Die Flitsch ist wieder da

Geduldig wartete gestern ein Dutzend Frauen und Männer aus Blumenthal an der kleinen Bahnstation in Blumenthal auf die Ankunft der Flitsch, die am Sonntag erstmals seit 29 Jahren wieder bis Hellenthal rollte.

Hellenthal. (evi) Wie früher wollten die Blumenthaler mit der von Sonja Kaulartz geschmückten Flitsch nach Hellenthal auf die Kirmes fahren. Daraus wurde aber nichts, denn der Zug war hoffnungslos überfüllt und blieb erst gar nicht mehr vor den Wartenden in Blumenthal stehen. Hinter dem Bahnhof Blumenthal zerrissen dann Gisela Neveling und Wolfgang Heller von der Bahn- und Businitiative Schleidener Tal (BuBi) ein Band, womit die Strecke offiziell freigegeben war. Von einigen Hundert Gästen wurde der Sonderzug am Bahnhof Hellenthal begrüßt. Der 87-jährige Horst Kempa aus Oberhausen, der der letzte Fahrdienstleiter vor der Streckenschließung war, hatte einen Ehrenplatz im Zug. "Es ist wie ein kleines Wunder, dass der Zug im Schleidener Tal wieder fährt", sagte er. Frank Jöbkes aus Anstois erinnerte sich an seine Schulzeit, als er mit der Flitsch nach Schleiden zur Schule fuhr: "Besonders der Tunnel in Gemünd ist mir in Erinnerung geblieben, wo man im Dunkeln mal kurz den Kontakt zu den Mitschülerinnen suchen konnte."

"Eigentlich hätte der Betrieb der Eisenbahn auf den Schienen bis Hellenthal schon viel früher aufgenommen werden können, wenn da nicht der strenge Winter die Arbeiten an der Strecke verzögert hätte", sagt der Eisenbahnbetriebsleiter der Rhein-Sieg-Eisenbahn, Daniel Preis, der auch Chef der Oleftalbahn ist. Er bezeichnet die Wiedereröffnung der Strecke bis Hellenthal als einen weiteren Meilenstein. Jetzt müsse die Strecke aber belebt werden und das nicht nur mit Personenzügen. Daniel Preis denkt vor allen Dingen an den Güterverkehr. "Es tut der Region gut, die Infrastruktur wird aufgewertet und dem Fremdenverkehr dürfte es einen Schub geben."

Seit 2004 hatten die Freunde der Oleftalbahn immer wieder verhandelt, um den Betrieb der Bahn zu erweitern. So ging es 2008 zunächst bis Oberhausen, ein Jahr später bis Blumenthal und nun endlich wieder bis Hellenthal. Die Betriebserlaubnis gilt für 50 Jahre. Für Wolfgang Heller geht damit ein Traum in Erfüllung. "Ich kann noch gar nicht in Worte fassen, wie glücklich ich bin", sagte er bei der Ankunft in Hellenthal. Auch Schleidens Bürgermeister Ralf Hergarten zeigte sich erfreut über den glücklichen Abschluss, zumal das ganze Projekt auf der Kippe gestanden hatte, weil die Gleise eigentlich hätten demontiert werden sollen.

1884 wurde die Oleftalbahn erstmals in Betrieb genommen. Im Krieg ist die Strecke zerstört worden. Der Streckenabschnitt von Oberhausen nach Hellenthal konnte erst am 14. Dezember 1949 wieder befahren werden. Dass die Oleftalbahn 126 Jahre alt wurde, ist nicht zuletzt den Mitglieder von BuBi zu verdanken, die sie gepflegt haben. Und so konnten die Hellenthaler gestern das ausrufen, was vorne auf der Flitsch auf einem Schild zu lesen war: "Hurra, die Flitsch ist wieder da."