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Die letzten sechs Kilometer sind gerettet - Netzbetreiber investiert vier Millionen Euro in Bahnstrecke bei Erdorf

Die letzten sechs Kilometer sind gerettet - Netzbetreiber investiert vier Millionen Euro in Bahnstrecke bei Erdorf

Von der einst 45 Kilometer langen Nims-Sauertalbahn zwischen Erdorf und Igel ist heute nicht mehr viel übrig. Und zwischenzeitlich sah es so aus, als sei auch das letzte Stück der Bahntrasse, der Abschnitt Erdorf-Bitburg, in Gefahr. Doch nachdem die Stadt die Gleise nun an den Netzbetreiber Amprion verkauft hat, arbeitet der neue Eigentümer bereits an der Sanierung der sechs Kilometer langen Strecke.

Bitburg. Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren war es endlich soweit: Am 15. Oktober 1915 wurde zwischen Wintersdorf und Irrel das letzte noch fehlende Teilstück der Nims-Sauertalbahn in Betrieb genommen. Nach mehr als 40 Jahren des Planens und Bauens und vor allem des Streitens um den Streckenverlauf war die eingleisige Nebenbahn durch die Südeifel fertig. Über eine Länge von rund 45 Kilometern war damit eine Verbindung zwischen Erdorf und Igel und damit schließlich eine Vernetzung der Bahnstrecken Trier-Köln und Koblenz-Trier-Luxemburg hergestellt. Bis diese dann zum Ende des Zweiten Weltkriegs stark zerstört wurde.

Nach dem Krieg wurde die Strecke wieder repariert - um dann ab dem Ende der 60er Jahre einer erneuten Zerstörung zum Opfer zu fallen. Diese war bei weitem nicht so radikal wie die im Zweiten Weltkrieg, dafür aber umso nachhaltiger: Erst wurde 1968 der Abschnitt zwischen Irrel und Igel komplett stillgelegt. In den beiden Jahren darauf folgte die Einstellung des Personenverkehrs zwischen Irrel und Erdorf. Gut 20 Jahre später wurde dann auch dieser Abschnitt stillgelegt, 1988 zunächst das Teilstück zwischen Irrel und Wolsfeld und 1995 schließlich dann auch noch das Stück zwischen Wolsfeld und Bitburg. Nur ein kleines Stück ist von der einst 45 Kilometer langen Bahnlinie übrig geblieben: die sechs Kilometer lange Verbindung zwischen Bitburg und Erdorf.

Zuletzt genutzt wurde dieses Teilstück erst vor wenigen Tagen. Und zwar zur Beförderung der beiden mehr als 200 Tonnen schweren Trafos, die in der vergangenen Woche zwischen Erdorf und dem Umspannwerk Niederstedem auf Schienen und Straßen transportiert wurden (der TV berichtete). Betreiber des Umspannwerks ist das ehemalige RWE-Tochterunternehmen Amprion, das seit diesem Jahr auch Eigentümer der Bahnstrecke Bitburg-Erdorf ist. Und das darüber hinaus derzeit auch dabei ist, die Strecke zu sanieren.

"Die Umspannanlage in Niederstedem ist eine der wichtigen in unserem Verbundnetz", sagt Gerd Pröpper, Eisenbahnbetriebsleiter bei Amprion. Und um die schweren Trafos, die des Öfteren ausgetauscht würden, nach oder aus Niederstedem zu transportieren, sei die Bahnstrecke Bitburg-Erdorf unverzichtbar. Aus diesem Grund habe Amprion die Strecke von der Stadt übernommen.

Für die Stadt ist das ein Glücksfall. Und das nicht nur, weil sie damit die jährlichen Betriebskosten der Trasse spart. Wäre die Stadt weiterhin Eigentümer geblieben, hätte sie entweder eine endgültige Stilllegung des Abschnitts in die Wege leiten oder aber die dringend notwendige Sanierung angehen müssen. So aber übernimmt letzteres ein anderer.

Wie Pröpper erklärt, sei man derzeit dabei, rund 9000 alte Holzschwellen gegen Betonschwellen auszutauschen. Ebenfalls saniert würden auch die beiden Brückenbauwerke bei Irsch und Erdorf. Insgesamt, so der Amprion-Mitarbeiter, investiere das Unternehmen fast vier Millionen Euro in die Trasse. "Danach sind für die Strecke sämtliche Nutzungen denkbar", fügt Pröpper hinzu. Und dazu zähle nicht nur die Beförderung von Trafos. "Möglich wäre beispielsweise auch der Transport von Gütern der Brauerei."

Ob es dazu (wieder) kommen wird, bleibt abzuwarten. Die Arbeitsgemeinschaft Eisenbahngeschichte Nims-Sauertalbahn ist jedenfalls erleichtert. "Die Bahnstrecke wird auf diesem Weg wieder instandgesetzt und der Bestand ist gesichert", meint Ralf Kremer, Mitarbeiter der AG Eisenbahngeschichte. Die Arbeitsgemeinschaft hat in den vergangenen Jahren viel historisches Material zur Geschichte der Nebenstrecke gesammelt und veröffentlicht. Und sie ist deshalb auch froh, dass sie nun nicht dokumentieren muss, wie auch noch das letzte Stück der Nims-Sauertalbahn zum Radweg umgebaut wird.