er aufhören, und dann gab es auch keinen Nachfolger.

Führungspersonal fehlte und ebenso der Nachwuchs. „Die Jugend ist heute anders gestrickt“, glaubt der 63-Jährige. Für die Feuerwehr müsse Freizeit geopfert werden – für Übungen, Lehrgänge und Einsätze. Früher seien zeitweise  von  150 Einwohnern Zendscheids über 20 in der Feuerwehr aktiv gewesen. Aber das war einmal. Er sorgt sich auch, dass die Einsatzzeiten nicht eingehalten werden können, wenn kleine Wehren verschwinden. Clemens findet auch, dass manche Verordnungen vom Land in Sachen Feuerwehr mit der Praxis nicht viel zu tun haben. Hinzu komme natürlich der demografische Wandel.

Das sieht auch Achim Schroth so. Der einstige Wehrführer der ebenfalls aufgelösten Scharfbilliger Wehr macht auch die fehlende Jugend als Problem aus. Zudem ist die Feuerwehr gerade in kleineren Orten für viele weitere Aufgaben zuständig. „Wir waren auch für das Sommerfest, die Aktion Saubere Landschaft, die Kanalreinigung und das Maibaum-Aufstellen zuständig“, sagt Schroth.

Diese Aufgaben hat zum Glück ein neugegründeter Förderverein übernommen. Was die Wehr-Einsätze angeht, komme Scharfbillig die Nähe zu Röhl und Sülm zugute, so Schroths Einschätzung.

Neben Scharfbillig und Zendscheid gibt es auch in Feilsdorf, Orlenbach und Schloßheck keine Feuerwehr mehr. „Wir brauchen aber die kleinen Wehren, denn die haben die Ortskenntnis“, sagt Willi Schlöder, stellvertretender Kreisfeuerwehrinspekteur (KFI) und stellvertretender Wehrleiter der Verbandsgemeinde Bitburger Land, beim TV-Gespräch im Katastrophenschutzzentrum in Bitburg.

Der 59-Jährige nennt als Grund für den Nachwuchsmangel auch das größere Freizeit-Angebot, das Kindern und Jugendlichen heutzutage zur Verfügung stehe. Zudem würden sich auch die Vereine um den Nachwuchs bemühen. Da sei die Gründung von Bambini-Feuerwehren schon die richtige Antwort gewesen, findet Schlöder. Da können schon Sechsjährige mitmachen, für die Jugendfeuerwehr muss man hingegen zehn Jahre alt sein. Die gute Nachricht ist, dass in Spangdahlem und in Orenhofen Bambini-Wehren gegründet wurden, wie Schlöder weiß. Er glaubt auch, dass in den Orten, die eine Jugendfeuerwehr haben, das Nachwuchsproblem kein Thema ist. Das sei schon ein Problem von kleineren Orten –  ganz klar. Und eine der Lösungen dafür ist der Zusammenschluss. „Das muss aber auf freiwilliger Basis geschehen“, betont der Neidenbacher und nennt drei Beispiele, wo das geglückt ist, wie bei Kyllburgweiler/Seinsfeld, St. Thomas/Usch und bei der FFW Mehlenthal.

Ein Problem sieht er auch darin, dass jede Wehr einen Wehrführer braucht, und der muss wiederum eine Gruppenführerausbildung in Koblenz absolvieren. Dafür müsste  er freigestellt werden. Das sei in manchen Berufen schwierig und auch  besonders dann, wenn derjenige in Luxemburg arbeite, wo die rheinland-pfälzischen Gesetze eben nicht gelten. Da wären Lehrgänge, die im Eifelkreis stattfänden, schon  eine Erleichterung.

Dass viele Wehrleute, die sich noch fit fühlen, aber mit 63 aufhören müssen, sich mit dieser Vorgabe schwertun, kann der 59-Jährige gut verstehen. „Wenn man erst mit 67 in Rente gehen darf, bei der Feuerwehr aber schon mit 63 aufhören muss, dann ist das nicht nachvollziehbar.“

Wie der stellvertretende KFI aber weiß, soll es da eine Novellierung des Brand- und Katastrophenschutzgesetzes (LBKG) geben. Laut dem Entwurf werde die Altersgrenze auf 67 angehoben.

Dennoch: „Wenn keine neuen Wehrleute nachkommen, dann kann die Feuerwehr nicht gerettet werden. Das bleibt eine Herausforderung“, sagt Schlöder.