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Die "Islek Energie" geht an den Start

Die "Islek Energie" geht an den Start

Saubere Energie aus Sonnenstrahlen: Vertreter der Verbandsgemeinde Arzfeld und der Ortsgemeinden haben die "Islek Energie" gegründet. Aufgabe der Anstalt öffentlichen Rechts (AöR): Regenerative Energie-Anlagen auf kommunalen Gebäuden und Flächen zu errichten und zu betreiben (der TV berichtete).

 Gut gelaunte Gründer: Die Vertreter der „Islek Energie“ vor dem Bauhof in Arzfeld – dort wird bereits eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach angebracht. TV-Foto: Fritz-Peter Linden
Gut gelaunte Gründer: Die Vertreter der „Islek Energie“ vor dem Bauhof in Arzfeld – dort wird bereits eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach angebracht. TV-Foto: Fritz-Peter Linden

Arzfeld. Die "Islek Energie AöR" ist gegründet, als erster kommunaler Zusammenschluss zur Erzeugung von Strom aus Sonnenkraft in der Region Trier. Am Dienstag versammelte sich der Verwaltungsrat mit Vertretern aus Ortsgemeinden und der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld zur konstituierenden Sitzung - und nahm gleich die Arbeit auf, denn es gab bereits einige Entscheidungen zu treffen. Mit der Sonne zapfe man eine zukunftsweisende Energiequelle an, sagte Bürgermeister Andreas Kruppert (CDU) - und zwar gemeinsam: "Wir braten nicht jedem seine eigene Wurst, wir machen das zusammen." Kruppert gab sich überzeugt, dass man damit anderen beispielhaft vorangehe.
Die ersten Anlagen liefern bereits Strom, der ins Netz des Versorgers RWE eingespeist wird - und den Gemeinden Geld bringt. Dazu zählen das Feuerwehrgerätehaus in Waxweiler, das Mehrzweckgebäude in Reiff und die Kläranlage Primmerbach. Weitere sollen bis zum 30. Juni am Netz sein, so lange gilt noch die Einspeisevergütung von 28,74 Cent für eine Kilowattstunde, danach geht die Vergütung um bis zu 15 Prozent zurück. Im Bau sind unter anderem Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach des VG-Bauhofs in Arzfeld, auf der Turnhalle in Waxweiler und in weiteren Gemeinden. Mit der von ihnen erzeugten Leistung, sagte Kruppert, "können wir 60 Privathaushalte autark mit Strom versorgen".
Für Franz-Josef Antony, Ortsbürgermeister von Lambertsberg, ist die Gründung der AöR ein richtiger Schritt: "Ein gutes Projekt - um die Fesseln der Kommunalaufsicht zu lockern", sagt er und lacht.
Dennoch werden nicht alle Vorhaben sofort zu verwirklichen sein: Die Anlagenbauer seien derzeit mit Aufträgen ausgelastet, sagte Kruppert. Außerdem kann nicht auf allen Flächen wirtschaftlich operiert werden: So seien manche Dächer nicht geeignet, weil Ausrichtung und Neigungsgrad vom Ideal abweichen, sagte Klaus Theis von der VG. "Dann haben Sie weniger Einspeisungswerte."
Anders sieht das mit dem Vorhaben der Ortsgemeinde Arzfeld aus, über das der Verwaltungsrat am Dienstag entschied: Die Gemeinde will für 3,15 Millionen Euro beim Sportplatz eine Freiflächen-Anlage errichten, die Kommunalaufsicht hatte jedoch Bedenken gegen das vorgesehene Stiftungsmodell zur Finanzierung (der TV berichtete).
Nun soll die "Islek Energie" das Projekt federführend übernehmen. Dazu wiederum muss jedoch die Kreditanstalt für Wiederaufbau eine Ausnahme in ihren Förderrichtlinien zulassen: Bislang ist dort die Unterstützung von Anstalten öffentlichen Rechts nicht vorgesehen. Sollte die KfW zustimmen, würde sie die Hälfte der Investitionssumme mit einem zinsgünstigen Kredit finanzieren. Andernfalls würde die Ortsgemeinde ein zinsgünstiges Darlehen aufnehmen und an die AöR weitergeben. Diese würde sich wiederum gegenüber der Ortsgemeinde verpflichten, den Schuldendienst zu übernehmen. Diese Variante muss allerdings noch vom Ortsgemeinderat Arzfeld in der kommenden Woche beschlossen werden.
Die Anlage soll, so die Prognose, pro Jahr fast ein Zehntel ihrer Kosten einspielen. Das Geld wird jedoch nicht komplett ins Gemeindesäckel wandern, sondern unter anderem für die Rückzahlung des Kredits und der Unterhaltung verwendet. Arzfelds Ortsbürgermeister Alfons Kockelmann hofft sehr darauf, dass das Vorhaben verwirklicht werden kann: "Nach vier oder fünf Jahren kommt man bereits in die Phase, in der man schwarze Zahlen schreibt. Und das steigert sich dann sehr schnell."Anstalten öffentlichen Rechts (AöR) werden von Verwaltungen oder Kommunen eingerichtet. Sie erfüllen Aufgaben für öffentliche Zwecke und bündeln dafür Personal und Sachmittel wie Gebäude, Anlagen und Fahrzeuge in einer Organisation. Anders als zum Beispiel Verbandsgemeindewerke können sie rechtlich selbstständig sein, allerdings bleiben sie dabei unter öffentlichem Einfluss. ch/fpl Vorstandsvorsitzender der "Islek Energie" wurde Herbert Gierenz, der Leiter der VG-Werke. Bürgermeister An dreas Kruppert ist der Vorsitzende des Verwaltungsrats. Zum Verwaltungsrat gehören außerdem die Ortsbürgermeister aus den Gemeinden, in denen bereits Anlagen laufen, gebaut werden oder in absehbarer Zeit errichtet werden sollen: Alfons Kockelmann (Arzfeld), Peter Philippe (Dahnen), Irene Alff (Hargarten), Nikolaus Arens (Harspelt), Norbert Tautges (Kesfeld), Franz-Josef Antony (Lambertsberg), Peter Lauer (Lünebach), Walter Fuchs (Mauel), Matthias Schares (Niederpierscheid), Johann Heltemes (Plütscheid) und Thomas Müller (Reiff). fpl