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Die kurze Geschichte eines jüdischen Gotteshauses in der Eifel

Ein Ort und seine Geschichte: Synagoge von Kyllburg : Die kurze Geschichte eines Gotteshauses

Die Kyllburger Synagoge steht nur 26 Jahre. 1912 am Annenberg errichtet, brennen die Nazis sie 1938 nieder. Heute erinnert nur eine Gedenktafel an das jüdische Gebetshaus im Eifelort.

Ein Gedenkstein steht am Straßenrand. Verwittert von 32 Jahren Wind und Wetter und überwuchert von Flechten, ist die Inschrift kaum noch zu entziffern. Die Worte und der eingravierte Davidstern erinnern hier seit 1988 an die Gräuel des Nationalsozialismus. Und an die sehr kurze, aber tragische Geschichte eines Gotteshauses.

Dabei beginnt sie so hoffnungsvoll mit einer außergewöhnlichen Spende. Denn es ist 1900 ein Katholik, der den Bau der Synagoge ermöglicht. Die Meldung, dass der Kyllburger Christ Jacob Schweitzer seinen Besitz im Wert von 50 000 Mark der jüdischen Gemeinde vermacht, schafft es sogar in die Schweizer Presse.

Elf Jahre darauf ist Baubeginn, 1912 wird das achteckige Gotteshaus eingeweiht. Anlässlich des Festes schreibt Pfarrer Josef Rödder: „Im Jahre 1912 erhielt Kyllburg auch eine Synagoge; sie wurde erbaut gleich oberhalb des Friedhofs, etwas schräg unter der protestantischen Kirche, sodass am Meiselter-Berg jetzt katholische, evangelische und jüdische Kirche friedlich in nächster Nähe beieinander und alle zusammen unter dem Schutz der Mariensäule stehen.“

Immerhin rund 50 Juden wohnen in den 30ern in Kyllburg und prägen das Stadtleben mit. Doch dieses „friedliche Beieinander“ sollte nicht von langer Dauer sein. Nach der Machtergreifung kippt die Stimmung auch in der Eifel. Bald müssen Juden neue Konzessionen für ihre Geschäfte beantragen und ihre Läden letztlich schließen.

 Kaum noch zu entziffern: Der Gedenkstein am Annenberg ist stark verwittert. Gegenüber soll einmal die Synagoge gestanden haben.
Kaum noch zu entziffern: Der Gedenkstein am Annenberg ist stark verwittert. Gegenüber soll einmal die Synagoge gestanden haben. Foto: TV/Christian Altmayer

An den Ortseingängen von umliegenden Dörfern tauchen Schilder mit Aufschriften wie „Juden unerwünscht!“ oder „Zutritt für Juden auf eigene Gefahr!“ auf. Der vorläufige, traurige Höhepunkt der Hetze und Schikane ist aber die Reichspogromnacht 1938.

Dazu gibt eine Legende in Kyllburg: Während die Nationalsozialisten am 9. November 1938 in ganz Deutschland loszogen, um jüdische Geschäfte und Synagogen zu verwüsten, sei dies in der Stadt erst tags darauf passiert. Als SS-Männer von Trier über Bitburg gen Waldeifel marschierten. Denn in der „Reichspogromnacht“ habe sich kein Bürger gefunden, den jüdischen Friedhof zu schänden und die Synagoge anzuzünden.

Die kurze Geschichte eines jüdischen Gotteshauses in der Eifel
Foto: TV/Johannes Schramm

Klar ist heute nur, dass sie in jenen Tagen abbrennt. Und danach eine Spottprozession durch die Stadt zieht. Wer die Synagoge angesteckt hat und ob dies nun am 9. oder 10. November geschah, bleibt ungeklärt. Historiker aber ziehen die Kyllburger Erzählung in Zweifel. Wahrscheinlicher sei, so Geschichtskundige, dass es sich um eine Schutzbehauptung handelte, die von der Mitschuld der Eifeler ablenken sollte. Und sie wurde so lange weitererzählt, bis sich niemand mehr daran erinnern konnte, was sich wirklich zutrug. Was hingegen überliefert ist: Als in Kyllburg die Deportationen beginnen, sind die meisten Juden bereits nach Südamerika oder in die USA geflüchtet. 1942 werden die fünf Verbliebenen verschleppt. Sie sterben im Ghetto oder werden im Vernichtungslager Treblinka ermordet (Info). Viele Spuren dieser Schicksale gibt es in der Waldeifel nicht mehr. Seit 2017 erinnern Stolpersteine in der Bahnhofstraße und der Malberger Schlossstraße an ihre Schicksale. Und jener unscheinbare Gedenkstein am Südhang des Annenbergs.