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Die Rennpiste vor der Haustür

Bitburger ärgert sich über Raser im Stahler Weg : Die Rennpiste vor der Haustür

Hans-Jürgen Haag ist besorgt, weil auf dem Stahler Weg gerast wird. Sein Wunsch: Die Stadt soll Temposünder ahnden.

Wenn Hans-Jürgen Haag mit dem Auto aus der Einfahrt rollt, hält er die Augen offen. Denn der Stahler Weg sei gefährlich geworden. Zweimal schon hat es in jüngster Zeit vor der Haustür des Bitburgers gekracht. Einmal hat ein Raser seine Tür gestreift, als er versuchte Haag rechts zu überholen. Das andere Mal landete ein Wagen in seiner Hauswand. Schuld, sagt der 66-Jährige, sei, dass sich hier nur eine Minderheit an die gebotenen Tempo 30 halte, sagt er: „Die Leute brettern hier dermaßen durch. Da ist es ein Wunder, dass noch niemand verletzt wurde.“

Wir machen den Test und stellen uns mit Haag eine Weile vor die Tür. Und tatsächlich: In fünf Minuten sausen etliche Autos mit Geschwindigkeiten jenseits der 50 durch die Straße. Die einzigen, die langsamer fahren, sind zwei Radfahrer.

Und das, obwohl die Ortsdurchfahrt recht eng für den vielen Verkehr ist, 100 Autos will der Anwohner hier in nur einer Stunde gezählt haben. Tendenz seit Jahren steigend: Denn der Stadtteil wächst und wächst.

Durch die Baustelle auf der anderen Straßenseite aber hat sich das Platzproblem verschärft. Denn die Maschinen parken den Weg zu, und die Materialien zum Bau der Mehrfamilienhäuser verengen die Fahrbahn.

Ingesamt: ein Zustand, der die Anwohner des Stahler Wegs „stinksauer“ mache, sagt Haag, der sich mit seiner Meinung nicht alleine wähnt. Und daher ist für den 66-Jährigen auch die „Zeit des Wegschauens und Nichtstuns vorbei“. Genauso schreibt er es in einem Brief an Bürgermeister Joachim Kandels und Ortsvorsteher Willi Heyen (beide CDU).

Was der Anwohner sich von der Stadt Bitburg wünscht, wäre im besten Fall ein neues Verkehrskonzept für den Ortsteil. Oder wenigstens eine Maßnahme, die Raser in die Schranken weist. Das könnten, sagt Haag, Bremsschwellen auf der Fahrbahn sein, ein Blitzer oder Verkehrsinseln. Auch die Strecke in eine Einbahnstraße zu verwandeln, hält er für denkbar.

Dass es ein Problem gibt, ist auch der Stadtverwaltung nicht neu, sagt Rathaussprecher Werner Krämer: „Die Verkehrslage im Stahler Weg ist seit vielen Jahren Thema in städtischen Gremien und bei Verkehrsexperten.“ Inzwischen habe sich die Lage aber „wieder zugespitzt“.

Das Problem: Es stehe in den kommenden Jahren ein Ausbau des Stahler Weges an. Und das heißt: Wenn man jetzt Bremsschwellen oder Verkehrsinseln auf die Straße setzen würde, müsste man sie bei der Sanierung bald darauf wieder wegreißen und neubauen. „Das würde dann zu Recht wie ein Schildbürgerstreich rüberkommen“, sagt Ortsvorsteher Willi Heyen.

Und überhaupt hätten bauliche Veränderungen ihre Vor- und Nachteile. Durch die von Haag angedachten Bremsschwellen könnte es nämlich noch lauter im Stahler Weg werden, als es dort durch die Baustelle schon ist: „Wer schnell drüber fährt, macht einen Höllenkrach.“

Aus der Ortsdurchfahrt eine Einbahnstraße zu machen, hält Heyen ebenfalls für schwierig umsetzbar: „Dann müssten wir LKW, Schulbusse und Traktoren durch die Ortsmitte leiten. Da würden uns die Anwohner aufs Dach steigen.“

Was hingegen helfen könnte, wären Verkehrsinseln, meint der Ortsvorsteher. Auch durch die versetzten Parkbuchten habe sich schließlich eine Verbesserung eingestellt. Verschwenkungen könne es aber natürlich erst nach dem Ausbau geben.

Was sich zuvor realisieren ließe, wäre eine neue Geschwindigkeitsregelung: „ Mein Ziel ist es, aus dem Dorf eine Tempo-30-Zone zu machen.“ Bei der Stadt sei man angesichts dieses Vorschlags zwar in der Vergangenheit skeptisch gewesen. Heyen kündigt aber an, die Idee demnächst im Ortsbeirat zu diskutieren. Auch Rathaussprecher Werner Krämer verspricht: „Zunächst wird die Stadt die bestehende Geschwindigkeitsbeschränkung überprüfen und gegebenenfalls anpassen.“

Und sobald die Bauarbeiten im Stahler Weg abgeschlossen sind, was etwa Mitte 2021 sein dürfte, wolle man die Markierung der Parkbuchten erneuern. Über alles weitere wollen Bürgermeister, Ortsvorsteher, Polizei und Ordnungsamt bald diskutieren.

Und auch die Bürger will man fragen: „Die Anlieger werden natürlich entsprechend eingebunden.“ Das hatte sich Haag ebenfalls gewünscht, eine Einwohnerversammlung, bei der Varianten diskutiert werden: „Das wäre gelebte Demokratie.“