Die Pflege des Waldes ist Teamarbeit
Niederweis · Die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Forstbetrieben und privaten Unternehmen ist eines der Hauptthemen bei der Versammlung der Waldbesitzer aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm in Niederweis gewesen. Für Rheinland-Pfalz ist dies ein Pilotprojekt.
Niederweis. Der Andrang bei der Versammlung der Waldbesitzer ist groß. Neben denen, die ein Stück Forst ihr eigen nennen, begrüßt der Vorsitzende des Waldbesitzervereins, Kurt Rings, auch einige Politiker in der Nimstalhalle in Niederweis. Sie alle werden informiert über die Kooperation von Landesforsten mit der Eifel Wald und Holz GmbH, einer Tochter des Waldbauvereins. Forstamtsleiter Olaf Böhmer aus dem Revier Neuerburg erläutert die Gründe für eine solche Zusammenarbeit und die praktische Umsetzung.
Grund: personelle Probleme
In den Bereichen Daleiden und Arzfeld habe es personelle Probleme gegeben, sagt Böhmer. Die Eifel Wald und Holz Management GmbH (EWH) habe einen Förster stellen können. Wichtig sei eine klare Aufgabenregelung. Die Forstaufsicht habe die Kontrolle. Sie müsse prüfen, ob ausreichend aufgeforstet werde oder zum Beispiel Verbiss- und Schälschäden aufnehmen. Die EWH könne dagegen zum Beispiel für die Beschaffung von Pflanzen sorgen und möglicherweise den Zaunbau übernehmen. Wichtig seien, so Böhmer, eine enge wöchentliche Abstimmung, klare Zuständigkeiten und klare Gebührentrennung. "Ich bin guter Dinge, dass das funktioniert", sagt Böhmer. Für Rheinland-Pfalz ist dies ein Pilotprojekt.
Ein ähnliches Thema greift der Hauptreferent des Nachmittags, Erwin Kruczek aus Bayern, auf. Er ist Berater der Forstbetriebsgemeinschaft Fränkische Rhön. Er berichtet von einem Strukturwandel bei den Waldbesitzern. Es gebe immer weniger Bauern, die den Wald bewirtschafteten. Außerdem seien kleine Flächen ein Problem. "Wir haben einen Mikroprivatwald mit Nanostrukturen", überspitzt Kruczek das Problem. Teilweise seien solche Parzellen nur zwischen drei und sechs Metern breit.
Wer seinen Wald nicht selbst bewirtschaften wolle oder könne, habe grundsätzlich mehrere Möglichkeiten: verkaufen, verpachten oder einen Waldpflegevertrag abschließen. Bei der Verpachtung habe der Eigentümer nicht mehr viel zu sagen, sagt Kruczek. Beim Verkauf sei das Waldstück weg. Insofern seien Waldpflegeverträge eine gute Alternative. Kruczek rechnet seinen Zuhörern vor, wie viel so etwas kostet. Er setzt rund 30 Euro pro Stunde an. Eine Berechnung pro Hektar sei nicht sinnvoll, denn je nach Bewaldung, Wild und Ähnlichem sei der Aufwand pro Hektar extrem unterschiedlich. Zu den betreuten Grundstücken gehören Wälder von 0,32 bis hin zu 3000 Hektar.
Wichtig sei es, so Kruczek, dass Vertrauen herrsche zwischen Waldbesitzer und der Gesellschaft, die die Pflege übernehme. Für die fränkische Forstbetriebsgemeinschaft habe sich dieses Modell bewährt, denn die Einnahmen durch die Waldpflege seien wenig von der Konjunktur beeinflusst. Dieser Zweig beträgt derzeit rund 25 Prozent. 60 Prozent kommen aus der Holzverwertung, die aber eben von der Konjunktur abhängt.
Extra
Ihr geht sicher mit euren Eltern oft im Wald spazieren. Da ist gute Luft, und es ist ruhig. Natürlich nur, wenn man nicht selber zu viel Lärm macht. Deshalb gehen auch viele Menschen gerne in den Wald, weil sie sich da erholen können. Aber es gibt auch Leute, die arbeiten dort, zum Beispiel die Förster und die Waldarbeiter. Und die haben dort ganz schön viel zu tun. Denn die Wege, auf denen ihr spazieren geht, müssen gepflegt werden. Alte Bäume und Äste müssen entfernt werden, damit nichts umfällt oder runterfällt und jemanden verletzt. Außerdem werden Bäume abgesägt, um das Holz zu verkaufen. Und damit auch in 100 Jahren noch Bäume wachsen, müssen immer welche nachgepflanzt werden. nojExtra
Dirk Teegelbekkers, Geschäftsführer von PEFC ("Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes", zu Deutsch: ein "Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen") geht bei seinem Referat auf das Thema Zertifizierung ein. PEFC sei ein weltweit anerkanntes Zertifikat für nachhaltige Waldwirtschaft. Holz und Holzprodukte mit dem PEFC-Siegel stammen nachweislich aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft. Weltweit werden laut Teegelbekkkers rund 240 Millionen Hektar nach PEFC-Kriterien bewirtschaftet. Er räumt aber ein, dass sich eine Zertifizierung nicht auf die Preise auswirke, aber den Marktzugang sichern könne. noj