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Die letzte Station soll eine gute sein

Die letzte Station soll eine gute sein

Das St.-Joseph-Krankenhaus Prüm erinnert kommende Woche an die Gründung seiner Palliativstation vor fünf Jahren. Damals ahnten die Verantwortlichen nicht, wie viele Menschen das Angebot annehmen würden.

"Wir können hier in Prüm froh sein, dass wir die Station haben. Das ist phantastisch, was die da leisten", sagt Julia Peter. Vor zweieinhalb Jahren starb ihr Bruder Johannes Orthen, der auf der Palliativstation des St.-Joseph-Krankenhauses gepflegt und behandelt wurde. Seitdem spendet die Prümer Wirtin immer wieder Geld für die Station. Auch nach der jüngsten Projektfete, dem Rockkonzert, das sie immer im Dezember organisiert - wie es früher ihr Bruder gemacht hat.Ein Mantel für die Seele


Seit fünf Jahren bietet das Krankenhaus Prüm sterbenden Menschen und ihren Familien die Möglichkeit, sich von Ärzten und Pflegekräften betreuen zu lassen, durchgehend auf der Station oder mit Unterbrechungen, wenn die Patienten zwischendurch nach Hause wollen oder können.
Der Begriff leitet sich vom Lateinischen "palliare" her - "den Mantel um jemanden legen". Dabei geht es nicht mehr um Heilung - sondern darum, Schmerzen und andere Symptome beim Patienten zu lindern, ihn seelisch, medizinisch, psychologisch auf dem letzten Stück zu betreuen, ihn zu "ummanteln" eben. Es geht darum, Leiden zu verringern, wo man nur kann.

Mit einem Zimmer fingen die Prümer an, Ende 2010 wurden die ersten Patienten aufgenommen. "Damals konnte niemand sagen, wie das weitergeht", sagt Ursula Hansen, Vorsitzende des Krankenhaus-Fördervereins. Aber nach zögerlichem Beginn kamen immer mehr Patienten - so dass man heute eine ganze Station hat, mit vier wohnlich eingerichteten Räumen und besonderer Ausstattung, alles über den Verein und Spenden finanziert, genauso wie Fortbildungen für die Pflegenden. Gerade das freut die Vorsitzende: Wie positiv das - zudem wohnortnahe - Angebot aufgenommen werde: "Das schlägt sich auch darin nieder, dass es eine große Spendenbereitschaft gibt." Das seien einzelne Bürger, dankbare Angehörige von Patienten, aber auch viele Vereine und andere Gruppierungen. Immerhin seien ja gerade die zunächst damit befasst, den eigenen, ehrenamtlichen Betrieb am Laufen zu halten - dass von dort so viel Unterstützung komme, sei nicht selbstverständlich.

Die Betreuung geschieht in enger Abstimmung mit den Hausärzten und den Familien. Man sei stolz darauf, in den fünf Jahren die Palliativmedizin im Krankenhaus etabliert zu haben "und ein engagiertes, erfahrenes Behandlungsteam zu bilden", sagt Thomas Erb, Chef der Anästhesie und Facharzt für Anästhesiologie und Notfallmedizin im Krankenhaus.
Ist es ein schwerer Dienst auf der Station? " Es ist ein sehr wertvoller Dienst", sagt Marita Laures, seit 1979 Krankenschwester. "Es ist eine gute, tolle, würdevolle Arbeit. Man bekommt eine ganz andere Einstellungg zum Alltäglichen."

Aktuell, sagt der kaufmännische Direktor Uwe Szymanski, habe man neun Voll- und Teilzeitkräfte auf der Station eingesetzt, darunter auch Bettina Dunkel, Fachärztin für Innere und Palliativmedizin.

Der Krankenhaus-Chef kam im Juli 2013 nach Prüm, von einem Hospital in Krefeld: "Ich habe am Niederrhein viel über Palliativmedizin gehört", sagt Szymanski - aber eben nur in der Theorie. Deshalb sei er bei seinem Antritt "sehr überrascht und freudig angetan" gewesen, dass es in der Abteistadt diese Art der Betreuung gebe. Er habe es auch, ehrlich gesagt, "nicht erwartet, in so einem kleinen Haus ein Angebot zu haben, das den Menschen die verbleibende Zeit so angenehm wie möglich macht".

Die Station sei nahezu durchgehend belegt, sagt Szymanski. Eine Vergrößerung sei, obwohl man schon nicht mehr alle Nachfragen auffangen könne, nicht vorgesehen: "Es soll nicht wie am Fließband gehen. Daher haben wir uns da selber reglementiert."

Palliativmedizin: "Vor fünf Jahren", sagt Ursula Hansen, selbst Ärztin, "hat sich darunter noch niemand etwas vorstellen können. Das hat sich geändert."Meinung

Hilfe, Heimat und Würde
Wenn uns nichts mehr bleibt, als zu sterben - dann nähmen wir vermutlich alle am liebsten die Variante "sanft einschlafen". Der Wunsch wird aber vielen von uns nicht erfüllt. Ihr Sterben ist ein schwerer, schmerzhafter Kampf. Auch für die Angehörigen, die ihnen dabei zur Seite stehen. Das Krankenhaus Prüm hat vor fünf Jahren ein Angebot geschaffen, das immer wichtiger wird und den Patienten auf den letzten Lebensmetern Hilfe, Heimat und Würde gewährt. Eine Pionierleistung, für die man allen Beteiligten danken muss - und auch den vielen, die dafür Geld hergeben. f.linden@volksfreund.deExtra

Die letzte Station soll eine gute sein
Foto: (e_pruem )

Das Krankenhaus lädt nächste Woche zu den sogenannten Palliativtagen ein. Beginn ist am Montag, 25. Januar, 16.30 Uhr, mit einem Gottesdienst in der Kapelle. Um 17.30 Uhr beginnt eine Erinnerungsfeier mit Musik in der Cafeteria. Am Dienstag, 26. Januar, sind von 14 Uhr an im Schulungsraum Vorträge und Gespräche für Mitarbeiter und Fachpublikum zum Thema "Die Wirkung von Palliativpflege und Palliativmedizin". Am Mittwoch, 27. Januar, 17.30 Uhr, wird im Prümer Konvikt das Zwei-Personen-Theaterstück "Tot aber glücklich - der Sinn des Lebens" aufgeführt. Anschließend Austausch, Vorträge und weitere Informationen zum Thema Palliativpflege und -medizin. fpl