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Die Kühe und die Mühe in Niehl

Umwelt : Die Kühe und die Mühe in Niehl

Ein niederländischer Investor plant im Südeifel-Ort Niehl einen gewaltigen Kuh-Stall. Bei einer ersten Abstimmung sprach sich der Gemeinderat gegen das Projekt aus. Nun haben sich die Befürworter durchgesetzt – wenn auch knapp.

Viel wusste Oswald Dichter im Sommer noch nicht über den geplanten Riesenstall in seiner Gemeinde. Doch eines war dem Ortsbürgermeister von Niehl damals klar: „Egal wie wir uns entscheiden. Wir werden den Betrieb nicht aufhalten können.“ Diesen Satz sagte er während der Gemeinderatssitzung im Juni. Und er wiederholt ihn auf Anfrage des TV. Denn bei der Ansiedlung von Landwirtschaft hat der Dorfrat nur beratende Funktion. Die Entscheidung trifft die Kreisverwaltung.

Trotzdem hatte der Gemeinderat des 70-Seelen-Ortes seinerzeit gegen die geplante Anlage ausgesprochen (der TV berichtete). Es ging knapp aus. Vier von sieben Mitgliedern stimmten gegen das Vorhaben eines niederländischen Investors. Ein halbes Jahr später ging es wieder vier zu drei aus. Nur hat sich offenbar ein Niehler umentschieden. Mit knapper Mehrheit segnete das Dorfgremium das Projekt ab.

Dem Holländer schwebt vor, in der Südeifel-Gemeinde einen Stall zu errichten, der Platz  für 550 Kühe bietet. Hinzukommen sollen Kälber. Für eine kleine Kommune wie Niehl wäre das ein Stall mit enormen Ausmaßen.

Einige Anwohner sahen die Bauvoranfrage deshalb kritisch. Sie befürchteten, dass die vielen Tiere für Lärm und Gestank sorgen. Und, dass der Verkehr in der beschaulichen Ortschaft zunehmen könnte. Derzeit holpern täglich eine Handvoll Traktoren und Autos vorbei. Zukünftig, so die Angst, könnten Lastwagen hinzukommen, die etwa Futter zum Stall transportieren. Kurzum: Die Niehler sahen ihre Dorfidylle in Gefahr.

Diese Bedenken haben die Bürger in der Gemeinderatssitzung im Sommer vorgetragen. Im Winter sei hingegen kaum ein Bürger im Gemeindehaus erschienen, sagt Dorfchef Dichter: „Das verlief alles unkritisch.“ Doch warum hat der Dorfrat überhaupt zweimal über den Stall abgestimmt? Dazu hatte die Kreisverwaltung aufgerufen, sagt Dichter. Denn inzwischen hatte es neue Informationen über das Projekt gegeben. Noch immer liegen zwar laut Verwaltung nicht alle Unterlagen und Gutachten vor. Doch offenbar genug, um sich ein Bild zu machen.

Und was steht drin? Die Kreisverwaltung will auf TV-Anfrage nichts verraten: Es handle sich um ein laufendes Bauverfahren. Der Ortsbürgermeitser meint: „Wenn der Stall so kommt, wie er auf der Skizze aussieht, hat das Hand und Fuß.“ Auch der Investor macht auf Dichter einen „manierlichen Eindruck“. Der Niederländer hatte die Niehler vor Monaten im Gemeinderat besucht.

„Wie der Stall dann in Wirklichkeit aussieht, wird sich erst zeigen, wenn es soweit ist“, sagt Dichter. Ein genaues Datum für den Baubeginn kennen weder er noch die Kreisverwaltung. Auf Anfrage bei der Behörde heißt es nur: „Sobald alle Unterlagen vorgelegt werden und den Vorgaben entsprechen, kann die Genehmigung erteilt werden. Dies kann auch noch in diesem Jahr sein.“