Die lange Durststrecke: Eifeler Flüsse bleiben trocken

Eifeler Flüsse bleiben trocken : Die lange Durststrecke

Die anhaltende Trockenheit setzt Gewässern zu. Wenn das so bleibt, erwarten Experten Tiefstwerte. Schlimmer machen es Menschen, die Wasser aus Flüssen und Bächen abpumpen.

Tote Forellen treiben im Wasser. Die Fische liegen auf der Seite, Augen und Mund aufgerissen. Als hätten sie versucht, nach Luft zu schnappen. Doch es half nichts. Sie sind erstickt. Normalerweise bietet der Frohnbach bei Burgen (VG Bernkastel-Kues) den Schuppentieren genug Platz und Sauerstoff. Doch Ende Juli hat jemand ihn für zwei Nächte mit einer Pumpe trockengelegt.

Die Tat machte Schlagzeilen, weil sie verheerende Folgen hatte (der TV berichtete). Sie ist aber kein Einzelfall, sagt der Eifeler Fischereiberater Herbert Schneider: „Es gibt jedes Jahr Zeitgenossen, die Gewässer illegal anpumpen, um ihre Zisterne zu füllen, den Garten zu gießen oder ihren Fischweiher aufzufüllen.“ 2019 sei ihm zwar bislang kein Vorfall gemeldet worden: „Es fällt aber leider auch zu selten auf, wenn Menschen sich an den Gewässenr bedienen.“

In den zurzeit ausgedörrten Bächen und Flüssen könne dies aber zum Tod Hunderter Lebewesen führen. Zudem ist es gesetzlich verboten im großen Stil Wasser zu entnehmen. In trockenen Sommern darf man nicht mal mit Gießkanne oder Eimer Wasser abschöpfen.

„Alarmierend“ sei derzeit der Pegelstand der Prüm, sagt Schneider. Bei der Messstation in Wiersdorf wurden im Juli und August Werte zwischen 15 und 25 Zentimetern gemessen. Der Wasserstand steht damit fast so niedrig wie im Rekordsommer 2018. Eine Sprecherin der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord hält es gar für wahrscheinlich, dass sich bei anhaltender Trockenheit neue Tiefstwerte einstellen.

Für Herbert Schneider ist das alles andere als beruhigend: Ein Fischsterben im Eifelkreis habe es zwar bislang nicht gegeben, „das ist aber jederzeit möglich.“ Dass es in der Region wieder feuchter wird, glaubt der Fischereiberater ferner nicht: „Durch den Klimawandel werden solche Zustände eher zur Normalität.“ Kritisch werde es dadurch vor allem für Forellen und andere Lachsfische. Denn die brauchen viel Sauerstoff. Bei fallenden Pegelständen bleibt ihnen irgendwann die Luft weg.

Ganz so dramatisch wie in der Prüm ist die Lage in anderen Eifeler Gewässern indes noch nicht. Das belegen Daten des rheinland-pfälzischen Landesamtes für Vermessung und Geobasisinformationen. Demnach ist die Kyll bei Densborn derzeit 54 Zentimeter hoch, die Sauer bei Bollendorf 66 Zentimeter und die Nims bei Seffern 23 Zentimeter. Die Wasserstände entsprechen damit etwa den Werten aus den vergangenen zwei Jahren.

Allerdings sind die Pegel schon seit 2016 niedrig, wie es von der SGD-Nord heißt. Denn Kyll, Nims und Sauer hätten sich noch immer nicht vom extremen Trockenwinter 2016/2017 erholt.

Das Grundwasser füllt sich ja fast ausschließlich in den kalten Monaten auf, weil der Niederschlag in dieser Zeit nicht verdunstet oder von Pflanzen aufgenommen wird. 2016 haben sich diese Reserven aber kaum regeneriert, weil nur wenig Regen fiel. Und die darauffolgenden Jahre waren niederschlagstechnisch eher durchschnittlich. Sodass die Grundwasserstände und dadurch auch die Fließgewässer nach wie vor niedrig stehen.Heiße Sommer verschärfen diese Situation lediglich – so wie das derzeit der Fall ist.

Wenn in dieser angespannten Lage noch Wasser abgepumpt wird, ist das, so Schneider, „eine Katastrophe“: „Ich habe keinerlei Verständis dafür, wenn Menschen ihren Garten wichtiger nehmen als ein natürliches Biotop.“

Mehr von Volksfreund