Umwelt : Die Kröten in der Eifel sind los

Die Amphibien wandern wieder, auch in der Eifel. Der Landesbetrieb Mobilität und Naturschützer empfehlen, langsam zu fahren.

Graue Wolken wabern am Himmel und speien Regen auf die Eifel. In den Schlaglöchern bilden sich Pfützen, der Boden: matschig. Das Thermometer zeigt sieben Grad. Kurz gesagt: Sauwetter. Oder anders ausgedrückt: Krötenwetter. Denn nach dem Winter warten die Amphibien genau auf solche Verhältnisse, um sich zu ihren Laichgebieten aufzumachen. Kröten, Frösche und Molche erwachen aus ihrer Starre und machen sich auf einen nicht selten tödlichen Weg zum Gewässer ihrer Geburt. Dabei hilft ihnen eine Art biologisches Navigationssystem im Gehirn. Das Problem: Der Weg führt in der Regel querfeldein durch Wiesen, Wälder und über Straßen. Oft endet die Wanderung der Tiere daher unter Autoreifen. Weil die Amphibien klein und unscheinbar sind, bekommen die Fahrer davon häufig nicht einmal etwas mit. Auch auf den Eifeler Straßen herrscht derzeit wieder das große Krabbeln. „Überall dort, wo Stillgewässer im unmittelbaren Umfeld der Straße liegen, können Amphibienwanderungen stattfinden“, sagt Birgit Blosat vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Gerolstein. Und das sind in der Eifel eine ganze Menge. Eine Liste aller Strecken, die von Kröten, Fröschen und Molchen gekreuzt werden, kann sie daher nicht liefern. Einige Orte, an denen die Wirbeltiere im Frühjahr regelmäßig zu Tode kommen, sind aber bekannt: Da wären zum Beispiel die Kreisstraßen 1 und 3 bei Kruchten (VG Südeifel), wo bald ein Krötentunnel gebaut wird (der TV berichtete). Aber auch die Landesstraße 3 zwischen Nusbaum und Bollendorf (ebenfalls Südeifel), die wegen der Wanderung noch bis zum 7. April gesperrt bleibt. Auch im Prümtal, etwa zwischen Irrel und Peffingen, hat Michael Hahn Erdkröten und Grasfrösche gesehen. „Die beiden Gattungen kämen in der Region am häufigsten vor, sind aber geschützte Arten“, erklärt der Vorsitzende des Naturschutzbundes (NABU) Südeifel.

Berg- und Fadenmolche seien in der Eifel ebenfalls auf Wanderschaft: „Die fallen aber nicht so auf, weil sie viel kleiner sind und eher dunkle Haut haben.“ Auch die Geburtshelferkröte ist nicht gerade farbenfroh. Das seltene Tier lebt bei Kruchten – daher der geplante Tunnel. Aber auch in der Vulkaneifel wird gewandert: so etwa auf der K 22 zwischen Schönbach und Utzerath (VG Daun) und auf der L 101 zwischen Hörschhausen und Berenbach (VG Kelberg). Im Wittlicher Land ist die Liste der Laichrouten länger. Aufpassen müssen Autofahrer unter anderem auf der L 60 und K 13 zwischen Landscheid und Gut Heeg, auf der K 37 zwischen Bruch und Gladbach, der K 42 zwischen Dodenburg und Gladbach sowie auf der L 34 zwischen Eisenschmitt und Eichelhütte. Auf der L 46 bei Naurath (Kreis Trier-Saarburg) ist ebenfalls mit Kröten zu rechnen. Und das sind bei weitem noch nicht alle Stellen, auf denen es für glitschige Vierbeiner gefährlich wird.

Was man als Autofahrer tun kann? „Wer auf bestimmten Strecken maximal 30 Kilometer pro Stunde fährt, kann manches Tierleben retten“, sagt Blosat vom LBM: Autofahrer müssten aber selbst entscheiden, ob eine Drosselung der Geschwindigkeit im Verkehr vertretbar ist. Ganze Strecken zu Tempo-30-Zonen zu erklären, hält die Straßenplanerin aber nicht für sinnvoll: „Eine solche Beschränkung ist an vielen Stellen nicht einzuhalten und kann zur Verkehrsgefährdung führen.“ Aber nur bei Geschwindigkeiten unter 30 Kilometern pro Stunde hätten Frösche und Kröten überhaupt eine Chance. Das sagt auch Michael Hahn vom NABU. Selbst wer in guter Absicht die Tiere zwischen die Räder nehme, töte sie meist: „Die Amphibien werden dann zwar nicht überrollt. Sterben aber trotzdem, weil sich in ihren Organen Unterdruck aufbaut.“ Das einzige was hilft, ist also: Augen auf und runter vom Gas.

Was man sonst noch tun kann? Den Kröten selbst auf die Sprünge helfen. Jahrelang haben Naturschützer Zäune aufgestellt, an denen die Kröten entlangliefen. Schließlich plumpsten sie dann in einen Eimer und konnten von den Helfern über die Straße getragen werden. Doch heute veranstaltet der NABU Südeifel solche Aktionen nicht mehr. „Wir haben einerseits nicht mehr genug Aktive und andererseits ist das Krötensammeln an den vielbefahrenen Straßen gefährlich“, sagt Hahn.

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