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Die Orgel als Sinfonieorchester: Reich an Klangfarben und Details

Die Orgel als Sinfonieorchester: Reich an Klangfarben und Details

Ein außergewöhnliches Konzert hat der Organist Pavel Kohout in der Himmeroder Abteikirche gegeben. Der Tscheche spielte die Sinfonie Nr. 9 seines Landsmanns Antonín Dvorák in einer für die Orgel adaptierten Fassung.

Großlittgen. Ob Gottesdienst oder Konzert, voll besetzte Kirchen sind, außer an Weihnachten, heute eher die Ausnahme. Nicht so in Himmerod. Die dortige Orgelkonzertreihe genießt ein internationales Renommee, das viele Konzertbesucher zum Teil von weit her ins abgeschiedene Eifelkloster lockt. Grund dafür dürfte neben der Auswahl der Künstler, nicht die mitunter unkonventionelle Programmgestaltung sein, die dem Himmeroder Orgelsommer eine einmalige Prägung verleiht. So hatten sich vergangenen Sonntag gut 400 Zuhörer in Erwartung eines ganz besonderen Programm-Höhepunkts eingefunden. Dieses Mal waren nicht klassische Orgelwerke, sondern gleich eine komplette Orchestersinfonie angesagt: Antonín Dvoráks Sinfonie Nr. 9 "Aus der Neuen Welt". Sie ist nicht nur Dvoráks populärstes Werk, sie ist eine der bekanntesten Sinfonien überhaupt, verbinden sich in ihr doch romantisches Pathos mit national-folkloristischen Elementen auf geradezu kongeniale Weise. Der mit "Largo" überschriebene zweite Satz steht gleichsam als Synonym für eine von Sehnsucht geprägte Epoche.
Dass man eine Orchestersinfonie auf der Orgel überzeugend darstellen kann, vorausgesetzt man hat neben einem virtuosen Interpreten auch ein Instrument wie die Himmeroder Klais-Orgel, das bewies der Prager Konzertorganist Pavel Kohout höchst eindrucksvoll.
Kohout war bereits vor zwei Jahren zu Gast in der Himmeroder Reihe, wusste somit vorab um die klangtechnischen Möglichkeiten der Orgel. Was er dann an Klangfarben zauberte, dürfte bei vielen Konzertbesuchern als unvergessliches Orgelerlebnis im Gedächtnis bleiben. Mit technischer Bravour gelang ihm eine detailgetreue Umsetzung der Partitur. Dynamische wie melodische Spannungsverläufe zeichnete er nach, ordnete sie überlegt in satzübergreifende Zusammenhänge ein. Nachdem der Schlussakkord im Pianissimo verklungen war, bedankten sich die Konzertbesucher mit enthusiastischen Beifallsbekundungen. red
Die Reihe der Himmeroder Orgelkonzerte wird am Mittwoch, 31. Juli, fortgesetzt. Dann wird ab 15 Uhr Frédéric Denis aus Paris mit einem Programm zu hören sein, dass einige Neuentdeckungen verspricht.