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Die Hexenverfolgung in der Eifel machte vor niemandem halt

Geschichte der Hexenverfolgung in der Eifel : Angeklagt - Frauen von Mötsch und der Bürgermeister

Die Hexenverfolgung in der Eifel machte vor niemandem halt. Friedrich Spee war einer der wenigen Gegner dieses Wahns.

Kriege, Plünderungen, Einquartierungen, die kleine Eiszeit, Unwetter, Missernten, Krankheiten, Viehsterben – in den krisenhaften Zeiten Ende des 16. Jahrhunderts suchten die Menschen nach Erklärungen für all das Elend, das sie erdulden mussten.

Und daraus entstand weiteres Elend – der Hexenwahn der frühen Neuzeit. „Etwa 800 Frauen und Männer wurden der Hexerei bezichtigt“, wie Dr. Rita Voltmer von der Universität Trier im Film  „Mythen, Sagen und Geschichten aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm“ von Adolf Winkler darlegt. Sie forscht seit 30 Jahren über die Hexenverfolgung.

Zwischen 1560 und 1650 seien allein im Kurfürstentum Trier wohl mehr als 1000 Männer und Frauen hingerichtet worden – die zuvor grausam gefoltert worden waren. Der Hexenverdacht und die Denunziation sei ein probates Mittel gewesen, jemanden loszuwerden. Jeder konnte im Grunde jeden der Hexerei beschuldigen.

Auch bekannte Opfer, wie der hochangesehene Schöffe, Bürgermeister und zeitweise reichster Bitburger Johann Schweisthal geriet unter Verdacht. Er soll beim Hexentanz auf einem goldenen Thron gesessen haben. Er wurde auch als Hexenkönig im Bitburger Land beschuldigt.

Für Historiker Boris Fuge sind die Motive für die Vorwürfe gegen Schweisthal eindeutig Neid und Missgunst. Denn der einstige Bürgermeister von Bitburg hatte Kredite vergeben und sich den Hass säumiger Schuldner zugezogen, vor allem den Hass von Gerhard von der Horsts, eines auf Schloss Hamm eingeheirateten Adligen und Gerichtsherren, der seiner Karriere zuliebe keine Mittel scheute. Gegen Schweistal wurden ,Besagungen’ gesammelt, Beschuldigungen, die man 60 anderen Verfolgten kurz vor deren Hinrichtung unter Folter abgepresst hatte. Sie diffamierten ihn als Zauberkönig.

Der Prozess endete 1609 unentschieden, weil Schweisthal eines natürlichen Todes starb“, wie Fuge bei einer Exkursion zum Thema Hexenverfolgung berichtete, die Burkhard Kaufman vom Kreisheimatmuseum organisiert hatte. Andere Quellen gehen davon aus, dass Schweisthal freigesprochen wurde, weil man ihm nichts nachweisen konnte.

Aber auch weniger einflussreiche Menschen landeten auf dem Scheiterhaufen – wie die drei Frauen aus Mötsch, die Adolf Winkler in seinem Film erwähnt. Sie sollen an dieser Stelle nochmals erwähnt werden. Die Mötscherin Katharina Amos starb 1597 an den Folgen der Folter, Maria Schell wurde 1597 auf dem Scheiterhaufen verbrannt und Apollonia Mullner wurde 1598 hingerichtet – unfassbar bis heute.

„Der Hexenwahn ebbte irgendwann ab, die Jesuiten bekamen Zweifel an der Tortur und den Aussagen“, sagt Rita Voltmer im Winkler-Film. Der Jesuit Friedrich Spee (1591-1635) war einer der wenigen, die dieses Treiben anprangerten.

Er sehe in seinen Schriften die Urheber des Hexenwahns im Verfolger-Dreieck von Pöbel, Gerichtsherren, Juristen und einer vierten Gruppe aus Theologen, Pfarrern und Predigern, so Voltmer.

Für den Film „Mythen, Sagen und Geschichten aus dem Eifelkreis“ hat Ludwig Palzer nach Angaben der Historikerin Rita Voltmer eigens eine sogenannte Verbrennungshütte angefertigt, die auch angezündet wurde, nachdem eine Darstellerin die Hütte allerdings wieder verlassen hat.

Wer sich diese Verbrennungshütten einmal anschauen möchte, sollte sich im „Burg- und Hexenmuseum in Grimburg (Verbandsgemeinde Hermeskeil), in der Hauptstraße 16, umschauen.