Die Gelegenheit beim Schopf packen

Kyllburg. (uq) "Und wo ist das gemeine Volk?": Was sich Dietmar Wolf, Grünen-Politiker aus Düsseldorf, am Rande der Veranstaltung "Grüne Ideen für schwarze Zahlen" in Kyllburg fragt, trifft das Herz der Diskussion.



Denn der Vortrag des luxemburgischen Abgeordneten Camille Gira - veranstaltet von Bündnis90/Die Grünen im Kreis Bitburg-Prüm - zeigt, dass ohne die Begeisterung der Bürger nichts geht.

Gira ist nicht nur Mitglied des luxemburgischen Parlaments und des internationalen Klimaschutzbündnisses, sondern auch Bürgermeister der Gemeinde Beckerich, zu der acht Ortschaften gehören. Eine Gemeinde, die in den 70er und 80er Jahren tief in der Krise steckte - und nun als glänzendes Beispiel für nachhaltige Entwicklung gilt.

"Wir haben uns am eigenen Schopf aus der Misere gezogen", erzählt Gira. Viele Häuser waren Anfang der 80er Jahre verlassen, es gab kaum Jobs, immer mehr Menschen zogen weg. Dann fiel der Startschuss für die Dorferneuerung. Alte Gebäude wurden saniert, eine Biogasanlage gebaut und Photovoltaik-Anlagen sowie Nahwärmenetze installiert.

Giras Ratschläge für die Kommunen: Zunächst müsse die Bevölkerung für den Klimaschutz begeistert, beim Stolz gepackt und an der Entwicklung der Visionen beteiligt werden. Um vorausschauende Politik zu betreiben, müsse die Gemeinde zudem regelmäßig Daten erheben und auf deren Basis Strategien entwickeln, "sonst erlebt sie böse Überraschungen".

Sie solle außerdem am Profit der Energiegewinnung beteiligt werden und ihre Projekte ständig evaluieren. Auch soziale Projekte seien wichtig, um die Identität der Dörfer zu erhalten. "Sonst folgt auf die Finanzkrise die Klima-, dann die Nahrungsmittel- und schließlich die soziale Krise."

Im Internet sieht Gira die zweite große Chance für den ländlichen Raum. Denn mit Hilfe einer schnellen Verbindung können Firmen von dort aus ihre Leistungen überall in der Welt anbieten und dezentrale Arbeitsplätze schaffen.

Gira appelliert: "Die Kommunen mit den kleinsten Budgets sind die, die am ehesten investieren müssen, sonst haben sie bald kein Geld mehr."