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Streuobst: Die Renaissance der Obstbäume

Streuobst : Die Renaissance der Obstbäume

Streuobstwiesen prägen das Bild in der Südeifel. Damit das so bleibt, gibt es ein Förderprogramm der Naturparke Nord- und Südeifel, das Besitzer dieser Flächen bei Pflege und Neuanpflanzung unterstützt.

Goldparmäne, Kaiser Wilhelm, Nimmermür, Luxemburger Triumpf oder schlicht Wiesenapfel, hinter diesen teilweise blumigen Namen stecken Apfelsorten, die auf Streuobstwiesen gedeihen. Damit diese und andere Sorten ebenso wie verschiedene Birnen oder Steinobst auch weiterhin in der Eifel wachsen, braucht es Fachwissen und Geld. „Ein Baum braucht Pflege“, sagt auch Dr. Holger Tülp, Streuobstbeauftragter bei den Naturparken Nord- und Südeifel. „Bei guter Pflege kann ein Apfelbaum 100 bis 150 Jahre alt werden, ein Steinobstbaum bis zu 80 Jahren“, sagt der Experte. Wenn man die Gewächse allerdings sich selbst überlasse, ist ihnen kein langes Leben und damit auch wenig Ertrag vergönnt.  Dann könne ein Baum schon in einem Viertel der Zeit vergreisen und sterben. Es geht also darum, die Bäume fachgerecht zu pflegen und zu schneiden und junge Bäume zu pflanzen.   Hier setzt das Förderprogramm an, das das Streuobstbüro den Besitzern und Pächtern der wertvollen Flächen anbietet.

Ansprechpartner dafür ist Holger Tülp, der Streuobstbeauftragte bei den Naturparken Nord- und Süd­eifel. Auf der Webseite des Streuobstbüros finden Interessenten die Antragsformulare, die sie dann ausfüllen können, um von den Mitteln aus dem Leader-Programm für den ländlichen Raum profitieren zu können. Voraussetzung ist, dass die Fläche im Gebiet der Naturparke liegt. Gefördert werden die Kosten mit 75 Prozent, 25 Prozent muss der Besitzer oder Pächter der Wiesen selbst beisteuern.

Dabei geht es laut Tülp sowohl um Pflegemaßnahmen als auch um Neuanpflanzungen. Als Auftakt zum Förderprogramm für Streuobstwiesen war im März ein Forum geplant. Das fiel aus naheliegenden Gründen natürlich aus. Dennoch, das Förderprogramm ist angelaufen und einige Anträge wurden bereits gestellt, sagt Holger Tülp, der beim Naturpark Südeifel verantwortlich ist für die Streuobstwiesen. Derzeit geht es um 350 neue Bäume und 600 Bäume, die gepflegt werden müssen. 100 000 Euro aus Leader-Mitteln für den ländlichen Raum stehen für das Projekt zur Verfügung.

Für die Neupflanzungen sollen laut Tülp Gartenbauunternehmen beauftragt werden. Die jungen Pflanzen kommen aus Baumschulen. Die Pflegearbeiten sollen auf lange Sicht  von Baumwarten übernommen werden. Diese werden im Naturpark Südeifel in mehreren über ein Jahr verteilten Modulen ausgebildet. Eigentlich sollte die Ausbildung Ende August abgeschlossen sein. Aber auch hier hat die Corona-Krise einen Strich durch die Planungen gemacht. Tülp hoffe, dass die Baumwarte aber noch bis Ende des Jahres ihre Prüfung machen können und dann bei den Pflegearbeiten eingesetzt werden können.

Und diese Baumschnittarbeiten können, wie er sagt, über das ganze Jahr verteilt gemacht werden. Im Winter würde dabei das Wachstum eher angeregt, im Sommer verlangsamt.

Nur im Frühjahr, während die Vögel brüten, sollte man vom Baumschnitt absehen. Die Meinung, dass ein Baum nur im Winter geschnitten werden könne, stamme noch aus der Zeit als es vornehmlich Bauern waren, die sich um den Fortbestand der Streuobstwiesen kümmerten und im Sommer mit anderen Arbeiten ausgelastet waren.

Holger Tülp wünscht sich mehr Fachleute bei dem Thema Streuobstwiesen. So sei es beispielsweise gar nicht so einfach Referenten für Fortbildungskurse zu finden. Es gebe davon immer weniger, sagt er.

In diesem Jahr konnten bisher zwei Kurse stattfinden, natürlich deutlich weniger als geplant. Bei dem einen ging es um „Erste Hilfe für Bäume“.  Dabei haben die Teilnehmer gelernt wie sie vernachlässigte Bäume mit wenig Aufwand wieder ins Gleichgewicht bringen können. Der zweite Kurs forderte von den Teilnehmern auch körperliche Fitness, denn es ging darum im Baum herumzuklettern (siehe Artikel unten).

Die Kurse und auch andere Aktionen wie beispielsweise Keltertage und Ähnliches sollen nach Wunsch des Streuobstbeauftragten auch die Menschen, die sich für dieses Thema interessieren, zusammenbringen und vernetzen. Dabei hofft er darauf, dass die Produzenten mit den Verwertern zusammenkommen.

Denn bei den Produkten, die man mit den Früchten von Streuobstwiesen machen kann, gerät Tülp ins schwärmen. Von Saft über Marmelade, edle Brände und anderes hat er da viele Ideen.

Aber auch der ökologische Wert dieser Flächen begeistert den Streuobstbeauftragten. Eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen könnten auf den Flächen ein Zuhause finden. Auch Nutztiere wie Schafe hätten hier Platz.

Und deshalb wünscht sich Tülp für die Südeifel eine Streuobstrenaissance.