Die „gelbe Karte“ für den Stadtrat

Stadtentwicklung : Die „gelbe Karte“ für den Stadtrat – Bitburger Feuerwehrleute protestieren

Mehr als 70 Bitburger Feuerwehrleute haben am Vatertag vor dem Rathaus ihre Helme niedergelegt. Die Aktion ist als Protest gegen den Stadtrat zu verstehen. Die Rettungskräfte fühlen sich offenbar herabgewürdigt.

Ein Feuerwehrauto hält in der Fußgängerzone. Bald darauf kommt ein weiteres um die Ecke bei der Römermauer gefahren. In wenigen Minuten parken so viele rote Wagen rund um die Liebfrauenkirche, dass man meinen könnte, das Gotteshaus stehe in Flammen. Doch ein Einsatz ist nicht der Grund, weshalb die Bitburger Rettungskräfte am Morgen des Vatertages ausrücken – sondern eine Protestaktion.

In Uniformen gekleidet steigen sie aus den Fahrzeugen aus und machen sich auf den kurzen Weg zum Rathaus. Eine Traube von Männern und Frauen in schwarz-gelben Uniformen schreitet zur Stadtverwaltung. Keiner spricht. Es wirkt fast wie eine Prozession. Ihr Ende: der Eingang des Rathauses. Hier legen die Feuerwehrleute ihre Helme ab. An der Tür lehnt ein gelbes Blechschild. Darauf steht: „Freiwillige Feuerwehr Bitburg - Übermotiviert für Ihre Sicherheit.“

Sie ziehen ihren Hut - aber aus Protest: Jede Menge Helme und ein Blechschild haben Bitburger Feuerwehrleute vor dem Rathaus abgelegt. Fotos (3): Christian Altmayer. Foto: TV/Christian Altmayer

Der Satz ist eine Anspielung auf eine Aussage, die der Fraktionsvorsitzende der Liste Streit im Bitburger Stadtrat gegenüber dem TV gemacht hat. Willi Notte ließ sich im Volksfreund mit folgenden Worten zitieren: „Die Bitburger Feuerwehr ist übermotiviert, sie schießt oft übers Ziel hinaus. Und Burbach hat sie darin bestärkt.“

Foto: TV/Christian Altmayer

Diese Formulierung ist es, welche die Einsatzkräfte besonders geärgert hat. „Das war ein Schlag für uns alle“, sagt Reiner Pin, der Feuerwehrmann, der den Protest vor dem Rathaus organisiert hat. Die Aktion sei als „gelbe Karte“ für den Stadtrat gedacht, der sich im Konflikt zwischen dem amtierenden Wehrleiter Manfred Burbach und dem Bürgermeister auf die Seite von Joachim Kandels gestellt hat.

Nicht erst seit vergangener Woche kriselt es zwischen Feuerwehr und Stadtverwaltung. Immer wieder hat es Streit um Einsatzzeiten, um die Rufbereitschaft und um den Zustand der Feuerwache in der Mötscher Straße gegeben. Doch seit der Bürgermeister in einem Gespräch mit der Mannschaft verlauten ließ, er werde Manfred Burbach nicht für weitere zehn Jahre zum Wehrleiter ernennen, ist die Lage eskaliert (der TV berichtete mehrfach).

Doch inzwischen, sagt Pint, gehe es gar nicht mehr um die Personalentscheidung. Es gehe darum, was der Stadtrat von der Feuerwehr hält. Seit 37 Jahren engagiere er sich nun schon für die Löschtrupps. „Wir haben uns nichts zuschulden kommen lassen. Wir sind ständig in Bereitschaft, sorgen unentgeltlich und freiwillig für die Sicherheit der Bürger “, sagt der Bitburger, der früher einmal Wehrleiter war: „Als ich die Aussagen aus dem Stadtrat gelesen habe, habe ich mir nach all dieser Zeit zum ersten Mal überlegt, meine Uniform abzugeben.“

Und damit steht der Eifeler nicht allein. Mehr als 70 Feuerwehrleute legen am Vatertag symbolisch ihre Helme nieder. Wenn ihr Protest die „gelbe Karte“ für den Stadtrat und den Stadtchef sei, sagt Pint: „Dann wäre der Austritt die rote.“ Im Moment sei es zwar noch nicht geplant, dass Einsatzkräfte ihre Ämter niederlegen. Aber es sei wahrscheinlich, dass es dazu kommt, wenn es aus dem Rathaus und vor allem von Notte keine öffentliche Entschuldigung gebe. Zumindest eine Erklärung wünschen sich die Einsatzkräfte: „Was genau heißt denn übermotiviert? Wo schießen wir übers Ziel hinaus?“

Aber mit Austritten drohen, ist das nicht Erpressung? „Nein“, sagt Pint: „Wir wollen dadurch ja nicht die Ernennung von Burbach herbeiführen. Wir wollen nur eine Entschuldigung.“ Am Vatertag werden sie keine mehr bekommen. Notte sagt auf TV-Anfrage er müsse über die Sache nachdenken und könne im Moment noch nichts sagen. Auch sonst reagiert am Feiertag kaum einer auf den Protest der Feuerwehrleute. In der Fußgängerzone ist kaum jemand unterwegs. Und auch das Rathaus ist verwaist. Hinter den Fenstern brennt kein Licht. Warum also haben sich die Organisatoren genau diesen Tag ausgesucht, um zu protestieren? Darauf hat Pint eine simple Antwort: „Weil wir alle berufstätig sind. Heute haben viele von uns frei. Da ließ sich das spontan machen.“

Machen ließ sich das zumindest für etwa die Hälfte der 180 Bitburger Feuerwehrleute. Der Rest der Mannschaft, unter anderem auch die Wehrführer und der Noch-Wehrleiter Manfred Burbach, zeigen sich vor dem Rathaus nicht. Das liege zum einen daran, dass rund 20 Feuerwehrleute heute trotz der Aktion im Bereitschaftsdienst seien, sagt Pint. Und außerdem sei die Teilnahme ja freiwillig gewesen. Kritische Stimmen aus den eigenen Reihen habe es jedenfalls keine gegeben.

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