Die Leiden des jungen K.

Wenn sich die Fraktionssprecher des Kreistags Bitburg-Prüm am Freitag einfach nur angeschwiegen hätten, wäre es auch gut gewesen. Allzu viel haben sie sich ohnehin nicht mehr zu sagen. Worüber sollen sie sich denn auch noch streiten, wenn nichts mehr da ist, über das es sich zu streiten lohnt?

So hatten sie am Ende eigentlich alle Recht: der Landrat, der nicht nur den schwachen Dollar beklagt, sondern sich sogar dazu bemüßigt fühlt, Goethe zu zitieren ("Wir wollen alle Tage sparen und brauchen alle Tage mehr"); Patrick Schnieder, der die letzten Perspektiven schwinden sieht; Bernd Spindler, der gesteht, dass sich in den vergangenen Jahren keine Regierung mit Ruhm bekleckert hat, und Marzellus Boos, der vom finanziellen Raubbau zu Lasten der nachfolgenden Generation spricht. Die Leiden des jungen Kreistags - um sinnbildlich bei Goethe zu verweilen - sind zwar ausgeprägt, sie versprechen jedoch gottlob keine selbstmörderischen Absichten. Was da am Freitag noch blieb, waren einige fast freundschaftliche Geplänkel zu Themen wie Kreisarchiv, Umlagenerhöhung, Zweckverbände, Finanzausgleich und Kindergartenbeiträge. Nur zu gut wissen alle, dass der Bitburg-Prümer Haushalt die Schwelle des Lebens von der Hand in den Mund längst unterschritten hat. Ebenso müßig wie verzweifelt es ist, die Weisheit Goethes ins Feld zu führen, wäre, den endgültigen Abgesang zu intonieren, worauf die Fraktionschefs erfreulicher Weise verzichteten. Das allgemeine Gejammere spielt sich in unserem Land nämlich immer noch auf erstaunlich hohem Niveau ab. Eine tief greifende Änderung - das Scheitern der Föderalismus-Kommission ist dafür ein hervorragendes Beispiel - wird sich ohnehin erst dann einstellen, wenn der Karren endgültig vor die Wand gesetzt ist. Doch so weit ist es offensichtlich noch nicht. Anders gesagt: Noch ist nicht über allen Gipfeln Ruh‘. m.reuter@volksfreund.de