Die nächste Stufe

BITBURG-PRÜM. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz den Bau haushoher Fotovoltaik-Modulträger im Windpark Nord-Staffelstein (Sefferweich) genehmigt hat, befürchtet die Kreisverwaltung nun die flächenhafte Verbreitung dieser Anlagen.

"Ich weiß das noch nicht, es spielt auch keine Rolle mehr, weil das ganze, gemessen an der Dimension, unbedeutend geworden ist", sagt Jörg Temme, Geschäftsführer der Watt Windkrafttechnologie GmbH. "Ich werde allerdings schon dafür sorgen, dass ich an mein Geld komme, sei es durch ein stillschweigendes Abkommen oder durch ein knallhartes Urteil." Bei der Menge an Geld, an das Temme irgendwie kommen will, lohnt sich der Aufwand. Über 7,2 Millionen Euro habe ein Großinvestor dem Unternehmer aus Trier für ein Projekt in der Eifel zugesichert. Über zwei Jahre hatte Temme sich darum bemüht, eine "durch ausländische Investoren gesicherte"(Temme) Forschungseinrichtung und Produktionsstätte für den Bau von Stromspeicher-Modulen in dem Gewerbegebiet Nattenheimer Barriere zu verwirklichen - mit einer Investitionssumme von 140 Millionen Euro und rund 40 neuen Arbeitsplätzen. Interessant war für die Investoren nach Aussage von Temme der Standort in der Eifel deshalb, weil nahe des Industriegebiets die Sefferweicher Windkraftanlagen stehen, die durch die Anbringung technischer Prototypen in das Forschungsvorhaben mit eingebunden werden sollten (der TV berichtete). Die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm lehnte die bautechnische Erweiterung der bisherigen Anlagen allerdings ab, unter anderem mit der Begründung, dass dadurch das Landschaftsbild verschandelt würde: "Diese Anlage soll eine Höhe von zirka 20 Metern haben, was einem siebenstöckigen Haus entsprechen würde", heißt es seitens der Behörde, der jetzt durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Rheinland-Pfalz ein Strich durch die Rechnung gemacht wurde. Das Gericht hat der Klage Temmes gegen den von der Kreisverwaltung abgelehnten Bauantrag recht gegeben und den Bau so genannter Fotovoltaik-Modulträger genehmigt. Neben der Stromgewinnung sollen die Module auch dazu dienen, die oft unsichere und Störungen verursachende Stromeinspeisung der Windräder zu optimieren. Darauf verweist auch das OVG in seiner Urteilsbegründung und führt außerdem an, dass seitens der Kreisverwaltung keine "substantiierten Einwände" gegen den Bauantrag vorgelegt worden seien. Die Bitburger Behörde prüfe derzeit die Erfolgsaussichten eines Revisionsverfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht, teilt der Pressesprecher der Bitburg-Prümer Kreisverwaltung, Rudolf Müller, mit. Denn der Kreis befürchtet nun eine flächenhafte Verbreitung der Modulträger: "Sollte das OVG-Urteil rechtskräftig werden, hätte dies alleine im Kreisgebiet Bitburg-Prüm Auswirkungen auf weitere 25 Windkraftstandorte." Neben dem für Sefferweich hat Temme nämlich noch für andere Standorte Bauanträge gestellt - um überhaupt irgendwo eine Anlage genehmigt zu bekommen, wie Temme erklärt. Doch auch wenn das OVG-Urteil dem Windkraftbetreiber aus Trier recht gibt, so wirklich froh ist er nicht. Mittlerweile habe sich der Geldgeber, der in der Nattenheimer Barriere einen dreistelligen Millionenbetrag investieren wollte, für einen anderen Standort entschieden, sagt Temme. "Die Region hatte zweieinhalb Jahre Zeit und hat ihre Chance vertan. Als Investitions-Standort ist der Raum Bitburg-Prüm tot."