Die Stadt Bitburg will kein Geld für Beerdigung vorstrecken.

Soziales : Wenn die letzte Ruhe warten muss

Die Angehörigen von Rainer D. konnten seine Beerdigung nicht bezahlen. Die Stadt Bitburg wollte kein Geld vorstrecken. Dafür gibt es viel Kritik.

Einen Monat lang lag der tote Körper von Rainer D. im Kühlhaus. Seine Angehörigen haben offenbar nicht die Mittel für eine Beerdigung. Und so verstreichen die ersten sieben Tage schnell. In dieser Zeit sind Angehörige verpflichtet, sich um die Beerdigung zu kümmern, sonst ist das eine Ordnungswidrigkeit. Die Schwester von D. kümmert sich, kann aber nicht die Kosten tragen. „Ich mache mir Vorwürfe deswegen“, sagte sie am Samstag bei der Trauerfeier, zu der sie mit ihrem Sohn erschienen war. Sie ging von Bestatter zu Bestatter, aber die schickten sie weg.

Zu groß war ihnen das Risiko, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Dann kommt die Schwester zum Bitburger Bestatter Hans Steffen. Steffen sagt: „Dann tingelst du als armer Mensch von Bestatter zu Bestatter. Mit tut das auch leid. Ich kann die Leute nicht hängenlassen.“ Er macht die Bestattung, eine Einäscherung, erst einmal auf eigene Kosten. (Der TV berichtete.)

Es ist bereits der dritte Fall dieser Art in diesem Jahr, sagt Steffen. Nur bei ihm. Bis vor einem halben Jahr habe die Stadt in solchen Fällen die Kosten vorgestreckt, nun aber nicht mehr, sagt Steffen. Die Rechtslage sieht so aus, dass das Ordnungsamt die Kosten übernimmt, wenn es keine Angehörigen gibt. Gibt es welche und sind diese mittellos, können sie sich an das Sozialamt wenden. Nach Angaben der Kreisverwaltung haben 2018 insgesamt 28 Menschen eine Übernahme der Kosten beantragt. 24 Anträge wurden bewilligt. Rund 1300 Euro zahlte die Verwaltung im Schnitt pro Fall. Aber so eine Prüfung kann dauern. Die Praxis selber habe ich nicht geändert, sagt das Ordnungsamt. Aber wie kann dann ein Mensch einen Monat nach seinem Tod noch nicht bestattet sein?

Derweil berechnet die Stadt 28 Euro Gebühren pro Tag für das Kühlhaus. „Jeder muss im Trauerfall sicher sein können, das sein Angehöriger in einer angemessen Frist und vor allen Dingen würdevoll bestattet wird“, sagt Steffen. Man könne nicht Monate lang auf eine Kostenzusage warten. „Die Würde eines Menschen ist auch nach dem Tod vom Staat zu wahren.“

Am Samstag war nun endlich die Trauerfeier für D. auf dem Bitburger Friedhof Kolmeshöh. D. wurde 58 Jahre alt. Er war lange krank gewesen und wurde in einem Altenheim in Bitburg gepflegt. Eine Gruppe von Mitarbeitern des Heims ist zur Trauerfeier gekommen.

Rund 40 Personen waren insgesamt dort. Steffen hat öffentlich eingeladen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Die Frauen aus dem Altenheim sind empört. Eine sagt: „Das es so etwas in unserem Land gibt, das ist menschenunwürdig.“ Eine andere sagt: „Die Stadt Bitburg soll sich schämen.“ Der Bitburger Bürgermeister Joachim Kandels wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Der evangelische Pfarrer Hans-Ulrich Ehinger sagt: „Die Stadt muss darauf eine Antwort finden. Man kann nicht jemanden für Wochen und Monate in den Kühlraum legen.“

Zudem würden mittellose Trauernde noch mit einer Ordnungswidrigkeit belegt, anstatt ihnen zu helfen. „Das ist ein Hohn.“ Die Stadt habe doch die Möglichkeit, erst einmal Geld vorzuschießen und gegebenenfalls zurückzufordern. Bestatter Steffen sagt: „Wir definieren uns nicht darüber, wie viel Geld wir haben, sondern wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen.“ Hätte er den Fall nicht öffentlich gemacht, würde D. immer noch im Kühlhaus liegen. Er habe Kondolenzkarten mit Spenden erhalten, die nun einen Teil der Kosten decken.

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