Die IHK Aachen hat eine Initiative für den A♦1Lückenschluss gegründet.

Infrastrukturentwicklung : Vereint für den Lückenschluss

Die Industrie- und Handelskammer Aachen hat eine Initiative für den A 1-Lückenschluss gegründet. In Nettersheim hat Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Hendrik Wüst über den Stand der Dinge informiert.

Der Weg zum Lückenschluss der bis heute nicht fertig gebauten Autobahn 1 sei mit dem Vorankommen der Echternacher Springprozession vergleichbar, sagt Michael Bayer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen. „Es geht zwei Schritte nach vorne und dann wieder einen zurück. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir uns alle einmal bei der Einweihung der letzten 25 Kilometer Autobahn wiedersehen“, sagt er. In dieser kurzen Feststellung fasst er bereits den Tenor unter den Rednern des A 1-Forums im Nettersheimer Naturzentrum Eifel zusammen, das besonders von Zuversicht und demonstrativer Geschlossenheit geprägt war.

Nur ein paar Gegner des Bauprojekts fanden sich mit Protestplakaten vor Beginn des mittlerweile sechsten A 1-Forums vor der Tür ein. Als Nettersheims Ortsbürgermeister Wilfried Pracht die knapp 100 Besucher begrüßte, war ihr Protest bereits verklungen. Dabei hat die Geschichte des seit den 1980ern geplanten, aber nie so richtig vorankommenden Großbauprojekts genug Potenzial, um selbst die Befürworter zu entzweien. Erst im vorigen Sommer sorgte das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium mit der überraschenden Vorstellung einer optimierten Trassenführung für Verwunderung bei den rheinland-pfälzischen Kollegen (der TV berichtete).

„Aber das ist alles Geschichte. Es geht uns nun allein darum, die Sache endlich voranzubringen und deutlich zu zeigen, dass der Lückenschluss gewünscht und wichtig ist“, sagte Bayer. Zusammen mit den Kollegen der Industrie- und Handelskammern Koblenz und Trier lud man zum mittlerweile sechsten Forum ein. „Wir möchten über den Stand der Dinge informieren und auch zeigen, wie wichtig der Lückenschluss ist“, sagte Bayer.

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Hendrik Wüst erklärte in einer kurzen Ansprache den Vorstoß seines Ministeriums, den Verlauf der Strecke nach dem Machtwechsel in Düsseldorf zu verändern. Ziel des Vorstoßes sei schlicht, möglichst viel Rechtssicherheit zu schaffen und möglichst alle rechtlich anfechtbaren Punkte auszuräumen.

Wo es bisher seiner Meinung nach hakte und wo die Schuldigkeit für das lange Verfahren zu suchen ist, damit hielt der Verkehrsminister nicht hinterm Berg: „Mit dem Planungsrecht ist das ein bisschen wie mit dem Unkraut im Frühjahr, man muss dranbleiben und immer mal wieder dagegen ankämpfen.“ Es gebe in der Beurteilung zu viel Reflexe, wenn man einer Umweltbehörde einen solchen Plan vorlege. „Da ist mir sofort zu viel Ablehnung drin. Man muss das Planungsrecht für eine Beschleunigung etwas grundsätzlicher diskutieren.“

Er wolle das Fass nicht aufmachen, doch wenn demokratisch legitimierte Prozesse so lange dauern wie beim Lückenschluss, weil zwei Behörden unterschiedliche Haltungen haben. „Dann wird irgendwann demokratisch legitimierte Politik in Summe in Frage gestellt.“ Er habe in seiner anderthalbjährigen Amtszeit 16 Spatenstiche gemacht, 14 Projekte davon seien älter als er.

Die Umweltbehörde sei nicht von der alten Trasse zu überzeugen gewesen. „Wir haben heute eine optimierte Trassenführung, die nun aber mitgetragen werde. „Einigkeit unter den Behörden bringt Rechtssicherheit.“ Die aktuelle Planung werde teurer. „Der Bund zuckt da, um mich vorsichtig auszudrücken, nicht mal mit der Wimper, weil er einfach sagt: ‚Mach’ halt fertig.’“

Die optimierte Trasse habe einen großzügigeren Bogen um die Verbreitungsgebiete des Haselhuhns, sagte Thomas Ganz vom Landesbetrieb Straßenbau NRW. Sie sei etwa 700 Meter länger als ursprünglich geplant und weiche 1000 Meter von der ursprünglichen Lage ab. „Wir sind gerade in der Vorplanung und gehen davon aus, den Vorentwurf in zwei bis zweieinhalb Jahren fertig zu haben. Dann kann das Planfeststellungsverfahren kommen“, sagt er.

Von rheinland-pfälzischer Seite aus, gebe es keine Verzögerungen im geplanten Ablauf, sagt Klaus Noll, Referent für Straßenplanung beim Mainzer Verkehrsministerium. Aktuell prüfe man die Einreichungen zu Umweltbedenken. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium hoffe 2021 auf das Baurecht.

Im Rahmen des Forums wurde unter Federführung der IHK Aachen die neue „Initiative A 1-Lückenschluss“ gegründet. Sie soll als zentrale Plattform dienen, um für das Infrastrukturprojekt zu werben.

60 Millionen Euro kostet der neu in die Planungen einbezogene Tunnel. Foto: LBM Trier/www.a1-lueckenschluss.de

Weitere Informationen im Internet unter: www.a1-lueckenschluss.de

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