Die Maikäfer im Eifeldom

Eifeldom wird sie genannt, die Erlöserkirche in Mirbach bei Wiesbaum. Majestätisch erhebt sie sich auf einem Hügel, von weither sichtbar, und gilt als "bemerkenswerter Beitrag zur neuromanischen Bauepoche in der Eifel". In nur einem Jahr, von 1902 bis 1903, wurde sie erbaut und dient bis heute als Gotteshaus.

Wiesbaum-Mirbach. Ihr Bau wurde "Von seiner Majestät, dem Kaiser Wilhelm II., im Jahre 1898 allergnädigst gestattet und die Pläne von Allerhöchstdemselben am 8. März 1899 geprüft und genehmigt". Gebaut wurde ausdrücklich im "altdeutschen Style". Und so ist die Erlöserkirche in Mirbach ein Musterbeispiel des wilhelminisch-neostaufischen Historismus, reich an schillernden und goldfarbenen Mosaiken, an naturalistischen Bildhauerarbeiten aus Tuffstein und an bunt leuchtenden Glasfenstern. Beeindruckend die Platten des Kanzelkorbs aus Cipolinomarmor, Überreste von der Wandverkleidung der Berliner Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche.
Ernst Freiherr von Mirbach ließ die Erlöserkirche bauen. Er war Kammerherr und Oberhofmeister beim letzten deutschen Kaiser. Gleichzeitig war er auch Vorsitzender des Evangelischen Kirchenbauvereins. So fiel es ihm als Protestanten leichter, Finanzierungsmöglichkeiten und Geld zu finden für eine katholische Kirche - in Mirbach. Sozusagen als Familiendenkmal und Erinnerung an seine Person hatte er dieses Dörfchen ausgewählt, das seinen Familiennamen prägte.
Dorf Geschichte(n)


Neben der reichen Innenausstattung und den vielen Wappenbildern fallen nur dem sehr aufmerksamen Besucher an einer Wandstrebe zwei lustige Tierchen auf: Maikäfer. Da diese aber weder in der katholische Liturgie noch in irgendeinem Heiligenkalender auftauchen, stellt man sich erstaunt die Frage: "Warum wurden diese Maikäfer im Eifeldom verewigt?"
Mirbacher Bürger sagen: "Im Erbauungsjahr gab es eine riesige Maikäferplage, so dass die Baukünstler diese verewigen wollten." Es ist wohl richtig, dass rund um Mirbach in der warmen Kalkmulde und im naturgeschützten Lambertstal sich Maikäfer besonders wohlfühlen, aber deren kurzes Erdenleben kann nicht als Erklärung für ihre Verewigung in der Kirche genommen werden.
Richtig hingegen ist Folgende: Der Maikäfer ist eng mit dem Familienwappen der Mirbachs verbunden, das aus einem Hirschgeweih mit darauf befindlicher Helmzier besteht. Es findet sich in der Mirbacher Kapelle auf jedem Kirchenstuhl, in Fenstern und anderen plastischen Darstellungen. Es findet sich aber auch bis heute ebenfalls in der Mirbach-Villa in Potsdam, die während der DDR-Zeit als Gästehaus für bedeutsame Persönlichkeiten diente. Dort ist das Wappen noch erweitert mit einem Fahnentuch, gehalten von zwei großen Maikäfern. Mit dieser Abbildung wollte Freiherr von Mirbach auf seinen Militärdienst im Garde-Füsilier-Regiment hinweisen. Und dieses Regiment trug den Spitznamen Maikäfer-Regiment.
Warum? Diese Garde hatte im Kaiserreich Soldaten für die Wache abzukommandieren. Alljährlich zu Beginn des Monats Mai traf sich dieses Regiment in Potsdam zum Regimentsexerzieren - pünktlich wie das Erscheinen der braunen Krabbeltiere. Und so sollen Kinder dereinst beim Ankommen eines Bataillons laut gerufen haben: "Da kommen die Maikäfer!" Dies nicht zuletzt auch wegen der bunten Uniform des Garderegiments: rote Ärmelaufschläge mit weißen Litzen, gelbe Schulterstücke, braune Borden.
Spitzname eines ganzen Regiments


Dieser heitere Spitzname ging bald auf das ganze Regiment über, und als der Kronprinz König Friedrich Wilhelm IV. das Regiment einmal freundlich mit "Maikäfer" begrüßte, war damit der Neckname als offizieller Name gesellschaftsfähig. Er wurde zu einem Ehrennamen. Das Regiment war stolz auf ihn, übernahm die Maikäfer in Wappen, auf Dokumente, als Kopf für Briefbögen, führte ihn als Maskottchen mit. Sein Standort lag in der Berliner Chausseestraße und wurde bis 1918 auch Maikäferkaserne genannt. Sein Motto lautete: "Es lebe hoch das Regiment, welches sich mit Stolz Maikäfer nennt!"

Extra

Einer der beiden in der Mirbacher Kapelle verewigten Maikäfer. TV-Foto: Alois Mayer.
Das Wappen derer von Mirbach findet sich überall in der Kirche. TV-Foto: Alois Mayer.

Die Mirbacher Erlöserkirche war gleichzeitig Anlass für den Bau der Erlöserkirche in Gerolstein. "Der Bau der Erlöserkapelle für die Katholiken macht es gewissermaßen zur Pflicht, auch für die noch bedürftigeren Evangelischen ein schönes Gotteshaus errichten zu lassen", lautete die öffentliche Meinung. Und so entstand auch auf Initiative des Kaisers 1911 bis 1913 in Gerolstein die Erlöserkirche. avi

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