Die Quadratur des Kreises

Wenn es um die Gleichberechtigung von Frauen geht, ist der Eifelkreis Bitburg-Prüm das Schlusslicht aller deutschen Kreise. Dies ist zumindest das Ergebnis einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung und des Bundesamts für Raumordnung. Im September soll sich deshalb eine Tagung mit dem Thema beschäftigen.

Bitburg/Prüm. Frauen haben es schwer im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Dafür spricht zumindest eine gemeinsame Studie der Hans-Böckler-Stiftung und des Bundesamts für Raumordnung. Mit Hilfe des sogenannten "Gender-Indexes" bewertet sie die Chancengleichheit von Männern und Frauen in allen deutschen Landkreisen. Und der Eifelkreis ist auf dem allerletzten Platz gelandet.

Untersucht hat die Studie 19 verschiedene Indikatoren. Sehr deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen zeigen sich beim durchschnittlichen Bruttoeinkommen. 2006 haben Frauen im Schnitt pro Stunde satte 17 Euro brutto weniger verdient als Männer und 372 Euro weniger Rente bekommen (nur 454 statt 826 Euro).

Im Eifelkreis sind zudem deutlich weniger Frauen erwerbstätig als Männer - und deutlich weniger als im Bundesschnitt. Auffällig ist auch, dass doppelt so viele Frauen in Minijobs arbeiten wie Männer.

Gar nicht gut steht auch die Arbeitsmarktpolitik des Kreises da: Arbeitslose Frauen werden deutlich seltener gefördert als arbeitslose Männer. Hier will der Kreis nun gegensteuern.

Ganz besonders schlecht sieht es jedoch bei der politischen Beteiligung von Frauen aus: Der Studie zufolge sind hier statistisch nur 0,5 Ratsmitglieder je 10 000 Einwohnern Frauen (bundesweit 3,6) und 7, 3 Männer (11,8).

Die Kreisverwaltung betont jedoch, dass die Lage verzerrt dargestellt sei, da nur Gemeinden mit mehr als 20 000 Einwohnern berücksichtigt wurden und daher nur die Verbandsgemeinde (VG) Prüm. Dennoch weiß man im Kreis um das Problem: Ausgerechnet die VG Prüm hat den höchsten Frauenanteil in ihrem wichtigsten Gremium: Immerhin elf von 38 VG-Ratsmitgliedern sind weiblich (29 Prozent). In Neuerburg (eine Frau), Bitburg (zwei Frauen) oder Arzfeld (drei Frauen) ist man davon weit entfernt.

Mögen Frauen es im Eifelkreis vielleicht auch nicht ganz so schwer haben, wie die Studie vermuten lässt - es gibt genug zu tun. Für Mitte September hat die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Marita Singh, daher eine Tagung geplant, die sich mit dem Thema "Gender-Index - Herausforderung für die Region" beschäftigt. Sie hofft nun, dass alle politischen Akteure daran mitwirken.

Extra Ausnahme Ausbildung: Der einzige Bereich, in dem das weibliche Geschlecht dem männlichen gegenüber deutlich im Vorteil ist, ist die Ausbildung. Hier haben eher die Jungs das Problem: Von 100 Einwohnern zwischen 15 und 20 Jahren haben im Eifelkreis Bitburg-Prüm sieben Frauen die Hochschulreife, aber nur 4,4 Männer (Bundesschnitt 5,9/4,4). Und auch bei den Ausbildungsplätzen für Frauen schneidet der Eifelkreis Bitburg-Prüm im Bundesvergleich mit 120,5 je 100 Bewerber (Bundesschnitt 113,3) überdurchschnittlich gut ab. Ein weiterer Pluspunkt: Die Zahl der Schulabbrecher ist bei beiden deutlich geringer als im Bundesschnitt.

Meinung

Frauen, weiter an die Macht!

Jüngeren Frauen mag dies gar nicht bewusst sein. Doch ihre Rechte sind hart erkämpft worden. Weder der Gang zur Wahlurne noch das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung sind historisch selbstverständlich. Für diese und viele andere Rechte haben Frauen jahrzehntelang gekämpft. Und wenn sie dabei auch vieles erreicht haben: Gleichberechtigt sind Frauen noch immer nicht. Wie der "Gender-Index" zeigt, insbesondere nicht im Eifelkreis Bitburg-Prüm: Sie verdienen weniger, haben weniger Rente und weniger Macht. Diese Tatsache sollten weder die Frauen selbst hinnehmen noch die verantwortlichen Politiker und (die immer noch viel zu raren) Politikerinnen. Auf der einen Seite sollten mehr Frauen das Ziel haben, Männerdomänen wie die Politik zu erobern. Auf der anderen Seite muss die Politik dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen: genügend und vor allem auch gute Betreuungsangebote für Kinder schaffen, die Arbeitsmarktpolitik verbessern oder darauf einwirken, dass die Menschen umdenken - Unternehmer, die über Arbeitszeiten bestimmen, ebenso wie Nachbarn, die über vermeintliche Rabeneltern lästern oder jene, die "Mädchen" als Kollegen nicht ernst nehmen. Der neue Landrat, der neue Kreistag und alle, die die Benachteiligung von Frauen nicht hinnehmen wollen - sie haben viel zu tun. k.hammermann@volksfreund.de