Die Prümer Basilika ist saniert - Jetzt kommt die Rechnung

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Mehr als ein Jahr lang dauerte die Innenrenovierung der Prümer Basilika. Dabei erlebten die Sanierer etliche Überraschungen. Jetzt ist beinah alles fertig, zum Preis von 2,2 Millionen Euro. Und in zwei Wochen kommt der Bischof.

Ein bisschen Hilfe brauchen sie noch bei der Erneuerung ihrer Kirche: „Es ist fast alles fertig“, sagt Klaus Peters, der Vorsitzende des Fördervereins der Basilikafreunde. Das Einzige, was jetzt noch in Auftrag gegeben sei, „das sind die Sitzauflagen auf den Bänken“, sagt Peters. „Und die Knieauflagen.“ Für beides aber erhalte man keine Zuschüsse mehr. „Das muss wieder mit Spenden gemacht werden. Aber wir glauben, das ist zu schaffen.“

Wie sie ja ohnehin seit Anfang des vergangenen Jahres viel geschafft haben in gut eineinhalbjähriger Zeit der Innensanierung: Das Prümer Wahrzeichen – der ebenfalls erneuerte Hahnplatz bietet jetzt einen deutlich besseren, freien Blick auf die Kirche – ist runderneuert: Heizanlage, Fenster, Leuchten, frischer Putz. An etlichen Stellen brachte man außerdem bröckelndes Mauerwerk wieder in Schuss.

Und sogar die Orgel, zunächst nicht eingeplant, ist saniert, auch dank vieler Spenden. Ganz neu: das, was man heute so sperrig „touristische Inwertsetzung“ nennt. So ist die Beleuchtung variabel, kann unterschiedliche Farbeffekte erzeugen, eine Tonanlage liefert besseren Klang. Auf Stelen lässt sich außerdem die Geschichte der Kirche digital abrufen.

„Das ist eine sehr schöne Sache geworden“, sagt Peters. Allerdings auch für rund 300 000 Euro, weshalb man froh sei, dass die Kreisverwaltung mitgeholfen habe, Geld aus dem EU-Leader-Topf loszueisen.

Wie sehr das Gotteshaus jetzt auch publikumswirksamen Ereignissen gerecht wird, zeigte sich vor zwei Monaten: Die Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ mit großem Chor, großem Orchester und großem Einsatz auch der Schüler vom Regino-Gymnasium gelang glänzend – künstlerisch wie eben auch akustisch.

Nahezu 2,2 Millionen Euro kostet alles jetzt, das Bistum Trier trägt davon ein Drittel, fast 700 000 Euro kamen unter anderem aus Bundes- und Landeszuschüssen, aus Stiftungen und als Spenden von vielen Bürgern, Unternehmen und Vereinen an die Basilikafreunde. Die Kirchengemeinde muss noch etwa 900 000 Euro per Kredit finanzieren.

Anfangs war Architekt Peter Berdi von Kosten in Höhe von gut 1,3 Millionen Euro ausgegangen. Da wusste man allerdings noch nicht, dass zum Beispiel die Heizanlage Schäden aufwies, deren Behebung deutlich teurer wurde.

Fundstücke aus dem Geheimraum: Heiligenfigur, Schäfchen, weitere Relikte. Foto: Fritz-Peter Linden

Und dann waren da ja noch ein paar weitere Überraschungen, auch wenn die nicht unbedingt viel Geld kosteten: Im Nordturm (der linke, vom Hahnplatz aus gesehen) und an einer Wand des Seitenschiffs stießen die Arbeiter auf ein Segment eines alten, später überbauten Torbogens, direkt darüber fand man fünf Stufen einer Wendeltreppe, die in einen früheren Turm führte. Die Elemente sind voraussichtlich Reste der Vorgängerkirche. Peter Berdi empfahl, beides sichtbar in der frisch verputzten Wand zu lassen.

Überhaupt, der Architekt: „Ganz hervorragende Arbeit“ habe Berdi geleistet, sagt Peters. „Das ist ein Mann fürs Realistische, er kann einschätzen, beurteilen – und er verfügt über ein riesiges Netzwerk. Was dabei hilft, auftretende Probleme schnell und unbürokratisch zu lösen.“

Säulen-Heilige im Innenraum. Foto: Fritz-Peter Linden

Ein Rätsel bleibt der geheime Raum, den man unter dem Zwischenzimmer entdeckte, das vom Altarraum zum Pfarrhaus führt: 2,80 Meter hoch, stockduster – weil fensterlos –, nur über eine Bodenluke zu erreichen. Voller Schutt und mit einer Heiligenfigur, bei der es sich um St. Josef handeln könnte. Inzwischen habe man alles so weit hergerichtet, sagt Peters, dass man den Raum betreten könne.

Wir wären nicht in Prüm, wenn alles völlig ohne zumindest zwischenzeitliche Kontroverse verlaufen wäre: Denn die beiden Beichtstühle werden nicht mehr als Paar in die Kirche zurückkehren. Einen, sagt Wilhelm Husch vom Pfarrverwaltungsrat, habe man aufbereiten lassen. Den anderen nicht, vor allem wegen der Kosten.

Geschafft: Die Innensanierung der Prümer Basilika ist nahezu abgeschlossen. Foto: Fritz-Peter Linden

Das allerdings fand in der Stadt nicht nur Befürworter – einige Prümerinnen forderten deshalb, beide Stühle zu erhalten, weil es sich dabei immerhin um Kunstschätze handle. Am Ende fand man einen Kompromiss: Der zweite Beichtstuhl wird weggepackt und aufbewahrt. Für alle später vielleicht möglichen Fälle.

Und jetzt folgt die offizielle Inbetriebnahme: am Sonntag, 15. September, mit einem Festhochamt, geleitet von Bischof Stephan Ackermann. Gleichzeitig feiern die Prümer Pfarrfest, außerdem lädt der Gewerbeverein zum „Heimatshoppen“ ein.

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