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Die Räte werden immer älter

Die Räte werden immer älter

Die meisten Mitglieder unter 30 Jahren in den Kreistagen Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Vulkaneifel hat die CDU: zwei Frauen und einen Mann. Gefolgt von der SPD, der zwei junge Frauen im Bernkastel-Wittlicher Parlament angehören. Alle anderen Parteien setzen auf Erfahrung. Vor 20 Jahren noch waren die Mitglieder im Durchschnitt mehr als sechseinhalb Jahre jünger.

Bitburg/Daun/Wittlich. Carolin Hostert hat einen schweren Job. Sie vertritt fast 19 000 Unter-20-Jährige im Eifelkreis Bitburg-Prüm (Stand: Dezember 2012). Die 18-Jährige aus Arzfeld (CDU) ist die einzige Vertreterin der Jugend im Bitburger-Prümer Parlament - und auch der 96 000 Jugendlichen in der Region Trier. Hostert ist eine der insgesamt sechs Teenager, die für die Kreistage Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Vulkaneifel kandidiert haben - allein drei davon für die Liste der Linken im Eifelkreis.Guter Listenplatz ist wichtig

Das Durchschnittsalter der Kreistage liegt zwischen 51,5 (Bernkastel-Wittlich) und 55,5 Jahren (Vulkaneifel) und insgesamt bei 53 Jahren. Während die CDU-Vertreter im Mittel 51 Jahre alt sind, sind die der FDP über 57. Dem gegenüber sind zwei Drittel der 122 Mitglieder der drei Kreistage älter als 50 Jahre. Vor 20 Jahren waren die Kommunalpolitiker deutlich jünger: 46 Jahre alt waren die Kreistagsmitglieder in Daun und Bernkastel-Wittlich im Mittel. "Ich finde es superklasse, mit 18 Jahren aufstellt zu werden", sagt Hostert. Trotz ihrer Jugend hat sie bereits politische Erfahrung: Sie ist stellvertretende Landesvorsitzende der Schüler Union. "Da bin ich viel unterwegs", sagt sie. "Ich weiß, worauf ich mich einlasse."Die Parteien seien bemüht, sowohl vom Alter als auch Geschlecht her ihre Listen ausgewogen aufzustellen, sagt der Landrat des Vulkaneifelkreises, Heinz-Peter Thiel. Letztendlich entscheide der Wähler, wer im Kreistag sitze. Es sei wichtig, "einen guten Platz zu bekommen, weil man sonst keine Chance hat, nach vorne gewählt zu werden", sagt Hostert, die auf Rang vier von 42 Bewerbern gesetzt war. Ein guter Listenplatz bedeutet jedoch nicht automatisch den Einzug ins Parlament. So wird Hostert auf Rang 16 gewählt - von insgesamt 19 CDUlern im Kreistag. Die Wähler würden bekannte Namen bevorzugen. "Mich haben einige Bürgermeister überholt", sagt Hostert. Vivien Schulz (20) aus Üxheim ist von Platz sechs auf 18 gerutscht - sie ist somit erste Nachrückerin in der 17-köpfigen CDU-Fraktion im Vulkaneifelkreis. "Vielleicht sollten die Parteien und Wählergruppen über eine ‚Jugendquote\' nachdenken", meint Gregor Eibes, Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich, "über die junge politikinteressierte Menschen stärker als bisher gute Listenplätze angeboten bekommen, die einen Einzug in die Gremien ermöglichen." Joachim Streit, Landrat im Eifelkreis, hat einen eigenen Weg eingeschlagen: Er gründete eine eigene Liste (Liste Streit) und wurde mit 23 Jahren in den Stadtrat und mit 31 Jahren zum Bürgermeister der Stadt Bitburg gewählt. Es sei Aufgabe der Parteien, auf junge Menschen zuzugehen und sie anzusprechen, sagt Streit. Zudem hält er es für einen Landrat wichtig, in sozialen Netzwerken, die junge Menschen nutzen, präsent zu sein, "damit man für alle ansprechbar ist".Was Carolin Hostert noch vor sich hat, hat Tamara Müller (24) bereits hinter sich: Seit fünf Jahren sitzt sie für die SPD im Kreistag Bernkastel-Wittlich. Hostert und allen jungen Neulingen gibt sie mit auf den Weg: "Es dauert eine Zeit lang, bis die eigene Arbeit wahrgenommen wird. Man muss sich durchbeißen, sich beweisen."Sind Sie unter 25 Jahren alt und engagieren sich in einem Stadt-, Orts- oder Verbandsgemeinderat? Erzählen Sie uns, warum Sie das gut finden. Schicken Sie Ihre Mail an eifel@volksfreund.deMeinung

Mitmachen, es ist eure Zukunft!25 Jahre alt, Studienabschluss, ein Auslandsjahr, jahrelange Berufserfahrung - so schaut der ideale Bewerber für einen Arbeitsplatz aus. In der Politik scheint es umgekehrt zu sein. Da sind die Alten gefragt. Immerhin sind 67 Prozent der Kreistagsmitglieder in Eifel, Hunsrück und an der Mosel älter als 50 Jahre. Kein Wunder, dass häufig Altbewährtes den Vorzug vor frischen Ideen bekommt. Dabei gibt es zahlreiche Themen wie Arbeitsplätze, Breitbandausbau, Jugendräume, Bildung oder Öffentlicher Verkehr, die alle ein politisches Engagement junger Menschen in ihrer Heimat wert sind. Sie, aber auch die gleichaltrigen Wähler, haben es in der Hand. Warum nicht Mut beweisen und sich engagieren? Warum nicht wählen gehen? Schließlich geht es um eure Zukunft! m.schneiders@volksfreund.deExtra

Jüngste Fraktion ist die SPD im Kreis Bernkastel-Wittlich mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren, gefolgt von den Grünen im Vulkaneifelkreis mit 46,5 Jahren. Älteste Fraktion ist die Bürger Union Vulkaneifel (BUV) mit 64,5 Jahren; zweitälteste die FDP Bernkastel-Wittlich mit 63,5 Jahren. In allen drei Kreistagen sind nur zehn Mitglieder jünger als 35 Jahre - dabei macht diese Altersgruppe ein Drittel der Bevölkerung aus. Im Eifelkreis können sich die Zahlen noch ändern, denn die konstituierende Sitzung ist am Freitag, 18. Juli, die in den Kreisen Bernkastel-Wittlich und Vulkaneifel haben stattgefunden. mehi