Die Mauer muss … hin!
Prüm · Der Prümer Stadtrat hat sich am Dienstagabend mit den Arbeiten am Kreisverkehr in der Bahnhofstraße befasst - nicht ganz freiwillig: Denn es musste eine schnelle Entscheidung her. Über die aber lange diskutiert wurde. Sehr lange.
Prüm. "Baumaßnahmen", sagt Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy irgendwann in der Ratssitzung am Dienstagabend, "haben ihre eigene Dynamik." Es geht um einen Punkt, der gar nicht vorgesehen war: Die Arbeiten der Firma Backes am Kreisverkehr in der Bahnhofstraße und am Gerberweg (der TV berichtete). Zack, zack, Hecke ab
In diesem Fall hat die Firma, ganz eigendynamisch, die Hecke weggerupft, die bisher den Blick vom Bürgersteig auf den angrenzenden Friedhof blockierte. Denn so ein richtiger Kreisel braucht Platz. Ihn zu bauen, naturgemäß noch ein bisschen mehr. Und weil zugleich die Friedhofshecke in den Bürgersteig ragte, musste sie fallen, jedenfalls zum größten Teil."Es ist passiert, was passieren musste", sagt die Bürgermeisterin. Jetzt ist sie weg, und ich kann auch nichts mehr machen." Kurz: Die Lückenhecke ist nicht schön, was soll nun in die Heckenlücke?Was folgt, ist ein Beispiel für kommunale Entscheidungssuche. Der TV präsentiert Auszüge: "Für mich wäre die logische Konsequenz: Die Hecke muss ganz weg. Ich bin für eine Bruchsteinmauer." - "Also für mich gilt: Eine schöne Buchenhecke - man kann ja da ein Mäuerchen drunter machen." - "So einfach ist das nicht." - "Man kann eine Buchenhecke pflanzen. Aber nicht auf die Mauer." - Die Hecke war schwer zu schneiden. Ein schmiedeeisernes Geländer würde auch gut zum Friedhof passen.""Ein Geländer ist komplett durchsichtig. Von oben guckt man dann direkt runter." - "Ich bin für ein Geländer." - "Ich persönlich tendiere gegen ein Geländer." - "Ein Geländer ist kein Sichtschutz." - "Geländer ist nicht gleich Geländer." "Membranen?" - "Das können wir vergessen." - "Die Variante mit den Gabionen ist nicht schlecht. Ob die Dinger dann blau, gelb oder rot sind oder Ranken drauf kommen, bleibt bis Herbst offen." - "Auf dieser Riesenlänge diese gezackten Muster, das ist einfach nicht schön." - Kann man die Gabionen mit Kübeln auflockern?""Keine Hau-Ruck-Aktion. Wir sollten das zurückstellen und Landschaftsplaner fragen." - "So wie ich die Baufirma verstanden habe, muss die von uns schnell wissen, was da oben drauf kommen soll." - "Eine Betonmauer, mit Bruchstein verkleidet. In Belgien werden alle Häuser so gebaut." - "Das ist wert, darüber zu diskutieren. Ich weiß nur nicht, wie lange." - "Ich find das hier jetzt auch nicht erquicklich."Am Ende: Abstimmung. Die Varianten: Mauer, Gabionen, Geländer, Hecke. Mathilde Weinandy weist zwar darauf hin, dass Steinmauern viel Reparaturgeld kosten, das ändert aber nichts an der Mehrheit: Von den 20 anwesenden Mitgliedern stimmen 14 für eine Mauer an der Bahnhofstraße, die Resthecke soll verschwinden. Mathilde Weinandy: "Damit ist alles andere vom Tisch." Bis auf den Preis für die Mauer, der ist noch nicht bekannt.Was gab's noch? Einen neuen Namen: Für die Straße, die ins Baugebiet am Krankenhaus führen soll. Das Flurstück heißt "In der Kuhtrift". Das findet aber keiner so schön. Also heißt die Straße fürderhin: Triftweg.Die Kirmes driftet weg vom Hahnplatz - oder auch nicht: Denn der Schulhof, sagt Mathilde Weinandy, kann nun vielleicht doch nicht mitgenutzt werden. Die Kreisverwaltung habe mitgeteilt, dass die Unterrichtscontainer just zur Kirmeszeit (Freitag, 7. August, bis Montag, 10. August) auf den Schulhof kommen könnten. Dann müsste man, wie befürchtet, doch auf den Teichplatz umziehen. Und noch mal Kreisverkehr: Ein vierter ist geplant, an der Kreuzung B 410 und Kreuzerweg. Das würde die Zufahrt zum Rewe-Markt erleichtern und den Schulbusfahrern weniger Kurbeln am Lenkrad abverlangen. Kosten für die Stadt, die einen Arm bezahlen müsste: rund 100 000 Euro, nach Einrechnen der erhofften Fördermittel noch 20 000 Euro. Meinung
Stadtrat liveUnser Auszug aus der Diskussion bildet längst nicht alles ab: Er zeigt aber trotzdem, wie sich die Prümer Kommunalen Gedanken machen - schön zu erleben, wie es da hin und her gehen kann. Allerdings sieht man nun auch, dass so ein Kreisverkehr seinen Platz braucht. Nicht zuletzt beim Bau. Das dürfte so richtig spannend werden, wenn es dann demnächst am Hahnplatz damit losgeht. Bevor einer dann nörgelt: Sie wollten es so. f.linden@volksfreund.de