Die Gleise und der Mann aus Mainz

Die Gleise und der Mann aus Mainz

Mehr als 1,6 Millionen Euro sind notwendig, um den Kyllburger Bahnhof für die Zukunft zu rüsten. Neben einer Beteiligung von Bund und Bahn soll auch das Land ein Viertel der Kosten übernehmen. Innenminister Roger Lewentz war am Montagnachmittag vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Kyllburg. "Bella Italia" heißt das Restaurant am anderen Ende der Fußgängerbrücke. Schönes Italien also. Das passt. Denn die Schönheit Italiens steht außer Frage. Aber auch Kyllburg, wo Bella Italia liegt, hat seinen Reiz. Und darüber hinaus mit dem Land im Süden Europas noch etwas gemeinsam, nämlich die marode Haushaltslage. Die ist zwar - gemessen an der Pro-Kopf-Verschuldung - in der 920-Einwohner-Gemeinde natürlich nicht ganz so katastrophal wie in Italien, doch mit mehr als 1700 Euro Miesen pro Kyllburger Bürger auch alles andere als "schön". So liegt der Landesschnitt bei Ortsgemeinden dieser Größenordnung laut Statistischem Landesamt bei weniger als 350 Euro.
"Wenn wir es nur davon abhängig machen würden, dann dürften wir hier gar nichts mehr unterstützen", sagt der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz, während er vor dem Kyllburger Bahnhof steht. Er ist nicht mit dem Zug angereist, doch ist der Bahnhof der Grund für seine Anwesenheit. Genau genommen ist es die Sanierung des Bahnhofs, die unter anderem die Änderung der Bahnsteige beinhaltet und eine Fußgängerüberführung vorsieht, mit der zukünftig dann die beiden neuen Bahnsteige miteinander verbunden werden sollen.
Sanierung: Alle müssen zahlen


Der Innenminister hat diese Maßnahmen in einer grünen Sammelmappe, die er mit sich führt, dokumentiert. Und darin aufgeführt sind auch die Kosten, die bei rund 1,615 Millionen Euro liegen.
Insgesamt knapp 1,14 Millionen Euro sollen davon Bund und Bahn übernehmen, weitere 400 000 Euro das Land (daher die Einladung des Ministers), und um die restlichen 76 500 Euro muss sich Kyllburg kümmern. Hinzu kommen die Kosten für die Planung, die ebenfalls von der Gemeinde zu tragen sind.
Ob die Kommunalaufsicht diese Ausgaben genehmigen wird, muss sich zeigen. Doch für Kyllburgs VG-Chef Bernd Spindler, der gemeinsam mit Stadtbürgermeister Wolfgang Krämer und einer kleinen Delegation den Innenminister auf seiner kurzen Tour durch Kyllburgs Norden begleitet, steht weniger die Frage der Kosten als die der Notwendigkeit im Vordergrund. Von einer "wichtigen Investition in die Zukunft" spricht Spindler. Wichtig ist die Investition deshalb, weil der Bahnhof samt seiner Gleise und Bahnsteige nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit entspricht. Und wird daran nichts geändert, dann ist damit zu rechnen, dass aufgrund des "Rheinland-Pfalz-Takts" irgendwann keine Züge mehr in Kyllburg halten (siehe Extra).
Eine feste Zusage, dass sich das Land mit den veranschlagten 400 000 Euro an dem Projekt beteiligt, macht Lewentz zwar nicht, doch stellt er den Zuschuss auch nicht infrage. Dazu gefällt es ihm in Kyllburg möglicherweise zu gut. "Wenn ich hierher komme, meine ich, ich wäre im Urlaub", schwärmt der Minister. "Nur das allein wird nicht reichen." Der Rheinland-Pfalz-Takt, den die Deutsche Bahn (DB) bis 2015 umsetzen will, beinhaltet den Einsatz moderner Züge, die Optimierung von Zugverbindungen aber auch die Verbesserung von Bahnhöfen, die, damit die Züge dort auch halten, sicherer und vor allem barrierefrei sein müssen. Da die DB die Verbindung zwischen Köln und Trier bereits zum Dezember 2013 auf den Rheinland-Pfalz-Takt umstellen will, muss der Bahnhof in Kyllburg spätestens bis dahin das Gleisumfeld entsprechend geändert haben. (uhe)

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