Die Prümer Jecken dürfen ihr Dreigestirn mit den Sellerichern feiern

Fastnacht : Schwoofen am Totensonntag verboten: Prüm erhält Karnevals-Asyl bei den Nachbarn in Sellerich

Die Prümer dürfen wegen einer anonymen Anzeige ihr Dreigestirn nicht am geplanten Termin proklamieren, denn es ist Totensonntag. Aber die Sellericher helfen ihnen aus der Patsche.

Da war’s vorbei mit dem „Juch-Hei“ – jedenfalls beinah: Seit vorgestern wissen die Prümer Karnevalisten, dass sie die geplante Proklamation ihres weiblichen Dreigestirns – Prinz Julia Sternkopf, Jungfrau Anne-Katrin Laures und Bauer Sarah Neuens – absagen müssen.

Vorgesehen war der Schwoof für Sonntag, 25. November, in der Karolingerhalle, um 11.11 Uhr. Was aber alle nicht im Blick hatten, als sie den Termin festlegten: Dann ist Totensonntag. Und da darf man eben nicht schwoofen, das Landes-Feiertagsgesetz verbietet das.

„Die Schneiderin hat uns gestern die Kostüme gebracht,“ sagt Prinz Julia Sternkopf am Donnerstag im Gespräch mit dem TV. „Wir stehen da alle im vollen Ornat bei Anne-Katrin im Wohnzimmer. Und dann ruft Berthold an.“
Berthold Thies nämlich, der Präsindent der Prümer Karnevalsgesellschaft. Seine Nachricht: Es hatte einen Anruf von der Verbandsgemeinde (VG) gegeben. Weil jemand anonym Anzeige erstattet hatte.

Anonym? „Ich war’s nicht“, sagt Peter Hillen, Chef des VG-Ordnungsamts. Und die Anzeige sei auch zuerst nicht in seiner Abteilung eingegangen, sondern bei der Kreisverwaltung in Bitburg. Von dort gab man die unfrohe Botschaft dann an die Prümer weiter.

Tatsächlich, sagt Peter Hillen, verbietet das Feiertagsgesetz an Karfreitag, am Volkstrauertag und am Totensonntag ab vier Uhr morgens „öffentliche Versammlungen, Aufzüge und Umzüge, soweit sie nicht der Religionsausübung dienen oder dem Charakter des Feiertages entsprechen, sowie alle der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen und Darbietungen, die nicht dem Charakter des Feiertages angepasst sind“.

Also auch Proklamationen. Die Prümer würden damit eine Ordnungswidrigkeit begehen, die mit einer Geldstrafe geahndet werden müsste.

Was aber tun? Die drei Damen reagierten schnell: „Anne-Katrin hat dann gesagt: Ruf Markus an“, erzählt Julia Sternkopf. Markus wiederum heißt hinten Funk und ist der designierte Prinz der Sellericher Narren. Und der entschied kraft seines hohen Amts: Die Prümer feiern dann eben kurzerhand mit den Sellerichern. Die nämlich proklamieren ihr Dreigestirn (mit Jungfrau Nico Schmack und Bauer Dennis Korzendorfer) schon morgen, am Samstag, 24. November, im Gemeindehaus.

Das sei, sagt Prinz Markus II., „gar kein Problem“. Und sei doch für die Prümer „viel besser, als wenn sie gar nichts machen könnten“. Nur im Sellericher Gemeindehaus – los geht’s dort um 20.11 Uhr – dürfte es eng werden. Ja, vermutet auch Markus Funk, das Haus „wird am Samstag gut gefüllt sein“.

Denn es haben sich schon etliche Prümer Jecken dazu entschieden, die paar Kilometer zu fahren und die doppelte Dreigestirn-Inthronisierung mitzufeiern. „Das wird knubbelig eng“, sagt der Prümer KG-Präsident Berthold Thies. „Wir müssen alle zusammenrücken.“ Aber das sei eben auch die positive Botschaft am Ende des ganzen Ärgers mit der Anzeige: „Echte Fründe stonn zesamme.“ Und noch besser sei, „dass man das mit ein, zwei Telefonaten hinkriegt“, sagt Thies.

Ach so: Auch die Stadtbürgermeisterin muss reisen. „Ich fahr jetzt frohgemut nach Sellerich“, sagt Mathilde Weinandy. Denn sie hat ja den Schlüssel zur Stadt, den am Samstag das Dreigestirn übernehmen wird: „Es wird aus allem das Beste gemacht, sagt Mathilde Weinandy und lacht. „Das ist wie beim Hahnplatz.“

Apropos Absagen: Es fallen noch mehr Veranstaltungen aus am kommenden Sonntag, ebenfalls wegen des Feiertagsgesetzes.

Die Tourist-Information Prümer Land versandte am Donnerstag eine entsprechende Nachricht. Abgesagt sind die Theateraufführung von „Mord im Hühnerstall“ am Sonntagabend in Heckhuscheid und die Aufführung von „Das Chatzchen und der Internette“ in Dingdorf.

Und das Prümer Dreigestirn? Hat längst seine gute Laune wiedergefunden. „Wir sind froh und dankbar und freuen uns auf Samstag“, sagt Julia Sternkopf. Außerdem passe das ja zum Motto der Session: „Prüm steht Kopf.“

Eben. Also ab nach Sellerich. Der Eintritt kostet fünf Euro an der Abendkasse. Vorverkauf gibt es keinen.

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