Die Inventur der Innenstadt

Die Inventur der Innenstadt

Um Bitburgs Innenstadt weiter auf Wachstumskurs zu halten, hat sich die Stadt um die Aufnahme in das Förderprogramm Aktive Stadtzentren des Landes bemüht. Doch bevor Geld für die weitere Sanierung fließt, muss eine vorbereitende Untersuchung erstellt werden, in der Missstände aufgedeckt und gelungene Sanierungsbeispiele abhakt werden.

Bitburg. Verfallene Häuser, marode Straßen, leere Gassen: Das ist das Schreckensbild für jede Innenstadt. Wenn sich erst mal ein leerstehendes Geschäft ans nächste reiht, die Kunden ausbleiben und weitere Läden schließen, steckt eine Stadt längst in einem Teufelskreis, aus dem es nur schwer ein Entkommen gibt. Davon ist Bitburg weit entfernt - auch wenn sich die Quote leerstehender Geschäfte binnen eines Jahres von 4,6 auf acht Prozent erhöht hat. Dieser Trend soll sich nicht fortsetzen, er soll umgekehrt werden. Es geht darum, dass die Innenstadt auch in 20 Jahren noch ein lebenswerter Ort ist. Dafür reichen längst nicht mehr nur schön restaurierte Häuser mit hübschen Fassaden.
Genau diese Erkenntnis ist Kern des Förderprogramms Aktive Stadtzentren des Landes - der Nachfolger der klassischen Stadtsanierung. 2012 wurde Bitburg als vierte Stadt in der Region Trier - nach Prüm, Konz und Wittlich - in das Förderprogramm aufgenommen. Ziel des Landes ist es, Stadtzentren als "attraktive Standorte für Wirtschaft und Kultur sowie als Orte zum Wohnen, Arbeiten und Leben" zu stärken.Alles kommt unter die Lupe


Doch bevor Fördergeld fließt, muss eine vorbereitende Untersuchung gemacht werden, mit der der Stadtrat das Büro Isu beauftragt hat. Es ist eine Art Bestandsaufnahme, in der Missstände aufgezeigt, aber auch bereits behobene Mängel abgehakt werden. Isu-Chef Klaus Zimmermann erklärt den Unterschied zum alten Sanierungsprogramm: "Während es vor 20 Jahren noch darum ging, Ecken zu markieren, wo es keinen Kanal gibt oder wo alte, abrissreife Baracken stehen, geht es bei dem neuen Programm auch um funktionale Missstände wie etwa Parkplatz-Engpässe oder energetische Mängel an Privathäusern."
Mit der Inventur der Innenstadt werden die Stadtplaner im Herbst beginnen. "Wir gucken uns jedes einzelne Gebäude an, Straßen, Plätze, Parkhäuser, Verkehrsführung, Parkplätze, eben alles", sagt Zimmermann. Ein Schwerpunkt der Arbeit wird sein, den Ist-Zustand mit den Unterlagen der einstigen Sanierungsgebiete (siehe Extra) abzugleichen. Zudem werden alle Hauseigentümer im Sanierungsgebiet (siehe Grafik) auch im Rahmen einer Fragebogenaktion angeschrieben, bei der sie Auskunft zu etwaigen Mängeln ihrer Häuser wie etwa eine fehlende Wärmedämmung geben können. Wer sich dann als Privatmann entscheidet, solche Mängel zu beheben, kann dabei auf Zuschüsse von Stadt und Land bauen. Aber auch öffentliche Projekte wie die Gestaltung von Plätzen oder Grünanlagen sind förderfähig.Damit Bitburg auf Kurs bleibt


Auf Basis der Untersuchung wird dann ein Rahmenplan erarbeitet, der festlegt, was konkret an öffentlichen Projekten umgesetzt werden soll. Das Verfahren läuft - ähnlich wie bei einem Bebauungsplan - mit Beteiligung der Öffentlichkeit. Zimmermann sagt: "Für mich geht es im Kern um die Frage, wie Bitburg auch in Zukunft Trier und Wittlich mit einem attraktiven Einzelhandelsangebot in einer funktionierenden, lebendigen Innenstadt Paroli bieten kann und wie sich Rahmenbedingungen schaffen lassen, die eine solche Entwicklung ermöglichen - von der Beseitigung baulicher Mängel bis hin zum Verkehrskonzept samt gut erreichbarer Parkplätze."
Wie das konkret aussehen kann, wird nun erarbeitet - beginnend mit der vorbereitenden Untersuchung, bei der auch die Fußgängerzone unter die Lupe genommen wird. Zu der Hauptflaniermeile sagt Zimmermann: "Wir klagen hier auf hohem Niveau." Aber natürlich gibt es sie, die Stolperfallen im Pflaster, das starke Gefälle, die rostigen Sitzbänke und die teils nur mager bepflanzten Blumenkübel. Auch wenn in Bitburg schon viel passiert ist, es gibt immer noch eine Menge zu tun. Stadtentwicklung ist eine Daueraufgabe.
Lesen Sie hierzu auch das Interview mit Klaus Zimmermann auf Seite 10.Extra

Stadtsanierung: Seit 1980 haben Privatleute in den bisherigen Sanierungsgebieten der Stadt Bitburg rund 25 Millionen Euro in die Verschönerung ihrer Häuser investiert und wurden dabei mit insgesamt 3,5 Millionen Euro von Stadt und Land unterstützt. Zudem hat die Stadt mit Unterstützung des Landes für rund elf Millionen Euro nicht erhaltenswerte Bausubstanz abgerissen sowie Plätze und Straßen neu angelegt. Die alten Sanierungsgebiete gehen größtenteils in dem neuen Untersuchungsgebiet Aktive Stadtzentren auf. scho

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