Die Spuren der Verpuffung

BITBURG. Die Firma Ordtech gibt weiter Rätsel auf. Das Rüstungsunternehmen, das Anfang Juli auf das ehemalige Munitionsdepot im Bitburger Wald umgezogen war, hatte nach einer Magnesium-Verpuffung, an deren Folgen zwei junge Arbeiter gestorben waren (der TV berichtete), für viel Wirbel gesorgt. Der Betriebsleiter hatte damals angekündigt, dass man dennoch an dem Standort festhalten werde. Nun deutet viel auf das Gegenteil hin.

"Es gibt eine gewisse Wendung, was unseren Standort Bitburg angeht. Über die kann ich am Telefon aber nicht sprechen", sagte Werner Scherer, Betriebsleiter der Firma Ordtech Industries GmbH mit Sitz in Schweich vor einigen Wochen. Den vereinbarten persönlichen Termin mit dem Trierischen Volksfreund ließ er ohne Entschuldigung platzen und war danach auch telefonisch nicht mehr zu erreichen.Kreisverwaltung liegt kein Antrag vor

Dieses merkwürdige Verhalten gibt Anlass zur Spekulation. Wird die Firma, die Anfang Juli ihre Produktionsstätte von Luxemburg auf das ehemalige Munitionsdepot der früheren Airbase Bitburg verlagert hatte, doch vom Standort im Mötscher Wald ablassen?

Alles scheint zurzeit darauf hinzudeuten, da die Firma noch immer keinen Antrag bei der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm zum Umgang mit Explosivstoffen gemäß des Bundesemissionsgesetz vorgelegt hat. Und diese Genehmigung ist notwendig, damit Ordtech das machen kann, was sie eigentlich vorhat - nämlich die Produktion von Schutzsystemen für Flugzeuge gegen radargelenkte Raketen, Gummigeschoss-Patronen für Sicherheitskräfte und Vergrämungsmittel für Vögel und Kleintiere.

Beim Gespräch mit dem TV hatte Scherer Ende Juli versichert, dass die Firma Ordtech gerade dabei sei, alle notwendigen Unterlagen zusammenzustellen. Bis Mitte August sollte der Genehmigungsantrag der Kreisverwaltung vorliegen. Er gab sich auch optimistisch, dass man den Antrag genehmigen würde. Mittlerweile ist der Oktober fast vorbei, "uns liegt jedoch nichts vor", sagt Rudolf Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung.

Ermittlungen laufen weiter

Über einen Wegzug der Firma Ordtech wären viele Bitburger Bürger und auch Politiker glücklich. Denn kurz nach dem tödlichen Arbeitsunfall am 7. Juli, an deren Folgen zwei jungen Männer gestorben waren, hatte unter anderem die Grünen-Politikerin Ulrike Höfken, Mitglied des Bundestags, die sofortige Schließung des Betriebs gefordert. "Die Aktivitäten der Rüstungsfirma Ordtech Industries auf der ehemaligen Bitburger Airbase sind kriminell", teilte sie damals mit.

Gegen die Ansiedlung der Firma, die laut Scherer "keine Rüstungsfirma" ist, hatte auch die im Bitburger Stadtrat vertretene Liste Streit Protest angemeldet. In einem Brief an Bitburgs Bürgermeister Joachim Streit sprach sich Fraktionschef Peter Berger für seine Gruppierung "vehement dagegen aus, dass in Bitburg Rüstungsgüter hergestellt werden dürfen. In dieser Frage hat für uns die Ökonomie nicht oberste Priorität".

Auch wenn die Firma Ordtech nie ihre Produktion in Bitburg aufnehmen sollte, wird der tödliche Zwischenfall im Juli noch lange nicht zu den Akten gelegt. Sowohl Landes- und Bundeskriminalamt als auch die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord sind laut Staatsanwaltschaft Trier nach wie vor mit den Ermittlungen beschäftigt.