Die Prümer Seelsorgersuche: Wie läuft es in der Pfarreiengemeinschaft?
Prüm · Nach nur drei Jahren hat Pfarrer Christian Müller in Prüm den Dienst quittiert, der TV berichtete im Oktober darüber, seit dem 22. November ist es amtlich. Wie läuft es in der Pfarreiengemeinschaft? Und wann kommt ein Nachfolger?
Prüm. Kein Pfarrer mehr in Prüm und den angeschlossenen neun Gemeinden. Und noch keine Aussicht auf einen Nachfolger: "Das kann sich hinziehen", sagt der Niederprümer Vinzentiner-Pater Egon Kettern, der vom Bistum Trier zum Vakanzverwalter ernannt wurde. Ein bis zwei Jahre, mutmaßt der 77-Jährige. Wenn einer sich nach so kurzer Zeit verabschiede, sagt er, "beißt nicht so schnell wieder jemand an. Aber wir werden das Kind schon schaukeln."
Der TV hörte in Trier nach, ob sich bisher in der Angelegenheit bereits etwas getan habe. "Nach Rücksprache mit unserem Priesterreferat kann ich Ihnen mitteilen, dass es noch keinen Nachfolger für Pfarrer Müller in Prüm gibt", sagt Sandra Schumacher von der bischöflichen Pressestelle. Wann dieser Zustand beendet sein könnte - darauf hat noch niemand eine Antwort.
Müllers früher Abgang, er hat viele der gut 8400 Katholiken in Stadt und Umland durchgerüttelt: "Die Pfarreien sind alle noch geschockt von dem Ereignis, die haben das noch nicht überwunden", sagt Hans Fomin aus Wallersheim, der Vorsitzende des Pfarreienrats."Erhebliche Einschnitte"
Und es gebe "erhebliche Einschnitte bei den Gottesdiensten, ist ja auch klar. Aber damit müssen wir zurechtkommen." Zum Beispiel in Fomins Gemeinde: Dort werden die Sonntagsmessen nun im Wechsel mit dem Nachbarort Fleringen gehalten. An Weihnachten müsse man sich ebenfalls arrangieren, "es kann eben nicht überall zur gleichen Zeit Christmette sein".
Kein Vorwurf aber an die, die nun für Pfarrer Müller einspringen müssen: "Es wird getan, was machbar ist", sagt Fomin.
"Wir beißen uns da durch", sagt Vinzentiner-Pater Norbert Haasbach, der ebenfalls Gottesdienste übernimmt. Aber die schwierige Situation habe auch etwas Positives: "Die Gemeinden rücken näher zusammen. Und ich meine, die Gottesdienste wären besser besucht."
"Die Leute müssen sich darauf einstellen, dass es weniger Angebote gibt, weil wir weniger Personal sind", sagt Egon Kettern. Aber "es läuft ganz gut, bis Februar ist alles geregelt". Kettern macht sich trotz der schwierigen Situation nicht verrückt: "Ich mach mir da keinen Kummer. Ich bin locker wie nie. Wir fahren das Schiff. Und es gibt genug vernünftige Leute, die mitrudern."
Die Lockerheit des erfahrenen Paters spürt man im Gespräch deutlich. "Unsereiner ist schon länger im Geschäft und sozusagen im Pulverdampf ergraut. Ich werde am 7. Januar 78. Und ich habe noch Power genug."
Er hat auch den Mumm, klare Worte loszulassen. Wie zum Beispiel jüngst im Pfarrbrief, wo er jenen ins Gewissen redet, die möglicherweise mit zum frühen Abgang des Pfarrers beigetragen haben: "In dieser Situation helfen Machtspiele, nur um die eigenen Interessen durchzusetzen, nicht weiter." Damit ist alles gesagt.Meinung
Gut behütetMan hat den Eindruck, dass mit Pater Egon Kettern und den weiteren Verantwortlichen die Richtigen am Ruder sind. Dass sich der erfahrene Gottesmann nicht kirre machen lässt und dabei zu großer Form aufläuft, ist sehr erfreulich zu sehen. Zumal die Nachfolger für Christian Müller den Prümern ganz offenbar nicht gerade die Tür einrennen. Die Abteischäfchen, von denen manche ja auch gern mal zicken, sind bis auf weiteres gut behütet. f.linden@volksfreund.de