"Die Musik ist es wert"

Jazz, das sei wie ein "Apothekenschrank voller Klangfarben", erklären die Leiter der Jazz-Initiative Eifel Rolf Mrotzek und Hermann Nahrings. Im TV-Gespräch erzählen sie von den Höhepunkten der vergangenen Jahrzehnte und verraten, was sie am Jazz fasziniert.

Bitburg/Prüm. Die Jazz-Initiative Eifel hat sich längst einen festen Namen bei Musikern und dem Publikum gemacht. Rolf Mrotzek und Hermann Nahrings leiten sie. Wie sie zum Jazz kamen und wie sich die Initiative entwickelt hat, erklären sie im Interview mit unserer Mitarbeiterin Christina Bents.Wie ist die Jazz-Initiative entstanden? Rolf Mrotzek: Schon Ende der 80er Jahre habe ich mit meiner Band Lazy River Jazzmen in Bitburg und Umgebung gespielt. Das Publikum war sehr interessiert und hat gleich gefragt: "Wann kommt Ihr wieder?" Wir haben das Interesse der Leute dann in der Jazz-Initiative Süd-Eifel gebündelt und Workshops angeboten. Die hatten eine große Resonanz. Das waren die Anfänge.Hermann Nahrings: Bei einem Konzert in Holsthum bin ich dann dazu gestoßen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mitmachen wollte. Erst waren wir nur eine lose Arbeitsgemeinschaft, die den Volkshochschulen angegliedert war, bevor wir ein Verein wurden.Was waren die musikalischen Highlights in den vergangenen 20 Jahren? Mrotzek: Da tue ich mich schwer, ein Konzert herauszugreifen. Alle hatten ein sehr hohes Niveau. Nahrings: Auch ich finde, alle hatten eine hohe Qualität, aber für mich war der Auftritt der SWR-Big-Band etwas Besonderes und der Schlagzeuger Adam Nussbaum, der viele amerikanische Besucher angezogen hat.Wie kommen Sie zu den Künstlern? Nahrings: Wir habe eine Internetseite, jazzadress.de, bei der sich Künstler, die mit uns arbeiten wollen, eintragen können. Das ist sozusagen unsere Künstlerdatenbank. So haben wir einen Überblick, wer zu welchem Anlass musikalisch passt. Mrotzek: Wir suchen natürlich auch nach Musikern, je nach Anlass.Wie viele Konzerte veranstalten sie im Jahr? Mrotzek: Insgesamt kommen wir im Jahr auf ungefähr 30 Konzerte. Zum einen sind da die Konzerte des Summer Jazz im Bedagarten, dann zwei Konzerte im Bedahaus mit internationalen Künstlern und der Bitburger Jazz-Club, der jeden ersten Donnerstag im Monat im Bistro des Beda-Hauses stattfindet. Nahrings: In Prüm veranstalten wir im Jahr fünf Konzerte und durchschnittlich drei Workshops. Dabei versuchen wir, immer verschiedene Stilrichtungen zu haben, um die Klangfarben des Jazz zu zeigen.Neben den Konzerten und Workshops haben Sie für das nächste Jahr einen Kalender herausgegeben. Wie kam es dazu? Was ist daran besonders? Mrotzek: Die Idee ist eigentlich schon ziemlich alt. Dieses Jahr haben wir den passenden Fotografen dazu gefunden. Nahrings: Es sind alles Fotos von Konzerten aus 2013 und im Kalender sind die Termine der Jazz-Initiative für 2014 schon vermerkt.Wie sind Sie zum Jazz gekommen? Nahrings: Durch das Radio wurde ich infiziert und durch Platten bei Freunden. Die Band Bourbon Skiffle Company hat mir damals sehr gut gefallen, die haben Schlager der 20er Jahre im Swing- und Jazzstil gespielt. Mrotzek: In den 50ern gab es im Radio den amerikanischen Soldatensender AFN. Dort spielten sie Jazzmusik, und das verbreitete sich unter den Jugendlichen damals wie ein Lauffeuer. Dabei habe ich mich mit den "Jazz-Virus" infiziert.Wie würden sie Jazz beschrieben? Nahrings: Das ist sehr schwierig, weil der Jazz enorm vielfältig ist. Er ist wie ein Apothekenschrank voller Klangfarben. Nötig ist es, Jazz zu beschreiben, denn viele haben oft eine konfuse Vorstellung von Jazz: Begriffe wie Funk und Soul kommen sehr viel besser an. Mrotzek: Und gegen diese oft negativ vor gefassten Meinungen kämpfen wir permanent. Die Musik ist es wert.Können Sie sich weitere Spielorte für Ihre Konzerte vorstellen? Nahrings: Ja, das können wir immer. Wir haben schon in Feuerwehrhallen, im Innenhof der Abtei und in der Skihütte der Wolfsschlucht gespielt. Da sind wir immer offen.Wie ist Ihr Verhältnis zum Wittlicher Jazzclub? Können Sie sich da Kooperationen vorstellen? Nahrings: Wir verstehen uns sehr gut. Wir werben füreinander und besuchen gegenseitig die Konzerte, die in Wittlich auch sehr gut sind. Mrotzek: Aber der Wittlicher Jazzclub hat eine andere Struktur und andere Konzepte. Wir bieten beispielsweise viele Workshops an, die schon in der Anfangszeit bei uns wichtig waren. Da findet jeder seine Lücke, wie er sein Vereinsleben gestaltet. chb