Die Koxhausener sind stolz auf ihren Felix

Die Koxhausener sind stolz auf ihren Felix

KOXHAUSEN/BITBURG. (red) In unserer Serie "Dorfgeschichte" berichtet TV-Leser Albert Borrelbach aus Koxhausen über den Mundartdichter Dr. Felix Kandels.

Sein 85. Lebensjahr vollendet er an Heiligabend in diesem Jahr, üblicherweise lädt er dann einige Wochen später zum Mitfeiern ein und liebt ein bisschen Latein unter der Kürzel "septendecim lustrorum", was so viel heißt wie " nun hast du sie, die 17 Fünferbündel". Die Rede ist von Dr. Felix Kandels , aus Koxhausen im vorderen Islek stammend. Sein Elternhaus liegt an der Burgstraße im Höhendorf, ein paar Meter hatte Felix bis zur Schule und zur Kirche, bis zu den Bächen im Talgrund, bis zu den Wiesenhängen und Wäldern, bis zu den Äckern auf den Kuppen. Dort hat er seine Wurzeln, und in seinen rund 250 Mundartgedichten in den Bändern "Wäß de nooch?", "Enar ies gesot","Vu miar ous gesehn" und vor allem im Kurzkrimi "Der Spionage verdächtig" findet die Koxhausener Welt mal direkt, mal beherzt, dann feinfühlend, sorgfältig und schon mal kritisch ihren Niederschlag. Prägend ist die Kindheit, ebenso seine Schulzeit später im Prümer Gymnasium bis zum Abitur, besonders aber dann "die volle Wahrheit einer menschenverachtenden Ideologie" mit Wehrdienst als Funker im Panzer und als Sanitäter in Front und Lazarett. Die Irrungen und Wirren jener leidvollen Jahre haben ihn im Studium zu Bonn und danach als Leiter der chirurgischen Abteilung im Clemens-August-Krankenhaus zu Bitburg in mehr als 30 Jahren in die Verantwortung genommen. Die Wesensart der Eifeler hat ihn beobachten und schreiben lassen. Alle hören ihm zu, wenn er von früher erzählt. Einfache Dinge und Sachverhalte werden dynamisiert, erhalten Konturen und Relief. In fein gesetzten Versen, in Wortwahl und Rhythmik gereift, schildert Felix Kandels das, was Ereignischarakter birgt. Dörfliche Idylle wechselt mit Turbulenzen, Konflikte türmen sich und lösen sich auf, Hoffnung und Freude mischen sich ein und Vertrauen in die Menschen wird stark. Sein "Füllhalter" in Mundart sollte stellvertretend für so manchen Lebenslauf stehen; der Füller ist Begleiter, Fragesteller, Antwortgeber. Immer Zeit für ein Schwätzchen

Wenn der Chefarzt in Bitburg zur Visite unterwegs war, konnte er schon mal die Uhr und das Abendessen vergessen. Wenn dann auch noch ein Koxhausener auf Station war, verzögerte sich der Rundgang beträchtlich. Dr. Felix Kandels hat sein Domizil in der Bergstraße zu Bitburg, im Sommer weicht er schon mal nach Weilerbach an der Sauer aus. Gartenarbeit ist sein Metier. Er freut sich auch heute noch, wenn Agnes, Maria, Peter, Albert und Leo - seine Geschwister - vorbei schauen und der Arbeit des Chirurgen Lob zollen. Aber auch so manches Schwätzchen mit Passanten ist von Vornherein eingeplant. Die Leute im Dorf und auch in Berscheid, Hütten, Herbstmühle und Nasingen freuen sich über sein häufiges Kommen, haben 1983 bestürzt reagiert und tief getrauert, als seine Dr. Thea Kandels während eines Aufenthalts in Bayern verunglückte und an den Folgen eines Sturzes starb. Viele Lehrer und Kinder ärztlich betreut

Fragen der Erziehung beschäftigen ihn und lassen ihn Leserbriefe schreiben. Der Doktor weiß um die Erschwernisse, kennt die Defizite und die Strömungen, zu viele Lehrer, Eltern und Kinder hat er ärztlich betreut und getröstet. Er plädiert leidenschaftlich für ein Miteinander. Ein Patentrezept hat er nicht, wohl aber einen Leitsatz mit Ausstrahlung auf alle Partner im Auftrag der Erziehung: Achtung der Schülerpersönlichkeit. Felix Kandels ist gern dabei, wenn Heiteres, Humorvolles, Uriges und Komisches in Worte gefasst werden, wenn Verzählchens gefragt sind. Da klammert er jene schreckliche Zeit von 1939 bis 1945 nicht aus. Er hat es aufgearbeitet, sicherlich aus einem Bedürfnis heraus. Wir Koxhausener sind sicher: Die Verbundenheit zu Dr. Felix Kandels ist bleibend. So warten wir auch dieses Jahr auf eine Portion Erdbeeren mit Sahne, wahlweise Sellerie mit Radieschen. Bei der Gartenparty mit dabei: Tochter Marie-Therese und Sohn Hubert mit Familien; den mittlerweile groß gewordenen Enkeln hat er Gedichte "an Hudeijtsch" gewidmet; sie hatten eine Zeitlang die Sprache ihres Opas als Fremdsprache bezeichnet - sind aber dann neugierig geworden und haben den liebevollen Nachhilfeunterricht genossen.

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