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Die Herzbuben, die sich auch über Damen freuen

Die Herzbuben, die sich auch über Damen freuen

Geben, hören, sagen: Wer diese Formel hört, weiß, was die Stunde geschlagen hat. Skat ist angesagt. Eine Tradition, die die Bitburger Herzbuben mit Leidenschaft pflegen. Seit 50 Jahren gibt es den Club. Das wird diesen Sonntag gefeiert. Damit das Skatspiel auch in 50 Jahren noch lebendig ist, wird Nachwuchs gesucht.

Bitburg. Früher war das so: Wenn man endlich Skat spielen konnte und dann bei den Großen auch mal mitspielen durfte, hatte man das Gefühl, so als junger Mensch schon mal was erreicht zu haben. "Ich war so zwölf Jahre alt, als ich die ersten Male in der Runde mit meinem Vater und meinen älteren Brüdern mitspielen durfte, aber nur, wenn einer von den Älteren mal nicht da war", sagt Matthias Hauer.
Der 66-Jährige ist passionierter Skatspieler, seit 34 Jahre Mitglied bei den Herzbuben - und seit 31 Jahren Vorsitzender des Clubs. Tradition verpflichtet.
Die Freude am Skatspiel ist für Hauer leicht erklärt: "Jedes Spiel ist anders. Taktik ist gefragt. Und es ist gesellig." Darum treffen sich die Herzbuben jeden ersten Freitag im Monat auf dem Sonnenhof bei Matzen zum Turnier - und veranstalten einmal im Jahr eins der größten Skatturniere der gesamten Region, zu dem mehr als 300 Spieler kommen.
73 Mitglieder zählt der Club - unter ihnen auch zwei aktiv spielende Frauen und eine Handvoll Jugendlicher. Genau das macht Hauer Sorgen. Die Tradition könnte verloren gehen, wenn der Nachwuchs fehlt: "Früher war das anders, da wollte jeder Skat lernen. Es gab ja auch nicht so viel wie heute, wo es für junge Leute ein unglaublich großes Freizeitangebot gibt." Damals, sagt Hauer, habe er im Zug zusammen mit anderen Jungs auf dem Weg zu Schule, später zur Lehrstätte, Skat gespielt: "Heute sitzen da mit ihren Handys."
Eifeler Küche zum Fest


Um junge Leute, aber auch Frauen für das Traditionsspiel zu begeistern, loben die Herzbuben bei Turnieren extra Jugend- und Damenpreise aus. Auch Lehrgänge hat der Club schon angeboten, die Resonanz sei aber gering gewesen. "Jeder, der sich interessiert, kann einfach vorbeikommen, freitags zum Treff auf dem Sonnenhof. Auch Anfänger oder richtige Neueinsteiger. Wir freuen uns über jeden", sagt Hauer. Der Club feiert diesen Sonntag sein 50-jähriges Bestehen - ab 11 Uhr im Sonnenhof. Zu Mittag gibt es Eifeler Küche: Rindfleisch mit Remoulade, Wirsing und Kartoffeln.
Was für Hauer einen guten Spieler auszeichnet: "Ein Talent zum Pokern schadet nicht. Ansonsten: Ruhe und Gelassenheit. Ein guter Skatspieler verfolgt das Spiel aufmerksam, zieht seine Schlüsse und passt seine Strategie an." scho
Kontakt: Wer die Herzbuben kennenlernen möchte, kommt zum Turnier am Freitag, 5. August, 20 Uhr. Infos bei Matthias Hauer, Telefon 06561/67200.
Extra

In der Eifel war vor zwei Jahrzehnten kein sonntäglicher Frühschoppen denkbar, ohne dass Herren an Tischen zusammen Skat "gekloppt" haben. Das Spiel ist Anfang des 19. Jahrhunderts in Thüringen entstanden. Nach Angaben des Deutschen Skatverbands gibt es rund 20 Millionen Skatspieler. Eine schöne Beschreibung des Spiels findet sich in einem Heft von Holger Ehmann: "Am Skattisch sind Alters- und Berufsunterschiede aufgehoben. Freude am Gelingen schwieriger Züge, das Erkennen eigener und fremder Denkfehler lassen lust- und unlustbetonte Gefühle aufklingen; gesellschaftlicher Takt regelt das Maß für ihre Äußerung. So fördert Skat Charakter und Persönlichkeit." Es gibt viele Skat-Ausdrücke wie eineOma (ein Blatt, mit dem man nicht verlieren kann), der Chef (Kreuzbube, der höchste Trumpf), ein Schwätzbrett (jemand, der beim Spiel zu viel redet) oder eine Flöte (vollständige Reihe einer Farbe). scho