"Die sollen mal in die Pötte kommen"
Neuerburg/Plascheid · "Die Gespräche laufen": Diesen Satz können die Mitglieder des Aktionsbündnisses für die medizinische Versorgung in der Süd-Westeifel bezüglich des Neuerburger Gesundheitszentrums nicht mehr hören. Ihnen geht die Planung des "Pilotprojekts" viel zu langsam.
Neuerburg/Plascheid. Ein dunkler regnerischer Abend in Plascheid nahe Neuerburg: Das "Aktionsbündnis medizinische Versorgung in der Süd-Westeifel" hat den TV zu einem Gespräch in die Südeifel eingeladen. Denn den 15 Mitgliedern, die sich für die gesundheitliche Versorgung ihrer Region engagieren, geht die Planung des Neuerburger Gesundheitszentrums nicht schnell genug.
"Es hat sich nichts getan. Die Fachleute sollen mal in die Pötte kommen", sagt Alfred Ziewers aus Plascheid, bei dem das Aktionsbündnis am Abend zusammengekommen ist.
Franz-Josef Follman aus Rodershausen packt ein Mitteilungsblatt des Eifelkreises vom 5. Oktober 2014 aus und zitiert aus einem Text mit dem Titel "Gesundheitszentrum Neuerburg - Medizinische Grundversorgung sichergestellt": "Was vor wenigen Monaten niemand für möglich gehalten hätte, wird jetzt Realität: Am 1. Oktober hat das Gesundheitszentrum Neuerburg seine Arbeit aufgenommen."
Nach wie vor werden seit mehr als einem Jahr im Obergeschoss des ehemaligen Krankenhauses Menschen der Phase F. wie Wach-Koma-Patienten betreut. Im Erdgeschoss hält nach wie vor Chirurg Ingvo Müller die Stellung.
Doch von einem weiterreichenden medizinischen Angebot, das die Bürger vom Gesundheitszentrum erwarten, ist auch 14 Monate nach dieser Pressemitteilung noch nichts zu sehen.
"Es ist alles so träge, und es gibt immer etwas, woran es gerade hängt", sagt Marianne Eisenach aus Sinspelt.
Doch bei Nachfrage werde man von der Steuerungsgruppe und der Marienhaus GmbH stets mit den gleichen Floskeln abgefertigt: "Die Gespräche laufen. Wir sind auf einem guten Weg". Diese Sätze könne sie nicht mehr hören, meint die 76-Jährige.
Derzeit kümmert sich die Projektleiterin Vera Bers, Geschäftsführerin der Marienhaus-Stiftung, einen Tag in der Woche vor Ort um das Projekt.
Doch Erhard Roth (81) aus Neuerburg ist sich sicher: "Das reicht nicht. Für solch ein Modellprojekt muss man einen Manager einstellen, der die Ärmel hochkrempelt und 70 Stunden die Woche arbeitet."
Der TV hat die Marienhaus Holding GmbH mit den Vorwürfen des Aktionsbündnisses konfrontiert. Der Pressesprecher der Marienhaus Unternehmensgruppe, Heribert Frieling, antwortet: "Sie können sicher sein, dass wir ein vitales Interesse haben und genug Ressourcen investieren, um unseren Teil beizutragen."
Beim Land sei mittlerweile ein Vorentwurf eingereicht, damit die Umbauarbeiten, die unter anderem für den Brandschutz erforderlich sind (der TV berichtete), beginnen können, sagt Frieling. "Wir sind mit dem Land im Gespräch für einen vorzeitigen Baubeginn Anfang 2016."
Der Vorwurf, dass sich die Planung ständig verzögert, ist jedoch nicht aus der Luft gegriffen. Wie auch ein Beitrag aus dem Klinikmagazin des Marienhaus Klinikums Eifel deutlich macht. In der Ausgabe Herbst/Winter 2014 war dort zu lesen: "Die Planungen für die erforderlichen Umbaumaßnahmen werden im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen." Kein Wunder also, dass sich der ein oder andere Südeifeler hingehalten fühlt. Auch bei der Unterzeichnung des Überlassungsvertrags für das ehemalige Krankenhausgebäude zwischen der Marienhaus GmbH und der Stadt Neuerburg hapert es. Seit August wird man sich nicht einig. Bürgermeisterin Anna Kling: "Wir waren schon mal weiter. Unser Anwalt rät uns ab, den aktuellen Vertragsentwurf zu unterzeichnen, der für die Stadt finanzielle Risiken birgt, sollte das Gesundheitszentrum eines Tages an sie zurückfallen." Da müsse nachverhandelt werden, meint Kling.
Sie werde den Stadtratsmitgliedern empfehlen, einen Vertrag erst zu unterzeichnen, wenn dieser die Stadt vor jeglichem unternehmerischen Risiko der Marienhaus GmbH bewahre. Wann das sein wird, steht noch in den Sternen. Das Aktionsbündnis will die Hängepartie um das Gesundheitszentrum nicht mehr lange mit anschauen und wenn nötig mit Demonstrationen auf das mäßige Tempo des Pilotprojekts, in das auch 1,5 Millionen Euro Landeszuschuss fließen soll, aufmerksam machen. Martina Müller aus Muxerath: "Auch die Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler muss mal bei den Ohren genommen werden und sagen, was jetzt hier passiert."