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Archiv 2016: Die Geschichte hinter dem Namen

Archiv 2016 : Die Geschichte hinter dem Namen

In größeren Städten sind Stolpersteine häufig zu finden. Auf dem Land hingegen seltener. Eine Arbeitsgruppe aus Bollendorf aber hat sich daran gemacht, die Geschichte der einst 100 Mitglieder großen jüdischen Gemeinde zu erforschen. Im Sommer soll der Initiator der Stolpersteine selbst, Gunter Demnig, die ersten Steine in dem Ort verlegen.

Bollendorf. Wer mit den Mitgliedern des Arbeitskreises Jüdische Geschichte durch Bollendorf spaziert, erhält schnell einen ganz anderen Blick auf die Häuser am Straßenrand. "Hier hat die jüdische Familie Steinberger gewohnt", sagt Karl-Wilhelm Gellisen und zeigt auf das Haus an der Ecke Sauerstaden/Lindenstraße. Folgt man dem pensionierten Lehrer und seinen Mitstreitern die Lindenstraße hoch, zeigen sie noch einige Häuser, in denen vor dem Krieg jüdische Familien wohnten.
Wenige haben Bedenken



Seit rund zwei Jahren beschäftigen sich fünf Bollendorfer mit dem Schicksal der Juden, die im Zweiten Weltkrieg enteignet, verschleppt und/oder getötet wurden. Die Namen sind zumeist bekannt. Andere Forscher (insbesondere Stefan Roos) haben vorgearbeitet. "Aber wir wollen die Schicksale mit Geschichte füllen", erklärt Frank Schmitt, Architekt aus Bollendorf. Dabei unterstützen ihn und Gellisen Barbara Kemmer (Kunsthistorikerin), Michael Weidert (Lehrer) und Nicole Fricke-Koch (Sozialpädagogin). Ihr Ziel: Für jedes Opfer des Nationalsozialismus soll ein Stolperstein verlegt werden. Des Weiteren soll in Buch- oder Broschürenform die Geschichte hinter den Namen und Daten erzählt werden. In ihrer Freizeit wälzen sie daher Archivbestände (online und beim Landeshauptarchiv in Koblenz), sprechen mit Hausbesitzern und Zeitzeugen - und machen dabei durchaus erstaunliche Funde.
Wie die 16 Briefe, die 2007 dem United States Holocaust Memorial Museum in Washington DC gestiftet wurden und in denen die jüdische Familie Maier zwischen 1937 und 1942 mit Verwandten in Amerika korrespondierte und in denen sie die Situation in Deutschland beschrieb.
Einen weiterer Glückstreffer gibt es bei der Shoah Foundation: Betty Goldmann, geborene Levy. Die 1920 in Bollendorf geboren Frau konnte Deutschland 1937 oder 38 mit einem Kindertransport in Richtung London verlassen. Regisseur Steven Spielberg hatte sie als Holocaust-Überlebende zur Vorbereitung auf seinen Film "Schindlers Liste" interviewt. 2008 starb sie. Mit Spannung erwarten die Hobby-Historiker die Ankunft des Bandes.
Für ihr Vorhaben, Stolpersteine für die Opfer zu verlegen, hätten sie viel positive Resonanz bekommen.
Nur vereinzelt habe es Bedenken gegeben, wenn Leute befürchteten, etwa infolge der Enteignungen als unrechtmäßige Hauseigentümer angesehen zu werden.
Damit die Steine verlegt werden können, ist die Gruppe auf Spenden angewiesen. Spender können einzelne Stolpersteine komplett (120 Euro) oder teilweise (beliebiger Betrag) finanzieren.
Spendenkonto: IBAN: DE93 586 500 30 0004 0000 55, BIC: MALADE51BIT, Institut: Kreissparkasse Bitburg-Prüm, Kontoinhaber: Verbandsgemeindekasse Südeifel, Verwendungszweck "Stolpersteine Bollendorf" oder "Stolpersteinrecherche Bollendorf".
Weitere Informationen unter <%LINK auto="true" href="http://www.facebook.com/" text="www.facebook.com/" class="more"%>
stolpersteine.bollendorf
Extra

 Ortsbürgermeister Rolf Stump (links außen) im Gespräch mit den Forschern (von links) Michael Weidert, Frank Schmitt, Barbara Kemmer und Karl-Wilhelm Gellisen. TV-Foto: Christina Libeaux
Ortsbürgermeister Rolf Stump (links außen) im Gespräch mit den Forschern (von links) Michael Weidert, Frank Schmitt, Barbara Kemmer und Karl-Wilhelm Gellisen. TV-Foto: Christina Libeaux Foto: (e_eifel )

Der Künstler Gunter Demnig verlegt die Steine, die mit dem Namen und den Lebensdaten der Opfer versehen sind, vor deren letztem frei gewählten Wohnort. Am Freitag, 24. Juni, wird der Künstler selbst im Rahmen der 1300-Jahr-Feier die ersten 24 Steine in Bollendorf verlegen. Am Vorabend, 23. Juni, hält er um 19 Uhr im Abteihof einen Vortrag. cli